Ich an meiner Seite

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020 (Longlist)
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Buchprofile - Rezension
Die Geschichte eines jungen Mannes, der nach einem Gefängnisaufenthalt wieder Fuß im Leben fassen will.
Der 22-jährige Arthur hat wegen Betruges eine Gefängnisstrafe abgesessen. Als er wieder in Freiheit ist, erfährt er, dass er als ehemaliger "Knasti" keine Möglichkeit hat, wieder in ein geordnetes Leben zurückzufinden. Hilfe sucht und findet er beim skurrilen Therapeuten Bird, der ihm aufträgt, in Tonaufnahmen tagebuchartig die wichtigen Momente seines Lebens zu erfassen. Ziel ist es, schließlich eine "Optimalversion" des Menschen Arthur zu erstellen; in diese Rolle soll Arthur dann schlüpfen. Eine heikle Aufgabe, doch Arthur erfährt noch Unterstützung durch die greise ehemalige Schauspielerin Grazetta, die für ihn als Ersatzmutter fungiert. - Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin legt hier wieder einen Roman vor, der äußerst lesenswert ist. Mit viel Empathie und zum Teil (real-)satirischem Humor erzählt sie nicht nur eine Lebensgeschichte, sondern übt auch Kritik an einer Gesellschaft, die es Außenseitern nicht einfach macht, ihren von allen anerkannten Platz zu finden.
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Österreichisches Bibliothekswerk biblio empfiehlt:

Authentische Erzählung über die Lebenschancen eines straffällig gewordenen jungen Mannes.

Der Protagonist des Romans, der 22-jährige Arthur, wird nach zweijähriger Haft wegen Internetbetrugs in der WG "Weitermachen e. V." betreut, wo man sich ausschließlich um erstmals straffällige Menschen kümmert. Sein Therapeut Konstantin Vogl wird ihm als persönlicher Betreuer in dem Resozialisierungsprogramm zur Seite gestellt. Arthur bekommt die Aufgabe, für sich selbst eine Vorbildfigur zu entwerfen. Er muss sich nicht nur um Jobs bewerben, sondern muss auch mittels Bandaufzeichnungen und Therapiegesprächen schriftlich und mündlich seine biographischen Hintergründe und kriminellen Motive formulieren. So entsteht das Bild seiner prekären, vaterlosen Kindheit, aufgewachsen in einer oberösterreichischen Hochhaussiedlung. Durch einen Kraftakt seiner zielstrebigen Mutter gelingt zwar der soziale Aufstieg durch einen Umzug nach Spanien, wo Arthurs Mutter die Leitung einer Hospizeinrichtung für Wohlhabende übernimmt. Arthur wird zu einem wohlstandsverwahrlosten Jugendlichen.

Die Katastrophe nimmt mit einer bisexuellen Dreiecksbeziehung ihren Lauf, als bei einem Badeausflug das Mädchen ertrinkt und Arthur in Panik aus Schuld- und Angstgefühlen Hals über Kopf nach Wien flüchtet. Ohne Papiere, Zeugnisse und Dokumente gelingt es ihm nicht, ein normales Leben zu führen. In seiner problematischen Situation wird er zum kriminellen Online-Betrüger.

Gezeichnet durch die brutale Haftzeit mit wiederkehrenden traumatischen Flashbacks kommt ihm die titelgebende Erkenntnis: "Schon bald habe ich das Gefühl gehabt, dass kein Glanzbild mich heil hier rausbringen wird, sondern einzig und allein ich an meiner Seite."

Diese romanhafte Milieustudie beruht auf einer wahren Geschichte, die die Autorin in ihrer Tätigkeit als Sozialarbeiterin von einem Haftentlassenen erfahren hat. Das Buch bietet eine anspruchsvolle, fragmentierte Geschichte mit zeitlichen Vor- und Rücksprüngen, die ein aufmerksames, konzentriertes Lesen erfordert. Gleichzeitig werden die vielen Facetten von aktuellen gesellschaftlichen Umbrüchen bewusst gemacht, gezeichnet durch die Erosion der Mitte, den Rechtsruck in Europa, den digitalen Wandel oder die Veränderungen in der Arbeitswelt.

Jutta Kleedorfer | biblio

Artikelbeschreibung

Der Roman der Bachmann-Preisträgerin von 2019: Humorvoll und empathisch erzählt Birgit Birnbacher vom jungen Arthur, der nach seiner Zeit im Gefängnis nur schwer eine neue Chance bekommt.Arthur, 22, still und intelligent, hat 26 Monate im Gefängnis verbracht. Endlich wieder in Freiheit stellt er fest, dass er so leicht keine neue Chance bekommt. Ohne die passenden Papiere und Zeugnisse lässt man ihn nicht zurück ins richtige Leben. Gemeinsam mit seinem unkonventionellen Therapeuten Börd und seiner glamourösen Ersatzmutter Grazetta schmiedet er deshalb einen ausgefuchsten Plan. Eine kleine Lüge, die die große Freiheit bringen könnte ... Humorvoll und empathisch erzählt Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher davon, wie einer wie Arthur überhaupt im Gefängnis landen kann, und geht der großen Frage nach, was ein "nützliches" Leben ausmacht.

Produktsicherheit

Hersteller: Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
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Kontakt: info@hanser.de

Personeninformation

Birgit Birnbacher, geboren 1985, lebt als Schriftstellerin in Salzburg. Ihr Debütroman »Wir ohne Wal« (2016) wurde mit dem Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt sie zahlreiche Preise und 2019 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Romane »Ich an meiner Seite« (2020), »Wovon wir leben« (2023) und »Sie wollen uns erzählen« (2026).

Pressestimmen

"Ein harter, zugleich sehr einfühlsamer Gesellschaftsroman." NDR Kultur Literaturredaktion, 11.08.20 "Illusionslos, klar und zutiefst empathisch blickt Birnbacher auf ihre Figuren. Der Roman ist sozialrealistisch, aber ohne die Härten zu verklären oder zu überhöhen. Vielmehr verwebt sie tragische, komische und skurrile Momente. Dazu kommen lakonische und oftmals komische Bemerkungen sowie eigensinnige Figuren." Sonja Hartl, Deutschlandfunk Kultur, 14.07.20 "Mit 'Ich an meiner Seite' gelingt Birgit Birnbacher das Kunststück, Gebrauchssprache und literarisches Erzählen auf aufregende Weise miteinander zu verbinden." Lisa Kreissler, NDR Kultur, 20.05.20 "Ein Buch, das hervorsticht." Insa Wilke, WDR 3, 04.05.20 "Als Soziologin kennt die Autorin Birgit Birnbacher, wovon sie schreibt. Überzeugend ist ihr Roman aber besonders dann, wenn sie Arthur ganz nahe kommt. Und wenn sie mit trockenem Humor unerschrocken zupackt. Denn nichts ist so, wie man zuerst denkt." Martina Läubli, Neue Zürcher Zeitung, 26.04.20 "Birgit Birnbacher ist eine Künstlerin der literarischen Volte, und so überrascht sie bis zur letzten Seite." Carsten Otte, taz, 18.04.2020 "Ehrlich und sensibel erzählt. Birnbacher beleuchtet nicht, sondern sie protokolliert, mit ehrlichem Interesse, enormer Sensibilität und angenehmer Zurückhaltung." Helena Adler, Deutschlandfunk Kultur, 25.03.20 "Birgit Birnbachers Blick auf ihre Figuren ist unverklärt, aber empathisch." Jury SWR Bestenliste, 26.03.20 "'Ich an meiner Seite' ist ein tragikomischer Spass, der seine Pirouetten immer so setzt, dass man auf dem falschen Fuss erwischt wird. Bei aller sozialen Härte, die der Roman nicht zu erwähnen vergisst, gibt es auch eine beinahe utopische Botschaft: Wir spielen nur. Wir spielen unsere Rollen. Und manchmal sind wir sogar der Gute." Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2020 "Birnbacher gelingt in 'Ich an meiner Seite' das Sichtbarmachen von Einschränkungen und Verwerfungen mitten in unserer Gegenwart, die durch akademische Thesen allein nicht fassbar sind." Florian Baranyi, orf.at, 21.03.2020 "Mit ihrem Roman beweist Birgit Birnbacher, dass ihr der Bachmann-Preis zu Recht zugesprochen wurde. Er schafft die Balance zwischen sozialer Agenda und Kunst. Die Schwere des Themas wird durch das rechte Maß an Ironie aufgefangen." Dominika Meindl, Falter, 11.03.20 "Birgit Birnbacher hat ein feines Gespür für das Randständige, für sozial Unterprivilegierte und für Menschen, die es aus der Bahn geworfen hat. Ein so menschlicher wie literarisch versierter Roman." Christoph Schröder, SZ Online, 09.03.20 "Birgit Birnbacher beweist einen ebenso dezenten wie umhauenden Witz. Virtuos handhabt sie Sprache und Sprechweisen in den Dialogen." Senta Wagner, Der Standard, 07.03.20 "Mit ihrer Milieustudie ist ihr ein beeindruckendes Stück Literatur gelungen. Bewährungshilfe auf literarisch! Die Autorin schreibt nicht nur klug und kenntnisreich über das System der Bewährungshilfe, sie überführt die therapeutische Theorie auch auf beeindruckend kunstvolle Weise in Literatur." Carsten Otte, SWR2 Literatur, 08.03.20 "Birgit Birnbacher erzählt davon, und das ist das Herausragende, ohne jeden Hang zur Verklärung und ohne ein Pathos der Härte." Christoph Schröder, Süddeutsche Zeitung, 10.03.20 "Birgit Birnbacher stellt mit diesem Roman erneut unter Beweis, wofür sie 2019 den Bachmannpreis bekam: Dass sie aus prekären Zuständen eine heiter-melancholische Geschichte gewinnen kann." Lina Brünig, WDR5 Bücher, 07.03.20 "Der Roman lässt den Leser spüren, welchen Platz die Gesellschaft einem wie Arthur zuweist, und er tut das mit denkbar schlichten Mitteln. Immer wieder fallen Sätze in diesem Buch, einfache Sätze, die einen kalt erwischen." Marie Schoeß, BR2 Diwan, 08.03.20 "Birnbacher erzählt unaufgeregt und in klarer unverschnörkelter Sprache." Günter Kaindlstorfer, Ö1 Mittagsjournal, 09.03.20 "Birnbacher fährt kauziges Personal auf und beweist damit einen ebenso dezenten wie umhauenden Witz. Virtuos handhabt Birnbacher Sprache und Sprechweisen in den Dialogen." Senta Wagner, Der Standard, 07.03.20
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