Unterleuten

Roman. Nominiert für die Shortlist zum 'Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels' 2016
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Buchprofile - Rezension
Fesselnd erzählter, psychologisch interessanter Heimat- und Gesellschaftsroman.
Unterleuten ist ein kleines Dorf in Brandenburg, nicht weit entfernt von Berlin. Über dieses Dorf und über das Schicksal ihrer Bewohner (Titel!) wird aus jeweils wechselnden Perspektiven über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren hinweg erzählt. Ein Mikrokosmos mit eigenen Gesetzen, scheinbar abgeschieden von den Problemen der modernen Zeit und Welt, ein Fluchtort für großstädtische Romantiker und Aussteiger, aber auch ein Ziel für renditeorientierte Spekulanten. Und was von außen wie eine in eine unversehrte Natur eingebettete Idylle anmutet, in der seltene Vogelarten brüten, mit Menschen von liebenswerter Schrulligkeit und absonderlichem Provinzlertum, erweist sich bei näherer Betrachtung und wenn diese Gemeinschaft einer Belastungsprobe unterzogen wird, als Panoptikum sublimer oder offen zu Tage tretender Bosheit. Hinter der Fassade von friedlichem Zusammenleben lauern Neid und Zwietracht. Alte ideologisch fundierte Feindschaften aus SED-Zeiten brechen auf, und erneuern sich zwischen Wendegewinnern und Verlierern. Und so nehmen die Hauptakteure im erbitterten Machtkampf um die Errichtung eines Windparks folgerichtig allesamt kein gutes Ende. Eine ideologisch "unbelastete" junge Generation tritt an, die womöglich unter anderen Vorzeichen, den immerwährenden Kampf um den Platz an der Sonne fortführt. - Die mehrfach preisgekrönte Autorin entwirft in diesem fesselnd erzählten und psychologisch fundiert ausgearbeiteten Gesellschaftsroman ein realistisches, vielleicht insgesamt zu pessimistisches Szenario. Es lohnt sich für den Leser, dieses skurrile Biotop, in dem die Spezies Mensch in den verschiedensten Erscheinungsformen vorzufinden ist, zu besichtigen.
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Elmar Pabst empfiehlt:
Die Einordnung des Buches hat mich zunächst skeptisch gemacht: „ein großer Gesellschaftsroman“, der sich „hochspannend wie ein Thriller liest“, und die wichtigen Fragen unserer Zeit behandelt. Gesellschaftsroman? Spannend? Zum Glück habe ich es ausprobiert und echt nicht bereut. Wer die Story liest, die in einem fiktiven Dorf in Brandenburg spielt - Gott, Typen leben dort! - wird aufs Beste unterhalten.
mk online empfiehlt:
Artikel und Literatursendung zum Buch: LesArt - Die Literatursendung (Münchner Kirchenradio)

Artikelbeschreibung

Der große Gesellschaftsroman von Juli Zeh

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist ...

Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der sich hochspannend wie ein Thriller liest. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

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Personeninformation

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Promotion im Europa- und Völkerrecht. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Thomas-Mann-Preis (2013) und dem Heinrich-Böll-Preis (2019). Im Jahr 2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und wurde zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt. Ihr Roman »Über Menschen« war das meistverkaufte belletristische Hardcover des Jahres 2021. Zuletzt erschien bei Luchterhand der zusammen mit Simon Urban verfasste Bestseller »Zwischen Welten«.

Pressestimmen

"Juli Zehs furchtlos vor jedem Klischee ins Herz der bundesrepublikanischen Wirklichkeit zielender Gesellschaftsroman ist ein literarischer Triumph." Denis Scheck / Der Tagesspiegel
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