Maler der Macht

Tizian und die Hochrenaissance. Eine politische Biografie
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Buchprofile - Rezension
Die Kunst des Renaissance-Malers Tizian im Spannungsfeld der Politik.
Susanne Hohwieler ist Historikerin und Reiseführerin. Ihr Porträt Tizians bettet sie ein in die politische Geschichte seiner Zeit. Damit werden neben dem künstlerischen Werdegang des Renaissance-Malers die stadt- wie weltpolitischen Zusammenhänge der Republik Venedig, für die Tizian zunächst malte, sowie die Geschäfte und machtpolitischen Verhältnisse um den Heiligen Stuhl im Zeitalter der ausgehenden Renaissance veranschaulicht. Wer wird etwa heute noch in seiner Lebensspanne 12 Päpste erleben, wie der weit über 80-jährige Tizian, der 1576 starb? Die Verbindung mit den Meisterdenkern (Pietro Bembo, Pietro Aretino und Jacopo Sansovino zählten zu seinen Freunden) und den Mächtigen (Tizian malte u.a. für Päpste und deren Familien, für Kaiser Karl V. und die Herrschaftsfamilien in Mantua und Ferrara) sind ein spannender Stoff, herausfordernd, wenn dazu noch kunsthistorische und maltechnische Aspekte beleuchtet werden sollen. Dass die Autorin vom Gegenstand ihrer Studie begeistert ist, bemerkt der Leser. Dass ihr dabei jedoch oft Redundanz und weniger differenzierte, gar sinnleere Formulierungen unterlaufen, bremst das Vergnügen am Buch. Auch ist der Erkenntnisgewinn eingegrenzt durch die Auslassung von nicht unbedeutenden Themen wie die Stellung der Juden in der Republik Venedig, die Stellung der Künste zueinander, die Bedeutung der Reformation und der Pest und die nähere Bildanalyse und Vergleich staatspolitischer mit privaten Porträts und allegorischen Szenen. In den 14 Kapiteln des Buches findet der Leser dennoch genug Fakten und Hintergrundinformation, um sich ein farbiges Bild von Tizian und seiner Zeit zu machen. Farbabbildungen (unter denen leider teils im Buch besprochenen Bilder fehlen) und Literaturverzeichnis wie Personenregister ergänzen den Band. Angenehm empfunden wird auch die größere Schrifttype, die das Buch auch älteren Leser:innen zugänglich macht. – Das Werk ist für alle Bestände geeignet, den Kunstfreunden und historisch Interessierten dabei besonders empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Erst die Renaissance kreierte den schöpferischen Künstler, - Leonardo und Raffael dann gleich am liebsten als uomo universale, der mit den fürstlichen Auftraggebern auf Augenhöhe verkehrte. Aber erst mit dem Venezianer Tizian weitete sich das Persönlichkeitskonzept ins wahrhaft Europäische. Tizian verkehrte als gefragtester Porträtmaler seiner Zeit am Papsthof ebenso wie an den Fürsten- und Königshöfen Europas: Papst Paul III., König Franz I. von Frankreich, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen - ja, der Kaiser selbst war einer der häufigsten Auftraggeber Tizians. Mit diesem weitgespannten, europäischen Auftraggeberkreis wurde er automatisch auch zu einer politischen Figur, zu einem Diplomaten, der sich als erster Künstler in den Kreisen der Macht bewegte.

Tizian zwischen Venedig und Rom, zwischen Republik und Kirchenstaat, zwischen Kaiser und Papst, in Italien und Europa - dies sind die Wirkungsstätten Tizians, das ist der Inhalt dieser ersten politischen Biographie des genialen Künstlers.

"Tizian war nicht nur ein Virtuose der Farben, sondern auch ein Menschen-Schilderer und Menschen-Durchschauer mit unvergleichlichem, unbestechlichem und wenn nötig auch unbarmherzigen Scharfblick. Susanne Hohwieler zeigt den venezianischen Grosskünstler erstmals mit überzeugenden Belegen als Apologeten und Satiriker der Macht und der Mächtigen und schlägt damit die längst fällige Brücke zwischen Geschichte und Kunstgeschichte."

Prof. Volker Reinhardt, Universität Fribourg


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Personeninformation

Susanne Hohwieler (geb. 1968) ist Historikerin, authorisierte Reiseführerin in Rom und offizielle Kunstführerin für den Vatikan. Ihre ganze Leidenschaft gilt der italienischen Geschichte der Frühen Neuzeit.

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