125 Jahre Michaelsbund
21.07.2026

1958: Das Testament Papst Pius XII.

Kein Denkmal, ein schlichtes Grab: Pius XII. hinterließ ein Testament voller Bescheidenheit.
    

Papst Pius XII. Papst Pius XII. Foto: © IMAGO / Bridgeman Images

Papst Pius XII. führte die katholische Kirche durch den Zweiten Weltkrieg und die ersten Jahre des Kalten Krieges. Er prägte sie mit zahlreichen theologischen und kirchenpolitischen Entscheidungen. Bis heute ist sein Pontifikat umstritten: Während ihn viele für seinen Einsatz zugunsten verfolgter Juden würdigen, werfen ihm andere vor, angesichts des Holocaust nicht deutlich genug öffentlich Stellung bezogen zu haben. Unbestritten sind sein großer Einfluss auf die katholische Lehre, die Liturgiereform sowie die Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel im Jahr 1950.

Pius XII. starb am 09. Oktober 1958. In seinem Testament, das die Münchener Katholische Kirchenzeitung in der Ausgabe vom 19. Oktober 1958 veröffentlicht, verzichtete er auf jedes persönliche Andenken. Statt eines Denkmals wünschte er sich ein schlichtes Grab an einem möglichst verborgenen Ort und bat lediglich um Gebete für seine Seele. Zugleich erklärte er, auf ein geistiges Vermächtnis verzichten zu können: Seine zahlreichen Lehrschreiben spiegelten bereits seine Überzeugungen wider. Den Heiligen Stuhl setzte er als Universalerben ein.
    

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Das Testament Papst Pius XII.


Unter dem Datum vom 15. Mai 1956 hat Papst Pius XII. ein Testament niedergeschrieben. Die Worte, die er bei der Papstwahl im März 1939 gesprochen hatte, setzte er an die Spitze. Das Testament hat also folgenden Wortlaut:

„Diese Worte, die ich im Bewußtsein meiner Unwürdigkeit und Unzulänglichkeit in dem Augenblick aussprach, in dem ich zitternd meine Wahl zum Papst annahm, wiederhole ich jetzt mit noch größerer Berechtigung, da mir die während eines so langen Pontifikats in einer so ernsten Zeit begangenen Unzulänglichkeiten und Verfehlungen, mein Ungenügen und meine Unwürdigkeit noch bewußter gemacht haben.

Ich bitte jene demütig um Vergebung, die ich in Worten und Werken beleidigt, geschädigt und verärgert haben mag.

Ich bitte diejenigen, die dafür zuständig sein mögen, kein Denkmal zu planen oder zu errichten. Es genügt, meine armen sterblichen Überreste einfach an einem geheiligten Ort beizusetzen, je verborgener, desto angenehmer.

Ich brauche nicht zu empfehlen, für meine Seele zu beten. Ich weiß, wie zahlreich solche Gebete sind, die die Geflogenheiten des Hl. Stuhles und die Pietät der Gläubigen für jeden verstorbenen Papst anbieten.

Und ich brauche nicht einmal ein „geistiges Testament“ zu hinterlassen, wie es so viele eifrige Prälaten lobenswerterweise getan haben, weil die nicht geringe Zahl von Abhandlungen, die ich auf Grund der Notwendigkeit meines Amtes herausgegeben oder verkündet habe, genügen, um jene, die es wünschen, meine Gedanken zu den verschiedenen religiösen und moralischen Fragen wissen zu lassen.

Nachdem dies gesagt ist, setzte ich den heiligen apostolischen Stuhl, der mir soviel gegeben hat wie eine hochgeliebte Mutter, zu meinem Universalerben ein.

gez. Pius PP. XII.“

Foto: © Archiv
Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management