Ins Innere hinaus

Von den Engeln und Mächten
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Buchprofile - Rezension
Literarische und philosophisch-theologische Meditationen über die Gegenwärtigkeit von Engeln.
Es beginnt schon mit dem Titel - "Ins Innere hinein" müsste es doch heißen. Das würde man vielleicht verstehen. Aber wie will man "ins Innere", wenn es doch hinaus geht? Der Untertitel deutet dann an, wer vor allem im Mittelpunkt der langsam dahinschwebenden Gedanken steht. Von Engeln ist hier die Rede. Wesen, die niemand jemals gesehen hat, die aber trotzdem anwesend sind. Nicht nur in den alltäglichen Gesprächen ("Er hat einen Schutzengel gehabt"), sondern auch, und da besonders, in der Werbung zum Anreiz von Konsum und Kauflaune. Aber all die gängigen Bilder, mit denen wir Engel zu beschreiben suchen, interessieren den Autor nur am Rande. "Wie kann ich jenen Wesen näherkommen, von denen ich nicht weiß, wie ich sie denken und benennen kann, ja nicht einmal, in welcher Weise es sie überhaupt gibt?" Und am Ende seiner oft wunderbar poetischen Reise, um jenen Wesen zu begegnen, die wir "Engel" nennen, dann das ebenso lapidare wie tiefgründige Resümee: "Es gab sie nicht, aber ohne sie wäre ich verloren gewesen." Ohne sich im Esoterischen zu verlieren, ohne jeden naiv-gläubigen Kitsch schafft es der Autor, unsere scheinbar so rational zubetonierte säkulare Gesellschaft immer poröser werden zu lassen. Ein verstörendes, die Leser in ihrem Weltbild verunsicherndes und gerade deshalb auch sehr zur Lektüre empfohlenes Buch.
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Artikelbeschreibung

Eine 'Geschichte der unsichtbaren Welt in einzelnen Blättern', nichts Geringeres schwebt dem Dichter und Theologen Christian Lehnert in diesem Buch vor. Ausgangspunkte seiner Gedanken sind Naturgeister und niedere Gottheiten, dualistische Vorstellungen von Engeln und Dämonen, himmlische Hierarchiebildungen, Grenzüberschreitungen zwischen Diesseits und Jenseits mit geheimnisvoller geistiger Schmuggelware im Gepäck. Gnosis, Kabbala und Visionen kommen ebenso vor wie moderne Psychotechniken. Von der sogenannten ¿faktischen¿ Seite der Wirklichkeit her aber treten Analogien des Geistersehens im philosophischen Denken und in den Naturwissenschaften ins Bild. Zugrunde liegt die Frage: Wie kann das Numinose heute, in einer postsäkularen Welt, zu einer progressiven Kraft werden, welche die vorherrschenden, scheinbar festgefügten Weltbilder unterwandert und verflüssigt? Den kleinen Rissen in den festen Straten religiöser oder wissenschaftlicher, liberaler oder säkularer Weltanschauungen folgt Lehnert, sucht jene Risse, wo der Zweifel eindringt, wo die vergessenen Axiome der ¿Exaktheit¿ und die Brüchigkeit ihrer Anschauungen aufleuchten.Wie stellt man derartiges dar? Begriffliches Denken, poetisches Bild und Erzählung, Autobiographisches und Spekulation schwingen in den einzelnen Texten ineinander, erhellen sich gegenseitig. Eine bewegliche Form des Schreibens stellt sich ein: ein suchendes Sprechen, das sich ins Unsagbare vortastet. So versammeln sich - immer vom Ausgangs- und Bezugspunkt des eigenen Lebens aus und ohne Fiktion - Bruchstücke eines Bekenntnisses als 'Blätter' sehr unterschiedlicher Tonlagen. Sie behalten als Ganzes die Gestalt einer Frage.

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Pressestimmen

»... das Wunderbare an Lehnerts schwebender Erzählweise: Es bleibt offen, ob sich die Mächte in der Außenwelt oder in einem inneren Raum Bahn brechen, ob es sich gar um einen Spezialfall der Einbildungskraft handelt. Mit dem Geheimnis ihres Orts vertieft sich nur das Geheimnis des menschlichen Daseins.« Marion Poschmann DIE ZEIT 20230622
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