Ein Sonntagskind

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Buchprofile - Rezension
Über Schuld und ihre Verdrängung.
Gleich ob Günter Grass, Walter Jens oder Helmut Schmidt - die historisch-analytische Aufarbeitung der Verstrickung linksliberaler Biographien tut sich schwer, zu einem wirklichen Verstehen zu kommen. Bessere Möglichkeiten bietet die Erzählung. Koneffkes "Sonntagskind" ist eine, bei der es zwar keinen Sinn macht, historische Vorlagen extrahieren zu wollen, die aber gut nachempfinden lässt, wie Schuld und Versagen zur unerträglichen Lebenslast einer ganzen Generation werden. "Sonntagskind" erzählt die Geschichte eines Menschen, der mit unglaublichem Glück der Todesmaschinerie des Krieges entkommt, sich durch die Wirren und Fallstricke der Nachkriegszeit hindurch schlängelt, um schließlich nach einer glanzvollen Karriere zum linksliberalen Vorzeigedemokraten der Republik zu werden. Dabei verdrängt er allerdings seine Vergangenheit und verliert seine Identität, kann für sich und andere nie der sein, der er wirklich ist. - Man darf nicht empfindsam sein, um diesen Roman zu lesen. Brutale Gewalt, ein gotterbärmliches Sterben und sinnentleerter Sex schlagen sich auch in der Sprache nieder und drängen sich in Schreckensbildern auf, die man so schnell nicht wieder vergisst. Doch solche Zumutungen zeigen den Nachgeborenen nicht nur, wie Krieg wirklich ist, sondern stellen auch deren penetrantes moralisches Überlegenheitsgefühl gründlich in Frage.
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Artikelbeschreibung

Ein Sonntagskind - Wie ein Sohn die schockierende Vergangenheit seines Vaters als Soldat im Zweiten Weltkrieg entdecktNach dem Tod eines linksliberalen Philosophieprofessors finden sich dessen Landser-Briefe aus der Kriegszeit. Sein Sohn begegnet darin einem Menschen, den er nicht kennt - der Schock ist groß.Im Winter 1944/45 drängt Konrads Nazi-skeptischer Vater ihn, freiwillig Reserveoffizier bei der Wehrmacht zu werden, um ihn vor den Werbern der SS zu retten. Kurz darauf rät er ihm sogar zur Fahnenflucht. Hitlerjunge Konrad graut es zwar vor Kampfeinsätzen, zugleich ist er aber über den mangelnden Patriotismus des Vaters entsetzt und überlegt ernsthaft, ihn anzuzeigen. Durch Zufälle wird der Feigling zum Kriegshelden und erhält sogar das Eiserne Kreuz Erster Klasse.Nach Kriegsende wird der vorher verachtete Vater zum Leitstern. Konrad schämt sich für seine Taten und verschweigt sie hartnäckig, auch als er Philosophiedozent mit Schwerpunkt Ethik wird. In Frankfurt gerät er ins linke Milieu und mitten in die Studentenbewegung. Als die Stasi kompromittierende Informationen über ihn erhält, wird es brenzlig. Doch Konrad gelingt es, sich zu retten. Erst sein Sohn wird später die prahlenden Jugendbriefe finden - und darin einen Menschen, den er nicht kennt und dessen wahre Identität er rekonstruieren will.

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