Wer hat meinen Vater umgebracht

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Buchprofile - Rezension
Édouard Louis spricht zu den Verantwortlichen für den Niedergang seines Vaters und zeichnet warmherzig sein Leben nach.
Nur 77 großzügig beschriebene Seiten umfasst das neue Buch des französischen Starautors Édouard Louis, und doch ist alles gesagt. Ohne einem chronologischen Pfad zu folgen, erzählt Louis vom Leben seines Vaters und Erlebnissen von Vater und Sohn. Bereits in seinem ersten Buch "Das Ende von Eddy" (BP/mp 15/665) thematisiert Louis seine Kindheit und vor allem das schwierige Verhältnis zum Vater. Wer vor der Lektüre von "Wer hat meinen Vater umgebracht" nun mit der Fortführung dieser Erzählung rechnet, liegt gänzlich falsch. Denn Louis schlägt einen versöhnlicheren, gar liebevollen Ton an. Nach zerplatzten Träumen und einer gestohlenen Jugend findet sich Édouards Vater in genau demselben trostlosen Fabrikarbeiterleben wieder, dessen Schicksal das aller Männer seiner Familie seit jeher war. Sein Niedergang ist gezeichnet und so wird er zum Spielball der Politik. Zum Leitragenden von menschenverachtenden Reformen. Louis nennt die verantwortlichen Präsidenten und deren Amtszeit ohne Scheu vor Klarheit, und ohne persönliche Empfindlichkeiten in seine Worte zu legen. Er ist klar und einzig voller Mitgefühl für seinen gezeichneten Vater. Wer im Angesicht des Umfangs der Lektüre zweifelt, wird nicht enttäuscht werden: Édouard Louis vermag es einfach, auch im Kurzen zu erschüttern. Größeren Beständen sehr empfohlen.
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Artikelbeschreibung

»An meine Kindheit habe ich keine einzige glückliche Erinnerung«, lautet der erste Satz in Édouard Louis' Roman »Das Ende von Eddy«. In seinem Buch »Wer hat meinen Vater umgebracht« sieht Louis das anders, mittlerweile versteht er die Wutausbrüche seines Vaters, der unter der sozialen Ungerechtigkeit einer Gesellschaft leidet, die für Menschen wie ihn keinen Platz hat. Louis erinnert sich an einen liebevollen und fürsorglichen Vater, der seinem Sohn wünscht, aus den einfachen Verhältnissen auszubrechen. Édouard Louis hat es geschafft. Eine überwältigende Hommage an den eigenen Vater und dessen gescheiterte Träume.

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Personeninformation

Édouard Louis wurde 1991 geboren. Sein autobiographischer Debütroman »Das Ende von Eddy«, in dem er von seiner Kindheit und Flucht aus prekärsten Verhältnissen in einem nordfranzösischen Dorf erzählt, sorgte 2015 für großes Aufsehen. Das Buch wurde zu einem internationalen Bestseller und machte Louis zum literarischen Shootingstar. Seine Bücher erscheinen in 30 Ländern und werden vielfach fürs Theater adaptiert und verfilmt. Über seine literarischen Positionen gab er u.a. Auskunft als Samuel Fischer-Gastprofessor an der Freien Universität Berlin (2018), bei der Mosse Lecture an der Humboldt-Universität Berlin (2019) oder 2023 bei den Tübinger Poetikvorlesungen. Zuletzt erschienen »Wer hat meinen Vater umgebracht«, »Die Freiheit einer Frau« sowie »Monique bricht aus«, der Gesprächsband mit Ken Loach »Gespräch über Kunst und Politik« sowie »Anleitung ein anderer zu werden«. Édouard Louis lebt in Paris.

Hinrich Schmidt-Henkel, geboren 1959, übersetzt Belletristik und Theaterstücke aus dem Französischen, Italienischen und Norwegischen, darunter Werke von Jon Fosse, Henrik Ibsen, Jean Echenoz, Louis-Ferdinand Céline, Yasmina Reza, Stefano Benni und Massimo Carlotto. Er ist u.a. Träger des Jane-Scatcherd-Preises der Ledig-Rowohlt-Stiftung, des Paul-Celan-Preises und des Deutschen Jugendliteraturpreises.

Pressestimmen

zugleich eine zärtliche Liebeserklärung, eine heftige Abrechnung und eine Art offener Brief Romain Leick Der Spiegel 20190121
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