125 Jahre Michaelsbund
10.07.2026

Wiederaufbau St. Peter vollendet

Zehn Jahre nach der Zerstörung erstrahlt Münchens älteste Pfarrkirche St. Peter wieder in alter Würde.
    

Die zerstörte Münchner Peterskirche 1945. Die zerstörte Münchner Peterskirche 1945. Foto: © Pfarrarchiv St. Peter München

Mit der Weihe des Hochaltars 1954 ist der Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörten Münchner Peterskirche abgeschlossen. Der Autor würdigt St. Peter als älteste Pfarrkirche der Stadt, die eng mit deren Geschichte verbunden ist. Trotz großer Kriegsschäden blieb die historische Gestalt weitgehend erhalten. Besonderer Dank gilt Pfarrer Max Zistl, der den Wiederaufbau maßgeblich vorantrieb und das Wahrzeichen Münchens neu erstehen ließ.
    

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Die Wiederauferstehung der Münchner Peterskirche

Von Dr. phil. Max-Joseph Hufnagel

Der 27. Juni 1954 hat allen, die die Herrlichkeit der alten Münchener Peterskirche kannten und liebten, wohl eine der größten Freuden bereitet. Zu dem überirdischen Glück, daß Gott wieder sein Zelt unter uns Menschen aufgeschlagen hat, gesellt sich auch die irdische Freude: Ein Stück Münchens lebt wieder!

Wir alle, die wir die Pracht der Peterskirche liebten, bei den Luftangriffen um sie bangten und die wir vor der Ruine der ältesten Pfarrkirche Münchens trauerten, wir alle verfolgten mit heimlicher Freude jeden noch so kleinen Schritt am Wiederaufbau dieses Gotteshauses. Gott sei's gedankt, die Urteile der Fachgelehrten, die 1945 behaupteten, diese Kirche könne niemals wieder aufgebaut, die Ruine müsse gesprengt werden, sind Lügen gestraft. In den traurigen Tagen, in denen man St. Peter schon aufgegeben hatte, ergriff Kardinal von Faulhaber als Anwalt der ältesten Münchener Pfarrkirche das Wort: „Ich kann mir München ohne seine Peterskirche überhaupt nicht vorstellen.“

Die Besitzerfreude wird nach vorübergehendem Verlust nur noch bewußter und nachhaltiger. Allen, die die Konsekration des Hochaltars der wiederhergestellten Peterskirche durch Kardinal Wendel jetzt erleben durften, sah man diese kindliche Freude an.

Warum diese Anhänglichkeit, warum diese außergewöhnlichen Opfer und Anstrengungen des Wiederaufbaues? Romantische Gefühle und Schönheitssinn vermögen diese nicht allein zu begründen. St. Peter ist die älteste Pfarrkirche der bayerischen Landeshauptstadt. Sie allein kann beanspruchen, seit Bestehen mit der Geschichte Münchens aufs innigste verbunden zu sein.

„Die Frauenkirche hat den hierarchischen, die Peterskirche hingegen den historischen Vorrang unter den Kirchen Münchens“, wiederum ein Wort Kardinal Faulhabers, des großen Gönners dieser altehrwürdigen Ruhmeskirche des Apostelfürsten.

In früheren Jahrhunderten war der Primat dieser Kirche unumstritten. Erst mit dem Jahre 1821 sinkt die große Zeit des St. Petersmünsters dahin, als durch das bayerische Konkordat der Bischofssitz von Freising nach München verlegt und die räumlich größere Frauenkirche zur erzbischöflichen Kathedrale erhoben wurde.

Bis dahin war nach der Bischofswürde das Dekanat von St. Peter in München die höchste Auszeichnung im Bistum Freising. Selbst Kardinäle und Bischöfe, die vor ihrer Berufung die Pfarrei des hl. Petrus in München geleitet hatten, nennen sich noch in ihren späteren Tagen in den Urkunden stolz „Dechante bei St. Peter in München“.

Nur bedeutende, fähige Köpfe konnten Vorstand der Peterspfarrei werden. Gewöhnlich entstammten sie einem alten Adelsgeschlecht. Fast immer besaßen sie den theologischen Doktorhut. Nach ihrem Wirkungsbereich bei St. Peter bekleideten sie damals die höchsten Ehrenstellen, kirchliche wie weltliche.

Kaiser Ludwig der Bayer hat sich, allerdings vergebens, bemüht, für den Dechant von St. Peter bischöfliche Rechte zu erwirken. Kurfürst Maximilian von Bayern beabsichtigte, die Kirche zum kurfürstlichen Kollegiatstift zu erheben. Das Stift Habach sollte diesem inkorporiert werden. Nur die durch den Krieg erschöpfte Finanzlage des Landes verhinderte die Ausführung. Ähnliche Bestrebungen waren unter Baron von Scarlatti zu Ende des gleichen Jahrhunderts im Gange.

Trotzdem wirkte der Dekan bei St. Peter fast uneingeschränkt. Er übte die Aufsicht über den Stadtklerus aus, er hatte sein eigenes Direktorium (Liturgischer Kalender für Brevier und Meßbuch) mit vielen, nur in der Peterskirche gefeierten Festen. Die hohe kirchliche Würde des Dekans kam nach außen durch die Insignien: Inful, Stab und Ring zum Ausdruck.

Nach dem kurzen Blick auf die geschichtliche und kirchliche Würde des Dechanten von St. Peter wird der Rang des Gotteshauses selbst noch begreiflicher. Die Erhabenheit des kirchlichen Amtes kommt in der Baugeschichte zum Ausdruck. Dieses Gotteshaus schreitet mit wachsender Schönheit durch die drei großen sakralen Stilperioden, deren Spuren auch die Zerstörungen nicht verwischen konnten.

1181 wurde der Grundstein zur ersten, romanischen Peterskirche gelegt. 1294 wird die zweite Peterskirche, eine romanische Pfeilerbasilika im Übergangsstil, konsekriert. 1327 wird die Kirche bis auf die Türme ein Raub der Flammen. Kaiser Ludwig der Bayer selbst schickte Sammler für den Wiederaufbau in alle seine Lande aus. 1365 kann endlich die Kirche gotischen Stiles eingeweiht werden.

Am Johannitag 1607 zerstört ein Blitz die beiden gotischen Turmspitzen dieser Kirche. An deren Stelle wird ein Renaissance-Turm, der sogenannte „Alte Peter“, ein Wahrzeichen der Stadt, errichtet.

Gerade vor 300 Jahren, 1654, wird der Ostchor, durch den der Grundriß eine Kreuzesform erhält, fertiggestellt. Im 18. Jahrhundert feiert schließlich das zierliche Rokoko in St. Peter seinen Einzug. Seitdem erfolgte keine wesentliche bauliche Veränderung mehr.

Auch die Zerstörung der Kirche vollzog sich stufenweise. Beim ersten Fliegerangriff im März 1944 stürzte ein Pfeiler ein und wurden alle Kirchenfenster zerstört. In der Nacht zum 25. April 1944 wurde die Turmspitze, der Alte Peter, ein Raub der Flammen. Am Sonntag Gaudete 1944 fand zum letztenmal in der alten Peterskirche Gottesdienst statt. In der darauffolgenden Nacht wurde beim Luftangriff die Ostwand auseinandergerissen und der Hochaltar zum Einsturz gebracht. Beim Doppelangriff in der Nacht vom 7./8. Januar 1945 wurde eine Sakristei und der Dachstuhl des Ostchors zerstört. Noch aber war das Gewölbe, vom Chor abgesehen, unversehrt! Doch kurz vor Kriegsende, am 25. Februar 1945, wurde dieses durch zwei Sprengbomben total vernichtet. Der Anblick der Ruine von St. Peter war niederschmetternd.

Der Wiederaufbau von Münchens ältester Pfarrkirche bleibt das große Verdienst des jetzigen Pfarrers Max Zistl, der als zweiter Erbauer und Bettler von St. Peter in die ruhmreiche Pfarrgeschichte eingehen wird. Im Sommer 1946 erhielt der Turm eine Notbedachung. Der Ostchor konnte im Oktober 1949 Richtfest feiern. Ein Jahr darauf wurde mit dem Chefredakteur des „Münchener Merkur“ der Wiederaufbauverein „Alter Peter“ gegründet. Schon am 31. März 1951 konnten nun auch das Langhaus Richtfest feiern. Der vollendete Turm wurde am Christkönigsfest des gleichen Jahres der Kirche übergeben. Daraufhin wurden Haupt- und Seitenschiffe und schließlich auch der Chor in jahrelanger Arbeit eingewölbt.

Die Innenausstattung der Kirche vollzog sich in mühevoller, langwieriger Kleinarbeit. Wer die Ruine nicht kannte, wird kaum glauben, daß die Pracht, die er heute sieht, aus der Zerstörung wiedergeboren wurde. Wir erkennen nämlich sofort: das Bild von einst und die Wirklichkeit von heute decken sich fast vollkommen. Die bauliche Harmonie von Gotik, Barock und Rokoko ist erhalten. Freilich fehlt manches Unwesentliche. Doch tragen die Hochwände das ursprüngliche Stuckkleid. Das einstige Gewölbe hat seine Form behalten, ist jedoch leichter konstruiert. Die Stukkaturen des Mittelschiffes sind vereinfacht und dem Schmuck der Hochwände angepaßt. Die Seitenschiffe treten vor dem Mittelschiff zurück und sind bescheidener dekoriert.

Das Wichtigste der Kirche, ihr Mittelpunkt, ist aber wiederhergestellt. Der Hochaltar mit dem Apostelfürsten, einem Werk des Erasmus Grasser, umgeben von den vier abendländischen Kirchenlehrern, schaut wieder auf uns herab. Von ihm sagt der Ästhetiker v. Rittershausen: „Der schönste, so man in Münchens Kirchen sieht.“

Als vor über 100 Jahren der Apostolische Nuntius in München Michele Viale de Prelà die Peterskirche besuchte, verweilte er eine Stunde lang in dem Gotteshaus. Kunstwerk um Kunstwerk besah er im langsamen Durchschreiten. Der Anblick des Hochaltars ergriff ihn aber sichtlich. Seine Empfindungen hat er seinem Gefolge in einem Wort bekundet, das seitdem unvergessen blieb: „Schöneres habe ich nicht gesehen!“

Für einen Kirchenfürsten, dessen Schönheitssinn vom Anblick der großen Kunstwerke seiner italienischen Heimat gewiß verwöhnt war, bedeutet dieser Ausspruch gar viel.

Uns heutigen Kindern des 20. Jahrhunderts geht es nicht anders, wenn wir nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges in der wiedererstandenen Peterskirche stehen. Wüßten wir auch nichts von der Begeisterung jenes Kardinals, auch wir gestehen voll Aufrichtigkeit: „Schöneres haben wir nicht gesehen!“

Foto: © Archiv

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Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management