Gerechtigkeit
29.01.2026

Die vergessenen Krisen der Welt

Zum zehnten Mal hat die Hilfsorganisation Care ihren Krisenreport vorgelegt. Erneut ballen sich die vergessenen Krisen in Afrika. Dabei gibt es in den Ursachen viele Überschneidungen – aber wohl auch einen überraschenden Kandidaten. 
    

Die Zentralafrikanische Republik steht auf Platz 1 im Report der vergessenen Krisen 2025 der Hilfsorganisation Care. Die Zentralafrikanische Republik steht auf Platz 1 im Report der vergessenen Krisen 2025 der Hilfsorganisation Care. Foto: © imago/imagebroker

Die Hilfsorganisation Care erinnert immer am Jahresanfang an humanitäre Krisen, die im vergangenen Jahr kaum Schlagzeilen machten. Die Katholische Nachrichten-Agentur dokumentiert die von Care für 2025 gelisteten zehn vergessenen Krisen: 

1. Zentralafrikanische Republik  
Der rohstoffreiche afrikanische Binnenstaat zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde. Seit zwölf Jahren sorgt ein Konflikt mit andauernder Gewalt dafür, dass rund 2,4 der 5,5 Millionen Einwohner in großer Not leben und auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Rund 1,1 Millionen Menschen sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht. Die Zentralafrikanische Republik ist als einziger Staat durchgängig in allen zehn Krisenreporten, die seit 2016 erschienen sind, vertreten. 

2. Namibia  
Der südwestafrikanische Staat macht derzeit die größte Dürre seit 100 Jahren durch. Nutztiere verenden, die Ernten brachen im vergangenen Jahr dramatisch um über 80 Prozent ein. Über ein Drittel der rund 3,1 Millionen Einwohner ist von Ernährungsunsicherheit bedroht. Zudem sorgt die Wasserknappheit für eine Ausbreitung von Durchfallkrankheiten, da immer mehr verschmutztes Wasser getrunken wird. Auf der anderen Seite wurden zuletzt große Fortschritte in der Gleichberechtigung der Geschlechter erzielt – zu Beginn des Jahres 2025 hatten erstmals drei Frauen die drei höchsten Staatsämter inne. 

3. Sambia  
Wie Namibia wirkt sich auch in Sambia der Klimawandel dramatisch aus – allerdings in Form von Überschwemmungen. Die Fluten haben im vergangenen Jahr große Teile der Ernten zerstört. Aktuell sind laut Care rund 5,5 der knapp 22 Millionen Sambier auf Unterstützung angewiesen, über 1,2 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit bedroht. Gleichzeitig bedrohten zunehmende Bodenerosionen die Lebensgrundlage in dem südafrikanischen Binnenstaat. 

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4. Malawi  
Ein Wechselspiel von Dürren und Überschwemmungen sorgt auch in Malawi für dramatische Ernteausfälle. In Sambias Nachbarstaat sind laut Care etwa 6,1 der über 22 Millionen Einwohner in Not. Um die Situation der Menschen zu verbessern, brauche es vor allem einen Ausbau der Frühwarnsysteme für Naturkatastrophen sowie klimaresistente Lebensgrundlagen. 

5. Honduras  
Das einzige mittelamerikanische Land in den Top Ten leidet unter Armut, Gewalt und der Klimakrise. Fast die Hälfte der gut 11 Millionen Einwohner lebt unter der Armutsgrenze, durch Dürren und damit steigende Lebensmittelpreise seien 1,6 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit bedroht. Dabei seien vor allem Frauen betroffen. Auch seien körperliche Gewalt und sexuelle Übergriffe gegen Frauen und Mädchen deutlich angestiegen. 

6. Nordkorea  
Der vielleicht überraschendste Eintrag auf der diesjährigen Liste. Berichte über Raketentests oder Militärparaden aus der isolierten Diktatur finden sich durchaus häufig. Dahinter verberge sich jedoch auch eine deutlich weniger beachtete humanitäre Krise, die wohl weit über ein Drittel der gut 26 Millionen Einwohner betrifft. Nach UN-Schätzungen sind 40 Prozent der Nordkoreaner in unterschiedlichem Ausmaß von Unterernährung betroffen, fast jedes fünfte Kind unter fünf Jahren leide wegen Mangelernährung an Wachstumsverzögerungen. Gleichzeitig sei internationale Hilfe aufgrund der Sanktionen gegen das Regime kaum möglich. 

7. Angola  
Der Atlantik-Anrainer im Südwesten des Kontinents stand im Vorjahr noch auf Platz eins der Liste. Neben anhaltenden Dürren sorgten Unruhen und eine landesweite Cholera-Epidemie weiterhin für eine schwierige humanitäre Lage. Nach UN-Angaben sind fast 2,6 der 39 Millionen Einwohner auf Hilfe angewiesen, die Hälfte davon Kinder – das, obwohl das Land einer der größten Ölproduzenten des Kontinents ist. 

8. Burundi  
Mit neun Auftritten gehört Burundi, knapp hinter der Zentralafrikanischen Republik, zu den Dauergästen im Krisenreport. Der ostafrikanische Binnenstaat ist mit Extremwetterereignissen, politischen Unruhen und massiven Fluchtbewegungen, vor allem aus der benachbarten Demokratischen Republik Kongo, konfrontiert. Insgesamt haben laut Care 1,2 Millionen der über 14 Millionen Einwohner nicht genug zu essen, etwa die Hälfte davon leide unter akuter Mangelernährung. Partnerschaftsgewalt und Kinderehen seien für Frauen und Mädchen ein zunehmendes Problem. 

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9. Simbabwe  
Der südafrikanische Binnenstaat ist ein weiterer Betroffener des Klimawandels. Das Auftreten von Dürren habe sich deutlich gehäuft: von einer pro Jahrzehnt auf einen Zwei- bis Dreijahresrhythmus. Mindestens 7 der insgesamt 17 Millionen Einwohner leiden laut Care Not. Dabei sei die ländliche Bevölkerung besonders stark betroffen. 

10. Madagaskar  
Afrikas größte Insel schließt die diesjährige Rangliste ab. Auch Madagaskar gehört zu den am schwächsten entwickelten Staaten der Erde. In der ersten Jahreshälfte versehrten gleich mehrere schwere Katastrophen – darunter Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme – die Insel. Rund 4,7 Millionen Menschen, darunter 2,3 Millionen Kinder, benötigten 2025 aufgrund von Ernährungsunsicherheit, Krankheitsausbrüchen und Klimakatastrophen humanitäre Hilfe. Die Zuspitzung der Krise sorge zudem für Unruhen im Land. Im Oktober 2025 übernahm das Militär die Macht. 

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Artikel von KNA
Katholische Nachrichten-Agentur
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