Ein Sohn von zwei Müttern

Roman
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Buchprofile - Rezension
Der Autor geht der Frage nach, welche Bedeutung es für sein Leben hat, adoptiert zu sein.
Ein Mann sitzt im Flugzeug nach New York, um seine leibliche Mutter zu treffen. Er ist nervös, vor dreißig Jahren hat er, der mit vier Monaten adoptiert worden war, sie zum ersten und letzten Mal gesehen. Jetzt ist er über sechzig und seine Adoptivmutter, die er liebevoll Mama nennt, gerade gestorben. Er will ein Buch darüber schreiben, dass er zwei Mütter hat. Das hat er mit seinem Autor Franz Dobler gemein, Krimischriftsteller und Musikjournalist, der eigentlich nie über seine Adoption schreiben wollte, aber seine Notizsammlung dazu lässt ihn nicht los. Aufgewachsen ist er in einer Eisenbahnersiedlung bei Landsberg, das bringt viel bayerisches Lokalkolorit aus den 60er- und 70er-Jahren mit in den Roman. Neben den Rückblenden holt Dobler weit aus, zitiert aus anderen Werken zum Thema und nimmt Bezug zum Serienmörder Jürgen Bartsch, der seine Kindheit im Isolationskeller seiner Adoptiveltern verbracht hatte. - Der Autor umkreist die Frage, ob man ein adoptiertes Kind genauso lieben kann wie ein leibliches, mit viel Humor und Empathie, doch ganz ohne Pathos, und kommt zu dem Schluss, dass die Herkunft keine Rolle spielt, sondern dass es wichtig ist, wie man miteinander umgeht.
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Artikelbeschreibung

»Ein emotionaler wie kluger Roman über all das, was einen zu dem Menschen macht, der man ist.« Iris Berben

Der Junge ist Adoptivkind. Doch seine Erziehung ist nicht nur Sache seiner Adoptiveltern, eines Eisenbahners und einer Hausfrau. Der New Yorker Jazz, das »Roaring Munich« der 80er prägen ihn mindestens genauso. Ein Sohn von zwei Müttern ist ein Roman, der vom Aufwachsen eines bayrischen Jungen mit persischen Wurzeln erzählt. Und von der Entwicklung eines Landes vom Provinzialismus der Nachkriegszeit zur modernen Bundesrepublik.

Als seine Geschichte ihn einholt, ist der Junge schon ein erwachsener Mann und selbst Vater. Er sitzt im Flugzeug nach New York auf dem Weg zu seiner leiblichen Mutter, die er seit dreißig Jahren nicht gesehen hat. Seine Adoptivmutter ist seit zwanzig Jahren tot, sie hat nie ein Flugzeug bestiegen. Während des scheinbar endlosen Fluges drängt seine Adoptionsgeschichte, die er immer mürrisch beiseite gewischt hat, weil er zu beschäftigt war, das Leben zu bewältigen, plötzlich an die Oberfläche. Er muss sich ihr stellen.
Er ist ein Sohn von zwei Müttern. Oder waren es noch mehr? Ist nicht jeder auch ein Kind seiner Zeit, geprägt von einer Musik, von Lektüren und von den unzähligen Zufällen des Lebens? Franz Dobler geht der Sache auf den Grund. Er beginnt ganz am Anfang, als der kleine Junge in den späten 60ern im sogenannten bayrischen Pfaffenwinkel bei seinen Adoptiveltern abends in der Badewanne sitzt und ruft: »Ich bin ein Adoptivkind.« Der Beginn einer Geschichte, die genauso tief in das Leben des Münchner Unikats eintaucht wie in die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik.

»Ambivalent, unabhängig, kick-ass, und immer mit hochelegantem Strich gezeichnet - Franz Dobler ist der Mann mit den besten Frauenfiguren.« Simone Buchholz

»Franz Dobler ist im besten Sinne ein Unterhaltungskünstler, seine Bücher besitzen auch immer eine besondere Leichtigkeit.« Friedrich Ani

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Personeninformation

Franz Dobler lebt in Bayern und hat seit 1988 neben Romanen und Gedichtbänden, für die er u. a. mit dem Bayerischen Literaturförderpreis ausgezeichnet wurde, auch Erzählungen und Musikbücher veröffentlicht. Für seine Kriminalromane Ein Bulle im Zug und Ein Schlag ins Gesicht erhielt er jeweils den Deutschen Krimi Preis. Letzterer wurde von Nina Grosse als Nicht tot zu kriegen mit Iris Berben und Murathan Muslu verfilmt.

Pressestimmen

»Auch in diesem Roman bleibt er seinem coolen, an amerikanischer Literatur, an Filmen und Popsongs gewachsenen, knappen, direkten und immer leise ironischen Tonfall treu. [...] Dobler aber bringt Coolness und Wärme in Einklang. So streng er gegen sich selbst und jeden Kitsch ist, so offen bleibt er in jedem Satz für Gefühle, auch wenn diese die Souveränität des Welt erzeugenden Autors zu unterminieren trachten. Franz Dobler ist ein Mensch, im jiddischen Wortsinn, und sein Buch ist schön, berührend, große Kunst.« Ulrich Gutmair, Wochentaz, 17. - 23. Februar 2024 Ulrich Gutmair Wochentaz 20240217
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