Korinthische Brocken

Ein Essay über Paulus
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Buchprofile - Rezension
Eine sachgemäße und persönliche Auslegung des ersten Korintherbriefs des Paulus.
Vielleicht hat Christian Lehnert (geb. 1969), evangelischer Theologe und Dichter, noch nicht den Bekanntheitsgrad, den er aufgrund seiner bisher erschienenen fünf Lyrikbände verdient (zul. BP/mp 12/381). Sie alle sind ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass Gedichte aus christlichem Geist sich nicht in traditionellen Bahnen bewegen müssen und in ihrer Sprache, Form und ihrem Gehalt auch modern sein können. Nun legt der Autor zum ersten Mal einen Essay vor, der ebenso ungewöhnlich wie eindrucksvoll ist - eine Auslegung des 1. Korintherbriefes. Dieser Essay ist nicht einfach eine exegetische Studie, die alte Erkenntnisse zusammenfasst oder auf der Suche nach neuen exegetischen Einsichten ist. Gleichwohl führt er auch kompetent in einige wichtige Texte des Briefes ein und erschließt, um was es Paulus damals mit seiner Gemeinde in Korinth ging. Lehnert verfällt dabei nicht in Fachjargon, sondern bleibt sich auch hier als Dichter treu, der auf eine höchst persönliche und sprachlich überzeugende Weise dem Text näher zu kommen sucht. Oft erinnert ihn der Text an Stationen seiner eigenen Biografie, als er in der DDR in nicht religiösem Umfeld aufwuchs, sich dennoch mit 15 Jahren dem Christentum zuwandte und nach einer anderen Sprache und nach neuen Wegen suchte, die letzten Lebensfragen zu verstehen. In diesem Essay findet er gelegentlich eine mystische Sprache, die für manche Leser vielleicht hermetisch verschlossen klingen mag, die aber ahnen lässt, wie er sich den nicht zu verstehenden Geheimnissen des Glaubens nähert. Er ist ein genau sprechender, nachdenklicher, offener, weltlich-frommer, ein Wahrheit suchender, moderner und zugleich glaubender Mensch. Ihm auf seinen Bahnen zu folgen, ist auf den ersten Blick nicht einfach, aber letztlich ein Gewinn. Für anspruchsvolle Leser empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Er ist der Protagonist, einer der meistgedeuteten und meistbekämpften Denker des Christentums. Nicht aus Selbstsicherheit und mit Weltgewandtheit hat dieser Apostel gesprochen, sondern auf dem unsicheren Grund eines Neuanfangs, angetrieben durch Widersprüche, als ein Fragender, der mit der Sprache kämpfte und ihr Begriffe wie 'Kirche' und 'Wiederkunft' des Christus erst abrang. Am Scharnier zwischen Judentum und Griechentum hat Paulus entscheidende philosophisch-theologische Fragen gestellt: nach dem Subjekt, nach Zeit und Geschichte - und danach, wie Gott ins Wort kommt. Christian Lehnerts Essay, eine expressiv-dichterische ebenso wie begrifflich scharfe Auslegung des berühmten ersten Korintherbriefes, ist ein Versuch, aus der postsäkularen Gegenwart heraus in biographischer Rekonstruktion, über Textarbeit und durch eigene Erfahrungen das zu erlauschen, was bei Paulus erstmals zur Sprache findet. Dieses Buch erkennt, gewiss nicht zu jedermanns Gefallen, einen Paulus, der über die modernen Verlusterfahrungen des Glaubens und über die Beliebigkeiten eines 'Wellness'-Christentums hinausführt ins Offene.

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Pressestimmen

»Die mitunter sehr dichten exegetischen Abhandlungen werden immer wieder unterbrochen von Poesie. Naturbeschreibungen, Erinnerungen, Gedichte werden eingeblendet. Das sind die stärksten Stellen. Wenn Lehnert seine bedrängenden Erlebnisse während der Bausoldatenzeit erzählt, entsteht eine Ahnung von dem, was Paulus vor Damaskus widerfahren ist, als er sich selbst und seine Beheimatung in der Welt verlor.« Stefan Seidel Der Sonntag 20130207
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