Leben in der Westrussischen Republik

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Buchprofile - Rezension
2026, oder: wenn die Russen kommen - eine beängstigend realistische Dystopie.
2029 findet man am Stadtrand von Hildesheim die verhungerte Leiche von Elias Franke, neben sich ein Tagebuch. Es enthüllt in 91 Einträgen, datiert von 2026-29, den Untergang einer Familie.2026 nimmt die russische Republik einen Wahlsieg der rechtsextremen Partei AvD zum Anlass, um mit "Freiwilligen" über die Lübecker Bucht eine Invasion in Deutschland zu starten. Innerhalb kürzester Zeit bricht der Staat zusammen, von der NATO und insbesondere von der Schutzmacht USA im Stich gelassen. Die russische Armee lässt Regierung, Parlamente und Kritiker verhaften, teilt das Land in drei neue Gebiete auf - darunter im Nordwesten die titelgebende Westrussische Republik. Schritt für Schritt wird das Land umgestaltet, Widerstand schon im Keim erstickt. Der Protagonist und seine Familie versuchen, ihr Leben unter der Besetzung so gut, wie es geht, weiterzuführen, doch die Besatzungsmacht nimmt ihnen Schritt für Schritt alles weg - die Sprache, dann die Kinder. Schließlich sucht eine absichtlich herbeigeführte Hungersnot die Westrussische Republik heim. Der Autor nutzt die Tagebuchform für kurze, abgehackte Sätze, die den Verfolgungsdruck und die Angst seines Protagonisten gut vermitteln, auch wenn sich vereinzelt Plattitüden in die Kapitel eingeschlichen haben. Ansonsten ist Charakterzeichnung nicht seine Stärke. Der Ich-Erzähler Elias Franke und seine Familie, die Menschen um ihn herum, sie alle bleiben seltsam farblos. Dirk Meyer erinnert insofern an so manchen Roman von z.B. Gudrun Pausewang, bei der die literarischen Fähigkeiten weit hinter der guten Intention zurückblieben. Dabei spart Meyer nicht mit drastischen, durchaus realistisch erzählten Gewaltszenen, die teilweise schwer zu ertragen sind. Trotz aller Schwächen ist das "Tagebuch" dennoch ein wichtiges Buch. Denn die Bedrohung Europas durch Russland ist heute realer denn je. Die desaströse Kleptokratie eines Donald Trump findet bei Meyer noch nicht statt; sein Szenario ist aber realistischer denn je. Empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Im Herbst 2029 wird in einem verlassenen Haus nahe Hildesheim ein Manuskript entdeckt. Es stammt von Elias Franke, 49 Jahre alt, der in den Jahren der sogenannten "Westrussischen Republik" Tagebuch geführt hat. Wenige Stunden nach Vollendung seiner Aufzeichnungen nimmt er sich das Leben.Seine Notizen beginnen mit dem militärischen Angriff: Russische Streitkräfte landen - getarnt in einer Schattenflotte - in der Lübecker Bucht, dringen in das Land ein, und innerhalb einer Woche kapituliert die deutsche Regierung. Was folgt, ist der Alltag unter einer neuen Besatzungsordnung. Franke berichtet von Lautsprecherwagen, Registrierungslisten und verschwundenen Nachbarn. Die Angst greift schnell um sich, während die Propaganda Schulen, Supermärkte und Fernsehen durchdringt. Er beschreibt, wie eine Gesellschaft sich schrittweise verändert: wie Schweigen zur Gewohnheit wird, wie Menschen verschwinden, wie Zwangsrekrutierungen beginnen. So entsteht das Bild einer fiktiven Besatzungsordnung, die Freiheit und Alltag von innen heraus zerstört.Das Tagebuch bleibt dabei immer nah an der Familie: an den Kindern, die plötzlich Russisch lernen müssen; an der Frau, die er verliert; an den Freunden, die verstummen oder verschwinden. Zwischen intimen Szenen und politischer Chronik entsteht so ein beklemmendes Bild einer Gesellschaft im Ausnahmezustand.Tagebuch - Leben in der Westrussischen Republik ist kein Heldenepos, sondern die Chronik eines gewöhnlichen Mannes, der versucht, im Strudel der Geschichte Mensch zu bleiben. Es ist ein stilles, aber eindringliches Dokument - ein Roman, der sich liest wie ein authentisches Fundstück, zugleich Zeitzeugnis und Warnung, wie zerbrechlich Freiheit ist - und ein literarisches Friedensprojekt, das zum Innehalten anregt.

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Personeninformation

Dirk Meyer, geboren 1975, lebt und arbeitet in Landkreis Osnabrück Tagebuch - Leben in der Westrussischen Republik ist sein erstes literarisches Werk. Entstanden ist es aus vielen Gesprächen, aus Nachdenken und aus der Sorge, dass wir unsere Demokratie für zu selbstverständlich halten.Meyer versteht sein Buch nicht als Anklage, sondern als Impuls zum Innehalten - und als Geschichte, die zeigt, was auf dem Spiel steht.

Pressestimmen

"Dem Autor gelingt es von Beginn an, eine tiefe Verbundenheit zwischen dem Leser und Elias Franke zu schaffen, die Mitgefühl und Fassungslosigkeit, Trauer und Entsetzen, Hoffnung und Hilflosigkeit miterleben lässt. Dieses Buch bietet Gelegenheit zur Reflexion. Es ist etwas ganz Besonderes und jede Leseminute wert." "Ein Buch, das man so schnell nicht wieder vergisst - intensiv, bildhaft und überraschend authentisch. Es hat mich wirklich beeindruckt." "Szenarien, die zwar utopisch wirken, aber zum Nachdenken und vielleicht sogar zum politischen Handeln anregen." "Mitunter fühlt man sich beim Lesen des Tagebuches an Paul Lynchs 2023 mit dem Booker- Preis ausgezeichneten Roman "Das Lied des Propheten" erinnert, der ein ähnliches Untergangsszenario zeichnet." Märkische Oderzeitung, Welf Grombacher, 04.02.2026 Märkische Oderzeitung
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