1965: Ende des Konzils
Nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils herrscht auch in München Aufbruchstimmung.
Die Jugend begrüßte Kardinal Döpfner nach seiner Rückkehr aus Rom am Domportal. Diözesanführer Georg Aschauer überreichte einen geschnitzten Bären als Willkommensgeschenk. Foto: © Archiv
Am 8. Dezember 1965 endet in Rom das Zweite Vatikanische Konzil. Der Artikel der Münchener Katholischen Kirchenzeitung schildert die diözesanen Feiern in München zum Abschluss der historischen Kirchenversammlung aus kirchennaher Perspektive und vermittelt Aufbruchstimmung. Kardinal Döpfner erscheint als prägende Autorität, die Konzilsbeschlüsse als Auftrag an alle Gläubigen. Der Text ist ein aufschlussreiches Dokument damaliger Erwartungen.
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Das Konzil ist beendet - das Konzil beginnt
Notizen von den Feiern in München
Von Richard Pinzl
Mit diesen Worten hatte Generalvikar Prälat Matthias Defregger die Katholiken zur Teilnahme an den Feierlichkeiten eingeladen, die aus Anlaß des Abschlusses des Konzils in München stattfanden.
Freude, Dankbarkeit und gute Vorsätze, waren die tragenden Säulen dieser Festlichkeiten, war es nun der festliche Gottesdienst am Abend des Festes Maria Unbefleckte Empfängnis, der feierliche Empfang des Kardinals am Abend des Freitags oder beim Festakt im Herkulessaal.
Die festlichen Klänge der Messe in as-Dur von Schubert waren der musikalische Rahmen für den feierlichen Dankgottesdienst zum Abschluß des Konzils, den am Abend des Festes Maria Unbefleckte Empfängnis der Generalvikar der Erzdiözese Prälat Matthias Defregger zelebrierte.
Er zeichnete in seiner Ansprache die drei Phasen des Konzils: die des Enthusiasmus, der Vorbereitung - die des Ablaufs des Konzils, die charakterisiert war durch ihre eigene Problematik - und die nun beginnende geistige Phase des II. Vatikanischen Oekumenischen Konzils, die der Verwirklichung der Beschlüsse. .
Wir wollen uns eingestehen, wenn wir auch alle gespürt haben was die so häufige Abwesenheit unseres Bischofs für Opfer vom Bistum abverlangt hat, daß wir stolz waren, daß unser Erzbischof dazu berufen war, als Moderator einen überragenden Dienst der Weltkirche zu leisten.
Die Weltkirche aber, - und es war wie ein Wermutstropfen, der in den "Kelch der Freude" geträufelt wurde, als der Generalvikar dies aussprach - werde auf Jahre hinaus nun in der nachkonziliaren Zeit, den Dienst, die Erfahrung, die Hingabe und die Kraft des Moderators, unseres Oberhirten, in Anspruch nehmen.
Es gab keinen "großen" Bahnhof mit einem streng ablaufenden Protokoll, als es dann am 9. Dezember so weit war, daß unser Oberhirte wieder deutschen Boden betrat mit strahlendem Gesicht.
Umringt von Domkapitularen und Pressevertretern, eingekeilt zwischen Kabeln und Mikrophonen, Filmkameras und Photographen, sagte unser Oberhirte "ich bin froh, wieder daheim zu sein". Der Generalvikar und das Domkapitel begrüßten den Kardinal.
Diese planmäßige Maschine der Lufthansa brachte an diesem Tag einen "kleinen Abglanz" des Konzils nach München: Kardinal Frings und Bischof Hengsbach waren ebenfalls an Bord, so wie Bischöfe aus Südamerika, Bischof RudoIf Koppmann OMI von Windhuk und ein maronitischer Bischof, der mit seinem schwarzen Schleier die Aufmerksamkeit erregte.
Konzilstheologen und Journalisten vervollständigten die "Konzilsgesellschaft" dieser Maschine. Der Kapitän der Lufthansa-Maschine hatte den Passagieren dieses Fluges eine besondere Überraschung bereitet: bei strahlendem, wolkenlosen Himmel umflog er in geringer Höhe die Zugspitze.
Bis auf den letzten Platz gefüllt war dann am Abend des Freitags der Münchener Dom, als Kardinal Döpfner und mit ihm die in München anwesenden Konzilsväter empfangen wurden.
In der Vorhalle des Domes hatte die Jugend mit ihren Bannern Aufstellung genommen. Sie begrüßte mit einem Lied als erste unseren Oberhirten. Diözesanjugendführer Georg Aschauer überreichte dem Kardinal einen geschnitzten Bären.
Aschauer meinte dazu: so wie der hl. Korbinian, der erste Bischof des Bistums dem Bären sein Gepäck auflud, als er ihm sein Saumtier zerrissen hatte, so solle der Bischof das "Packl", das er aus Rom mitgebracht habe, seinen Diözesanen aufladen.
Das Domkapitel geleitete unseren Oberhirten zu seinem Thron. Mit Kardinal Döpfner zogen Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler, der Apostolische Exarch für die katholischen Ukrainer in Deutschland, Bischof Platon Kornyljak und die Konzilsväter Daniel Nunez, Bischof von David in Panama, Weihbischof Felipe Santiage, Benitez-Avalos von Assuncion in Paraguay, Augustin Herrera von Argentinien und Generalabt Maroun Harika aus dem Libanon in den Dom ein.
Domdekan Prälat Franz Stadler entbot dem Bischof den Gruß der Diözese, und Julius Kardinal Döpfner dankte für diesen Willkommensgruß mit einem ganz persönlichen Wort des Dankes an seine Diözesesanen, an seine Mitarbeiter im Domkapitel und an alle, die in der Diözese am Werk sind, das Konzil Wirklichkeit werden zu lassen.
In lateinischer Sprache wandte er sich an die anwesenden ausländischen Bischöfe. (Die Ansprache unseres Oberhirten finden Sie auf S. 11)
Im Presbyterium des Domes hatten jene Männer aus unserer Erzdiözese Platz genommen, die nach den Worten unseres Kardinals wesentlichen Anteil am Gelingen diess Konzils hatten: die Konzilstheologen, die Peritis aus unserer Diözese.
Prälat Prof. Dr. Schmaus; Prof. Pascher, Prof. Mörsdorf; Prof. Rahner SJ, Dr. Tilmann und P. Wulf SJ, sowie der Konzilssekretär des Kardinals, Dr. Gruber.
Wenn die deutschen Bischöfe einen wesentlichen Beitrag zu diesem Konzil leisten konnten, so sagte Kardinal Döpfner, dann sei dies in erster Linie der hervorragenden Arbeit der deutschen Konzilstheologen zu verdanken.
Julius Kardinal Döpfner erteilte bei dieser kurzen Andacht den Päpstlichen Segen, weit in die anliegenden Straßen hinein tönten die Klänge des Bruckner Te Deums, denn die Feier im Dom wurde mit Lautsprecher auf den Domplatz übertragen, obwohl dort der Sturm bereits nach kurzer Zeit auch den letzten Zuhörer verblasen hatte.
Festliche Musik gespielt vom Orchester Kurt Graunke unter Leitung von Domkapellmeister Msgr. Dr. Johannes Hafner, und Prof. Heinrich Wismeyer am Cembalo und an der Orgel, war der festliche akustische Rahmen des Festaktes zum Abschluß des Konzils im Herkulessaal der Residenz am Sonntag Nachmittag.
Abordnungen aus der ganzen Erzdiözese, Laien und Klerus, Ordensleute fast aller in der Diözese ansässigen Ordensgemeinschaften nahmen an diesem Festakt teil.
Zahlreiche Ehrengäste waren anwesend: Ministerpräsident Dr. Alfons Goppel, Senatspräsident Singer, die Minister Hundhammer und Huber, sowie mehrere Staatssekretäre; Oberbürgermeister Dr. Hansjochen Vogel und Bürgermeister Brauchle; an der Spitze der Vertreter des Hauses Wittelsbach war Herzog Albrecht erschienen.
Eine festliche Gesellschaft, ein Querschnitt durch das Leben unserer Erzdiözese.
Oberstudienrat Lillig, der Präsident der Katholischen Aktion, eröffnete die Feierstunde und entbot den Gruß der Bischöfe - neben dem Kardinal waren noch anwesend Missionsbischof Duschak SVD, von den Philippinen und Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler - den Ehrengästen allen Anwesenden.
Auch Lillig entbot den Peritis einen ganz besonderen Gruß.
An die Vertreter der evangelischen Kirche und der israelischen Kultusgemeinde, die ebenfalls an diesem Festakt teilnahmen, gewandt, sagte Lillig: "In Ihrem Besuch sehen wir den Ausdruck brüderlicher Verbundenheit".
Prof. Dr. Karl Rahner SJ, einer der Konzilstheologen, hielt den Festvortrag: "Das Konzil - ein neuer Beginn".
Das Konzil war ein Anfang des Anfangs, meinte Prof. Rahner in seinem aus reichen Wissen um die Konzilsvorgänge fundierten Referat.
Zum Abschluß meinte er zur Frage "was nun zu tun sei": "... wenn jeder sich täglich mehr bemüht, der egoistischen Härte seines Herzens ein wenig mehr tätige Nächstenliebe abzuringen, wenn es Christen gibt, die nicht auch bei brutalen, brüllendem Geschrei oder bei dem feigen Geflüster nationalistischen oder gruppengesellschaftlichen Egoismus dabei sind, wenn ein paar christliche Männer und Frauen im öffentlichen Leben deutlicher fragen und klarer das sagen, was recht ist und nicht was ihnen nützt, dann hat das Konzil seinen wirklichen Sinn, den letztlich einzigen erreicht."
Über die Rede von P. Rahner werden wir noch ausführlich berichten (d. Red.).
"In Gottes Namen fangen wir an", sagte Julius Kardinal Döpfner bei seinem kurzen Schlußwort, er wolle hier den Ausführungen von Prof. Rahner nichts mehr hinzufügen, obwohl es in Zukunft notwendig sei noch viel und oft vom Konzil zu sprechen.
"In Gottes Namen fangen wir an", dieses Wort in die Ohren und Herzen aller Diözesanen, denn das Konzil beginnt bei uns, da es nun an allen liegt, die Beschlüsse zu verwirklichen, damit die Kirche werde, die Kirche des II. Vatikanischen Konzils. (Rahner)
Foto: © Archiv
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