Sommerverschwendung

Roman
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Buchprofile - Rezension
Eine Kindheit der 70er Jahre eingefangen in fünf endlos scheinenden Sommerferienwochen des Wartens des Kindes und der Reflexion der Erzählerin.
Namenlos nimmt uns das Mädchen, Jüngste einer siebenköpfigen Familie, mit durch ihre fünf ersten, langen Sommerferienwochen, in denen es nichts dringlicher ersehnt als die Abfahrt in den Urlaub, nach Ungarn, der Heimat des Vaters. Zwei große Schwestern und zwei große Brüder sind mit anderem beschäftigt und belächeln die Kleine, der oft einfach die Worte fehlen für ihre Wahrnehmung, ihre Gefühle und ihre Weltsicht. Diesen Wortschatz hebt aber die Du-Erzählerin, die als erwachsenes Alter Ego der Siebenjährigen fungiert. Es sind die sprachlichen Ungewissheiten des Kindes einer Mutter aus Siebenbürgen, des ungarischen Vaters und der Linzer Heimat, die eine Behausung in Sprache schwierig, aber damit bewusster und interessanter machen. Zeit für Gedankenspiele dieser Art bieten die endlosen Tage, bei denen spannende Ereignisse eben Minuten bleiben und nicht wie in den geliebten Büchern Tage und Nächte füllen. Es sind die Bullerbü-Bücher, die die kleine Schwester wegträumen lassen, ihre Liebe zu Wörtern, Sprache und Phantasie nähren. Dazwischen streunt sie durch Haus, Hof und durch die von den Nachbarskindern verlassene Umgebung und bedauert, dass schon alle in die Ferien aufgebrochen sind. Letztlich ist es die Langeweile, die sie erkennen lässt, wer sie ist, was sie will, wo ihre Leidenschaft liegt. Mit unverbrauchten Bildern, einer spürbaren Liebe für Sprache und den Blick für das Gewöhnliche, das, benannt, zum Profilierenden wird, verfasste Barbara Schwarcz einen Roman, der liebenswert und konzeptionell unaufdringlich beeindruckend ist. Wunderbar!
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Artikelbeschreibung

Das pralle Tableau eines Sommers zieht die Leser in eine Kindheit voller Wunder und Wunderlichkeiten, in die Welt eines siebenjährigen Mädchens, das erwartungsvoll dem Leben entgegengeht. Zäh wie Kaugummi ist die Zeit in diesem Sommer in den späten siebziger Jahren, in den allerersten großen Schulferien einer Siebenjährigen. Alle Freunde sind weg, die älteren Geschwister gehen ihrer eigenen Wege, die Eltern werden geschluckt von ihrem Alltag. Das Mädchen liest mit Begeisterung Astrid Lindgren und wünscht sich nichts mehr, als dass die Zeit vergeht, damit auch sein Urlaub endlich beginnen kann. Doch in dem verschwendeten Sommer des Wartens verbergen sich filigrane Gefühle, eigenwillige Worte, prägende Erlebnisse und überraschende Allianzen. Am Ende, endlich im VW-Bus auf dem Weg zur Cousine nach Ungarn, spürt das Mädchen nicht nur den Aufbruch ins Neue, sondern auch die Melancholie der zurückgelassenen Sommerstille.

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Verantwortlicher: Alexander Potyka
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Personeninformation

Barbara Schwarcz, 1972 in Wels geboren, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Publizistik. Sie war mehr als zehn Jahre lang journalistisch tätig und veröffentlichte in dieser Zeit auch ihre ersten literarischen Texte, u. a. in den Literaturzeitschriften »manuskripte« und »Wespennest« sowie auf Ö1. Derzeit lebt sie als Schriftstellerin, Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache und Mutter zweier Töchter in Wien. »Sommerverschwendung« ist ihr Debütroman.

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