Umweltschutz
„Plastic Fischer“ reinigen Flüsse
Plastik aus Gewässern zu holen, gilt als schwierig. Für die Organisation „Plastic Fischer“ ist dies jedoch der leichtere Teil. Kompliziert wird es später: Wohin mit mehreren Millionen Kilogramm Plastik?
Eine Müllbarriere der Organisation „Plastic Fischer“ wird auf einem Fluss in Indonesien eingesetzt. Foto: © Plastic Fischer/KNA
„Plastic Fischer“ holt Plastik aus den Flüssen in Indien und Indonesien, bevor es in die Meere gelangen kann. Das funktioniert so: Ein schwimmender Zaun stoppt das Material an der Oberfläche, während Fische darunter hindurchschwimmen können. Die Organisation stoppte so bisher über drei Millionen Kilogramm Plastik, gewogen in trockenem Zustand, sagt Felix Vieg aus dem Leitungsteam in Deutschland. Hinzu kommen Aluminium, Glas und organische Abfälle.
Herausfordernd ist für „Plastic Fischer“ vor allem die Verwertung. Rund 95 Prozent ihres gesammelten Flussplastiks seien nicht recycelbar. Meist handelt es sich um mehrschichtige Verpackungen und Folien. Diese zu entsorgen, sei der aufwendigste Teil ihrer Arbeit.
Mehrschichtige Produkte machen Probleme
Den hochwertigen Kunststoff, etwa aus PET-Flaschen, würden vorher schon Einheimische sammeln und damit Geld verdienen. Kunststoff gilt als hochwertig, wenn er nur aus einem Material wie etwa PET besteht und sauber genug ist, um leicht wiederverwertet zu werden. Bei mehrschichtigen Materialien geht das nicht mehr.
Die Ursache dafür, dass so viele mehrschichtige Produkte im Umlauf sind, sieht Vieg bei den Herstellern: Sie stellten Produkte so her, dass sie Produkt- und Marktanforderungen möglichst gerecht würden. Je nach Land müssen sie kaum oder keine Kosten für die Entsorgung tragen. „Das bedeutet: Es werden viele Farben und Kunststoffe miteinander verbunden, die dann ganz tolle magische Eigenschaften haben. Allerdings kann man sie nie wieder auseinandersortieren oder recyceln.“
Im Globalen Süden gibt es dabei oft nochmal weniger Regeln. „Das heißt: Da wird noch mehr möglichst billig für den Produzenten und den Konsumenten produziert.“
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Dreimal so viel Plastik-Produktion möglich
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet in der Plastik-Produktion zudem eine negative Entwicklung: Die Produktionsmenge könnte sich bis 2060 etwa verdreifachen, wenn es so weiterläuft wie bisher. Gleichzeitig steigt der Recyclinganteil in der Zeit voraussichtlich nur auf 17 Prozent.
Um das Plastik zu sammeln, nutzt „Plastic Fischer“ einen sogenannten TrashBoom, einen schwimmenden Zaun aus lokal verfügbaren Materialien. Dabei setzen sie auf einfache Technik statt teure Hightech-Geräte. Das vereinfache Wartung und Reparaturen.
Die Anleitung dazu hat die Organisation vor einiger Zeit frei im Internet zur Verfügung gestellt. „Das hat dafür gesorgt, dass die Technologie stark repliziert wurde“, sagt Vieg. „Die Bauanleitung kursiert immer noch im Internet, auch wenn sie jetzt nicht mehr aktiv angeboten wird und nicht mehr die aktuellste Form der Trashboom-Technologie ist.“
Weniger Plastik in Umlauf bringen
Heute verkauft die Organisation fertige Geräte etwa an Nichtregierungsorganisationen. Auf diesem Weg will sie dazu beitragen, dass die Geräte bei Partnern landen, die sie auch warten und im Projektrahmen nutzen. Um zu vermeiden, „dass jemand einfach eine Barriere in den Fluss hängt und den Müll nicht regelmäßig einsammelt. Dann entstünden mehr Probleme, als man lösen würde.“
Es reiche jedoch nicht, das Plastik aus Flüssen zu holen: „Wir müssen auch dafür sorgen, dass das Plastik gar nicht erst in den Fluss kommt“, mahnt der Experte. Deshalb sammeln die „Plastic Fischer“ auch Plastik von Flussbänken, führen Recyclingprojekte durch, installieren Mülleimer und arbeiten mit Haushalten zusammen, die nicht an die Müllversorgung angegliedert sind.
Für die Zukunft wünscht sich Vieg, dass die Hersteller mehr Verantwortung für nicht recycelbare Verpackungen übernehmen müssen. Derzeit fließe in diesem Bereich zu viel Energie in Symbolpolitik. Wichtiger sei, „dass mehr in Abfallinfrastruktur in den Ländern investiert wird, die am stärksten betroffen sind“.
Madita Steiner



