Wie der Soldat das Grammofon repariert

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Buchprofile - Rezension
Tiefgründiger und humorvoller Roman über einen jungen Bosnier, der die Gräueltaten serbischer Belagerer 1992 hautnah erlebt.
Aleksandar lebt wohlbehütet in seiner Familie im Städtchen Višegrad an der Drina, bis der Bosnienkrieg gewaltsam in die heile Kinderwelt einbricht. Nur knapp entrinnt Aleksandar dem Tod. Mit seinen Eltern flieht er nach Deutschland, wo er sich sehr schwer zurechtfindet und sich in eine Welt aus Gedanken und Erinnerungen an seine Heimat zurückzieht. Als Erwachsener besucht er Višegrad und führt zahlreiche Gespräche mit Daheimgebliebenen und Zurückgekehrten. Aber auch dadurch gelingt es ihm nicht, die absurden Kriegsereignisse zu verstehen. Dieses Werk hat eine außergewöhnliche und eigentlich nur schwer verdauliche Thematik. Durch die naiv kindliche Erzählperspektive und die humorvoll-ironische Erzählweise wird dem Leser der Zugang jedoch erleichtert. Der spielerische Umgang mit der Sprache lockert den Text zusätzlich auf. Ein beeindruckendes Romandebüt eines viel versprechenden jungen Autors. - Überall gern empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Als der Bürgerkrieg in den 90er Jahren Bosnien heimsucht, flieht der junge Aleksandar mit seinen Eltern in den Westen. Rastlos neugierig erobert er sich das fremde Deutschland und erzählt mit unbändiger Lust die irrwitzigen Geschichten von damals, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten im kleinen ViSegrad. Aleksandar fabuliert sich die Angst weg und "die Zeit, als alles gut war" wieder herbei.

Aleksandar wächst in der kleinen bosnischen Stadt ViSegrad auf. Sein größtes Talent ist das Erfinden von Geschichten: Er denkt gar nicht daran, sich an die Themen der Schulaufsätze zu halten, viel zu verrückt sind die Erntefeste bei seinen Urgroßeltern, viel zu packend die Amokläufe betrogener Ehemänner und viel zu unglaublich die Geständnisse des Flusses Drina. Als der Krieg mit grausamer Wucht über ViSegrad hereinbricht, hält die Welt, wie Aleksandar sie kannte, der Gewalt nicht stand, und die Familie muss fliehen. In der Fremde eines westlichen Landes erweist sich Aleksandars Fabulierlust als lebenswichtig: Denn so gelingt es ihm, sich an diesem merkwürdigen Ort namens Deutschland zurechtzufinden und sich eine Heimat zu erzählen. Seinen Opa konnte er damals nicht wieder lebendig zaubern, jetzt hat er einen Zauberstab, der tatsächlich funktioniert: seine Phantasie holt das Verlorene wieder zurück. Als der erwachsene Aleksandar in die Stadt seiner Kindheit zurückkehrt, muss sich allerdings erst zeigen, ob seine Fabulierkunst auch der Nachkriegsrealität Bosniens standhält.

Mit "Wie der Soldat das Grammofon repariert" hat Sasa Stanisic einen überbordenden, verschwenderischen, burlesken und tragikomischen Roman über eine außergewöhnliche Kindheit unter außergewöhnlichen Umständen geschrieben, über den brutalen Verlust des Vertrauten und über das unzerstörbare Vertrauen in das Erzählen.

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