Im Traum suche ich immer das Weite

Roman
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Buchprofile - Rezension
Der Traum vom richtigen Leben am falschen Ort: Hilmar Klutes nur teilweise überzeugender Coming-of-Age-Roman über einen literarisch ambitionierten Studenten Mitte der 1980er-Jahre.
Volker Winterberg ist wieder da. Der Protagonist, dem wir schon in Hilmar Klutes Debütroman "Was dann nachher so schön fliegt" (BP/mp 18/941) kennenlernen konnten, hat seine Vergangenheit in Berlin ad acta gelegt. Beinahe jedenfalls, denn auch im jüngsten Roman "Im Traum suche ich immer das Weite" lässt ihn seine Berliner Affäre Katja am alten Wirkungsort, im Ruhrgebiet, nicht in Ruhe, er bekommt von ihr Briefe, die er mit ihr verwechselt. Eine verzwirbelte Existenz, ein Student mit erträglichen Sinnproblemen und hochfliegenden Schreibhoffnungen. Langwierig und behäbig wird von den Seminaren des Helden erzählt, die er an der Universität besucht, von pseudointellektuellen Dozenten und alten weißen Professoren. Das ist in anderen Campus-Romanen schon mal zügiger und pointierter passiert. Spannend aber geht es zu, wenn Volker Winterberg sich, statt dem Zivildienst in Seniorenheimen, den Geschichten seines Großvaters widmet, eines Bergmanns, und dessen Plots weiterspinnt, etwa die von einem unfreiwillig verweigerten Handschlag mit Hitler, woraus eine immerhin achtbare – das meint jedenfalls ein Dichter in einem Kurs für kreatives Schreiben – politische Satire Winterbergs entspringt, eine gute Story in einem nur teilweise überzeugenden Roman. Auch die Szenen im Bochumer Schauspielhaus sind amüsant geschildert, etwa die Begegnung mit einem wider Erwarten zugänglichen berühmten Schauspieler. Die Reiseszenen wiederum, die in Italien und in Ungarn spielen, sind von bemühter Munterkeit, aufgemöbelt von allerlei Figuren aus dem Geheimdienst- und Dissidentenmilieu. Streckenweise lesenswerte Coming-of-Age-Geschichte aus dem Studentenmilieu der späten 1980er-Jahre mit der nachdenklichen Frage, ob man im richtigen Teil der Welt geboren sein muss, um im falschen Teil ein einigermaßen gutes Leben zu haben.
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Artikelbeschreibung

Sprachzauberer Hilmar Klute über einen, der sich treiben lassen muss, um zum Wesentlichen zu finden.

Frühsommer, Ende der Achtzigerjahre. Volker Winterberg hat seinen Traum vom Bohemeleben in Berlin und seinen Zivildienst beendet. Jetzt ist er wieder daheim im Ruhrgebiet, sitzt seine Zeit in Seminaren an der Uni ab, nimmt an Schreibkursen teil und hilft am Theater aus. Aber ungestillt ist sein Hunger nach der Essenz des Lebens und der Kunst. Jeden Abend sieht er die Stücke der Großen auf der Theaterbühne, freundet sich mit den Theaterleuten an und verehrt vor allem den großen Traugott Buhre.

Doch statt voranzukommen, holt ihn die Vergangenheit ein: Seine kurze Berliner Affäre kündigt ihren Besuch an und bringt den unentschlossenen Volker in gewaltige Verlegenheit. Gemäß dem Motto »Man musste nur im richtigen Teil der Welt geboren sein, um im falschen Teil ein gutes Leben führen zu können« beschließt er danach, gemeinsam mit seinem Freund Leo auszubrechen und äußere und innere Kontinente zu durchmessen: Sie reisen ohne festen Plan gen Süden, und schließlich verschlägt es sie in die unbekannten Weiten des offiziell noch sozialistischen Ungarn. Doch auf Volker warten noch ganz andere Abenteuer - und die finden im Kopf statt, aber auch an Orten, wo er sie nicht vermutet hätte.

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Personeninformation

Hilmar Klute ist Streiflicht-Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er hat einige Bücher veröffentlicht, darunter den zeitkritischen Essay Wir Ausgebrannten (2012). 2015 erschien bei Galiani seine »ebenso kluge wie gründliche und liebevolle« (FAZ) Ringelnatz-Biografie War einmal ein Bumerang. Sein literarischer Debütroman Was dann nachher so schön fliegt erschien 2018 und wurde von der Presse hochgelobt; 2020 folgte der Roman Oberkampf und 2025 der Roman Im Traum suche ich immer das Weite.

Hilmar Klute lebt derzeit in Washington D.C.

Pressestimmen

Ein Roman übers Schreiben (...), der vor allem (...) grosse Lust aufs Lesen macht. Michael Luisier SRF 1 Literaturclub 20250613
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