Nach Onkalo

Roman
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Buchprofile - Rezension
Provinzgeschichte über einen Mann, der sein gesamtes bisheriges Leben verliert und daran fast zugrunde geht.
Ein kleines, vergessenes Kaff irgendwo in Mecklenburg: Matuschek, Wetterbeobachter auf einem Flugplatz, begeisterter Taubenzüchter und Angler, verliert mit 40 Jahren seine Mutter, mit der er noch zusammenlebte. Nun verändert sich für ihn alles. Zwar hat er Freunde: den Russen Igor, der mit ihm angelt, den alten Witt, ebenfalls Taubenzüchter und seit seiner Kindheit sein väterlicher Freund. Und dann lernt er Irina, eine Bekannte Igors, kennen und lieben. Doch dann zerbricht diese Beziehung, bevor sie richtig begonnen hat. Igor, wegen seiner Unfruchtbarkeit zum Alkoholiker geworden, ertrinkt im Vollrausch. Witt, ehemaliger Kernkraftwerkssicherheitsexperte und nun "Prepper" (jemand, der sich auf ein Leben nach der Zivilisation vorbereitet), stirbt in seinem Bunker. Und schließlich wird Matuscheks Arbeitsplatz wegrationalisiert. Auf seinem Boot ergibt er sich dem Suff und verlottert immer mehr. Er ist kurz davor, vor die Hunde zu gehen ... - Kerstin Preiwuß hat sich bislang vor allem als Lyrikerin einen Namen gemacht. Und ihre Sprache ist es auch in erster Linie, die diesen Roman zum Leseereignis macht: einerseits sehr elementar, die Gedankenwelt des sozial etwas zurückgebliebenen Protagonisten prägnant nachzeichnend, andererseits exakt beschreibend; manchmal drastisch, bisweilen humorvoll, immer wieder aber überaus poetisch. Die Bilder, die Preiwuß damit schafft, werden dem Leser lange im Gedächtnis bleiben. Und machen die Allerweltsgeschichte über einen Hinterwäldler, der sein Glück sucht und am Ende seine Zufriedenheit auf einer ganz anderen Ebene findet, zu einer literarischen Allegorie über das Leben selbst. Dieses Buch steht auf der diesjährigen Longlist für den Deutschen Buchpreis - und das mit Recht! Sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Matuschek ist vierzig, als seine Mutter stirbt, mit der er das Haus teilte. Ohne ihre Fürsorge weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Eine Frau hat er nicht und von dort, wo er wohnt, geht man weg, wenn man kann. Aber Matuschek ist einer, der bleibt, Bewohner des Hinterlands, einer längst von allen aufgegebenen Welt. Zum Glück gibt es Nachbarn. Igor, der Russe, wird zum Freund. Den alten Witt kennt er seit seiner Jugend. Und dann sind da die Tauben, die Matuschek als Junge bekam und seitdem züchtet. Brieftauben haben einen inneren Kompass und kehren stets nach Hause zurück. Das kann schon reichen fürs Leben. Als Matuschek Irina kennenlernt, winkt das Glück. Aber dann geht etwas schief und er beginnt von neuem. »Nach Onkalo« zeigt eine Welt am Rand, in der sich die großen Fragen nicht weniger deutlich stellen: was einen zusammenhält und wie man glücklich wird. Matuschek stellt sich diese Fragen nicht, er will nur seinen Alltag meistern. Doch vielleicht befähigt ihn genau das zur Erkenntnis »ob das Leben die Mühe lohnt«.

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Personeninformation

Kerstin Preiwuß wurde 1980 in Lübz geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Leipzig. Seit dem Wintersemester 2021 hat sie den Lehrstuhl für »Literarische Ästhetik« am Deutschen Literaturinstitut Leipzig inne. Die Lyrikerin, Romanautorin und Essayistin promovierte über deutsch-polnische Ortsnamen und debütierte 2006 mit dem Gedichtband »Nachricht von neuen Sternen«, dem der Gedichtband »Rede« (2012) folgte. 2014 erschien ihr vielbeachtetes Romandebüt »Restwärme«, 2016 der Lyrikband »Gespür für Licht« und 2017 ihr zweiter Roman »Nach Onkalo«, der für den Deutschen Buchpreis nominiert war. 2020 erschien der Gedichtband »Taupunkt«. Für ihre Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet etwa mit dem Hermann-Lenz-Stipendium, dem Lyrikpreis Meran, dem Eichendorff-Literaturpreis und zuletzt 2020 mit dem Anke-Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis der Deutschen Schillerstiftung. Kerstin Preiwuß ist seit 2021 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Pressestimmen

»Dass der schräge Sonderling letztendlich doch noch die Kurve kriegt, gehört zu den versöhnlichen Wendungen dieses versteckten Entwicklungsromans, den Kerstin Preiwuß still und ruhig inszeniert, mit dem trügerisch poetischen Unterton einer Lyrikerin.« TITEL Kulturmagazin 20171225
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