Kultur und Wissen
04.11.2026


Zehnter Jahrestag

Als Trump erstmals Präsident wurde

Vor zehn Jahren rieb sich manch einer verwundert die Augen: Donald Trump hatte es doch tatsächlich geschafft, Präsident der USA zu werden. Seither ist nichts mehr, wie es war.
  

Donald Trump kurz nach seiner erstmaligen Wahl zum US-Präsidenten. Donald Trump kurz nach seiner erstmaligen Wahl zum US-Präsidenten. Foto: © imago/ZUMA Press Wire

Nein nein, so schlimm würde es schon nicht kommen. Da waren sich die Experten vor zehn Jahren sicher, als sich der schrille Immobilienmogul Donald Trump 2016 erstmals um die US-Präsidentschaft bewarb. „Vieles spricht dafür, dass Trump irgendwann implodiert“, sagte damals etwa Politikberater Julius van de Laar. Er fügte allerdings einschränkend hinzu: „Das wird aber auch schon fast täglich und seit einem halben Jahr prognostiziert. Und der Mann ist in den Umfragen stärker denn je.“ 

Trump setzte sich nicht nur gegen seine republikanischen Kontrahenten wie Ted Cruz oder Marco Rubio durch, sondern am 8. November 2016 schließlich auch – denkbar knapp – gegen die im Washingtoner Establishment bestens vernetzte demokratische Kandidatin Hillary Clinton. Die hatte in dem mit großer Härte geführten Wahlkampf gesagt, einen Teil der Anhänger Trumps könne man getrost in einen „Korb der Kläglichen“ („basket of deplorables“) werfen. 

Axt im Walde und Abrissbirne 

Das trug wohl mit zur Mobilisierung im gegnerischen Lager bei – ungeachtet der Tatsache, dass Trump selbst auch schon in diesem Wahlkampf wie die Axt im Walde auftrat. Seither hat der Bauunternehmer die Grenzen nicht nur des Sagbaren verschoben, sondern, einer Abrissbirne gleich, die Fassaden von politischem Anstand und diplomatischen Gepflogenheiten eingerissen. Seine Wahl 2016 wurde in vielerlei Hinsicht zu einer Zeitenwende. 

Acht Jahre später, 2024, brachte Trump das Kunststück fertig, nach einer Pause von vier Jahren ins höchste Amt der USA wiedergewählt zu werden. Ein weiteres Mal profitierte er dabei auch von den Fehlern der Demokraten. Diesmal war es der greise Joe Biden, der weiter an den Schalthebeln der Macht bleiben wollte und sich viel zu spät selbst aus dem Rennen nahm. Ersatzkandidatin Kamala Harris hatte gegen den gnadenlosen Selbstvermarkter und Populisten Trump keine Chance mehr.
  

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Anwalt der Armen? 

Der Mann mit der eigenwilligen Frisur und dem roten, stets etwas zu lang gebundenen Schlips gibt sich als Anwalt der Armen und Entrechteten, während er mittellose Einwanderer aus dem Land schaffen lässt. Zugleich nutzt er das Amt nach Ansicht von Kritikern, um sich schamlos zu bereichern. Gewinne aus Kryptowährung, private Immobiliengeschäfte am Rande von Regierungsverhandlungen, dazu Merchandising ohne Ende. Egal ob bei der Bibel-Edition „Black & Gold“ zum 250. Geburtstag der USA oder bei der auf 750 Exemplare begrenzten „Donald J. Trump E-Gitarre“: Irgendwo und irgendwie hat der selbst ernannte Dealmaker immer seine Finger im Spiel. 

Trumps Vorgänger Harry Truman (1945–1953) verließ das Weiße Haus ohne jegliches Einkommen außer seiner Armee-Rente in Höhe von 113 US-Dollar (heutiger Wert rund 101 Euro) pro Monat, rechnete die BBC in diesem Sommer vor. „Donald Trump hingegen verdiente in seinem ersten Jahr nach seiner Rückkehr ins Amt mindestens 2,2 Milliarden US-Dollar“, rund zwei Milliarden Euro. 

Diesel-Deal mit Russland 

Längst spielt der Präsident, dessen Verhältnis zur Wahrheit dehnbarer ist als ein Wrigley-Kaugummi, in einer eigenen Liga. Mit Versprechen, sein Land aus Kriegen herauszuhalten und die Vereinigten Staaten in ein neues „goldenes Zeitalter“ zu führen, hatte Trump die Wähler 2016 und 2024 für sich eingenommen. Stattdessen trieben seine Strafzölle und der Krieg gegen den Iran zuletzt weltweit die Preise für Kraftstoffe in ungeahnte Höhen. 

Ein Diesel-Abkommen ausgerechnet mit Russland soll die Folgen für die US-Wirtschaft nun abfedern – zum Entsetzen der Ukraine, die sich seit Jahren gegen die russische Invasion wehrt. Trump lässt das kalt. Er hat die Midterms im Blick: Am 3. November wählen die US-Bürger große Teile ihres Parlaments und entscheiden darüber, ob die Republikaner im Kongress weiter die Oberhand behalten. 

Unterdessen arbeitet der Präsident daran, das Gesicht der Hauptstadt Washington D.C. dauerhaft zu verändern. Dazu gehört der Bau eines 76 Meter hohen Triumphbogens sowie eines 400 Millionen US-Dollar teuren Ballsaals am Weißen Haus. In Sachen Immobilien macht dem 80-Jährigen so schnell niemand etwas vor. Hinter blinkenden Fassaden lauern freilich die Abgründe einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft.

Joachim Heinz

KNA
Artikel von KNA
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