Heiner

Roman
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Bayern im Buch-Rezension
Das Schicksal eines mittellosen fränkischen Bauernsohnes von den 20er Jahren bis in die 70er Jahre des 20. Jh.
Mittelfranken in den 20er Jahren. Da sein älterer Bruder den kargen elterlichen Hof in der Gegend um Cadolzburg erbt, ist der zweite Sohn Heiner gezwungen, sich mit 18 Jahren als Knecht bei verschiedenen Bauernhöfen zu verdingen. Er träumt davon, auf die Landwirtschaftsschule zu gehen und - in einer sehr religiösen protestantischen Familie aufgewachsen - später einmal als "landwirtschaftlicher Missionar" nach Afrika zu gehen. Doch um sich die Schule leisten zu können, muss er erst einmal genügend Geld ansparen, was zur Zeit der Weltwirtschaftskrise ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen darstellt. So ist sein Leben fast ausschließlich geprägt von harter Arbeit und großer Sparsamkeit. Zugleich versucht er bei den wenigen sich bietenden Gelegenheiten wie den Kirchweihfesten, eine Frau fürs Leben zu finden - nicht einfach für einen armen Knecht, der noch dazu kleiner gewachsen ist als die meisten Mägde… Bei der tüchtigen Anna scheint er jedoch nicht ohne Aussichten zu sein, allerdings hat die gleichermaßen lebensfrohe wie fromme Magd mit massiven Augenleiden zu kämpfen, droht irgendwann sogar ganz zu erblinden. Nach einigem Zögern entscheidet sich Heiner gegen Anna und macht einer älteren Frau, die einen kleinen Hof als Mitgift einbringt, einen Antrag. So wird er schließlich doch noch zu einem selbständigen Bauern, der stolz seinen kleinen Hof bewirtschaftet. In der Nazi-Zeit versucht Heiner, sich aus allem irgendwie herauszuhalten, das Pogrom, das die Bevölkerung vom Wilhermsdorf bereits im Oktober 1938 begeht, um den Ort "judenrein" zu machen, erlebt er zwar mit, verdrängt aber aufkommende Schuldgefühle weitgehend; zur Wehrmacht wird er wegen seiner geringen Körpergröße nicht eingezogen. Die Ehe bleibt kinderlos und im Grunde eine reine Zweckgemeinschaft. Als seine Frau stirbt, bewirtschaftet Heiner noch eine Zeit lang alleine den Hof, relativ bald stirbt auch er selbst. Nach seinem Tod werden unter einer Bodendiele verschiedene Briefe und sein Arbeitsbuch gefunden, daraus hat der fränkische Autor Fritz Stiegler diese eindringliche Romanbiografie rekonstruiert. Keine Spur von Verklärung oder Beschönigung einer vermeintlich "guten alten Zeit" ist hier zu finden, vielmehr eine äußerst realistische Betrachtungsweise von Heimat mit all ihren Vertrautheiten und kleinen Freuden, vor allem aber auch mit großen Mühen und vielen Zwängen. Keine Spur von ländlicher Idylle, dafür die ganze Härte des Landlebens, die große Abhängigkeit vom Wetter, aber auch die bäuerliche Verbundenheit mit dem Land und den Tieren. Beeindruckend schließlich auch die Genügsamkeit, die sich am Ende trotz gescheiterter Träume mit einem einfachen, bescheidenen Leben zufriedengibt.
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Artikelbeschreibung

Heiners Welt reicht vom Stall bis zum Ackerrand, doch er will hoch hinaus. Einmal einen Alpengipfel besteigen und in Afrika beim Aufbau der Landwirtschaft helfen. Dazu müsste er studieren und das kostet Geld - für einen einfachen Knecht in den 1920er Jahren eine aussichtslose Sache. Aber dann will er wenigstens Herr auf dem eigenen Bauernhof sein. Heiner ist bereit, dafür den höchsten Preis zu zahlen.Fritz Stiegler erzählt die Lebensgeschichte eines Knechts, der seine Liebe verkauft, um Bauer zu werden, und öffnet dabei das Tor zur großen Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sprachgewaltig, berührend und gespickt mit valentineskem Humor.

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