Kommt, Geister

Frankfurter Vorlesungen
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Buchprofile - Rezension
Fünf "virtuos durchkomponierte" Vorlesungen des renommierten Autors über Fantastik und Metaphysik in berühmten literarischen Werken.
"...niemand schreibt, der nicht viel gelesen hat." (S. 101) Aber wer selbst viel geschrieben hat, wie der vielfach preisgekrönte Autor ("Die Vermessung der Welt"), liest und versteht auch anders, wird man wohl ergänzen dürfen. Und so eröffnen alle hier versammelten Interpretationen einen ganz ungewohnten Blick auf die vorgestellten Werke. Alle haben Kehlmann nach eigener Aussage mehr oder minder als Schriftsteller geprägt oder als Leser beeindruckt, wie z.B. Jeremias Gotthelfs Novelle "Die schwarze Spinne", die den Jungen nächtelang nicht schlafen ließ. Im Sommer 2014 hat Kehlmann am Gastlehrstuhl für Poetik an der Frankfurter Goethe-Universität fünf umfangreiche, "virtuos durchkomponierte" (Vorwort) Vorlesungen gehalten, die sich alle mit Werken beschäftigen, die auch eine metaphysische Dimension aufweisen, mal als Nebenaspekt wie bei Grimmelshausens "Simplicissimus Teutsch", mal als zentrales Element wie z. B. in der "Schwarzen Spinne" oder in Shakespeares "Macbeth", in Tolkiens "Herr der Ringe" oder auch in den lange vergessenen Romanen eines Leo Perutz. Kehlmann erweist sich in allen Vorlesungen nicht nur als großer Stilist, sondern auch als profunder Kenner, als origineller, sehr persönlich argumentierender Interpret und nicht zuletzt als scharfer Kritiker der lange Jahre geschichtsvergessenen deutschen Nachkriegskultur.
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Artikelbeschreibung

Wieso reichen neun Minuten Peter Alexander, um Günter Grass dankbar zu sein? Warum ist Vergessen eine anstrengende Übung, Verdrängung harte Arbeit? Erstehen Gespenster aus unserer Angst vor der Vergangenheit? Und könnte es sein, dass Daniel Kehlmann, den als Kind ein Buch nächtelang mit Albträumen geplagt hat, eben dadurch später zum Schriftsteller geworden ist?
Um diese und andere Fragen kreisen seine fünf bestechend klaren und virtuos durchkomponierten Vorlesungen, die er als Inhaber des ältesten und renommiertesten deutschen Gastlehrstuhls für Poetik im Sommer 2014 an der Frankfurter Goethe-Universität gehalten hat. Mit einem Shakespeare-Zitat als Titel - "Kommt, Geister, die ihr lauscht auf Mordgedanken" - entführen sie in literarische Schattenwelten voller Zwielicht und Echos, Falltüren und Gespinste. Daniel Kehlmann zeigt auf, wie sehr die nachhallenden Schrecken der deutschen Vergangenheit sein Werk grundieren, schreibt über die Geister, Gespenster, Zombies, Narren, Halbmenschen in den Werken von Autoren wie Jeremias Gotthelf, J. R. R. Tolkien, Shakespeare, Grimmelshausen, Leo Perutz. Und gibt damit auch Auskunft über sich.

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