Lichtspiel

Roman | Nominiert für den International Booker Prize 2026
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Buchprofile - Rezension
Die Geschichte des Regisseurs G. W. Pabst (1885 – 1967).
Erneut ein Rückgriff von Kehlmann auf eine historische Person als Thema seines Romans: G. W. Pabst, ein Regisseur, der Greta Garbo entdeckt hat, Europa von Frankreich aus gen USA verlässt, als die Nationalsozialisten Österreich übernehmen, dort nicht Fuß fassen kann, sodass er zurückkehrt gegen den Strom, um sich um seine Mutter zu kümmern, als ihn deren Hilferuf (von wem auch immer inszeniert) erreicht. Am Tag nach seiner Einreise in Österreich beginnt der Krieg. Pabst dreht jetzt Filme in und für Deutschland mit auch in der Nachkriegszeit sehr bekannten Schauspielern. Der letzte Film (aus dem schlechten Buch eines Naziautors macht er eine neue Geschichte) wird in Prag gedreht, Pabst hält ihn für seinen besten und schneidet ihn im aufständischen Prag vor der Flucht nach Wien. Die Originalfilmrollen gehen im Zug verloren, Pabst erholt sich von dem Verlust nicht, obwohl er nach dem Krieg weiter filmen kann. Kehlmann bildet einen Rahmen um diese Geschichte des Verlusts, der ehemalige Regieassistent, der mit Pabst geflohen ist, hat die verlorenen Filmrollen zurückbekommen, er hat sie so lange zurückgehalten, bis eine Rückgabe zu spät war, sie aber aufbewahrt bis ins Altenheim, wo er nun dement lebt. „Draußen“ – „Drinnen“: Diese beiden Titel der Kapitel erfassen die Aufenthaltsorte von Pabst während der Zeit des Nationalsozialismus, damit auch seine Auftraggeber. „Danach“, der Titel des dritten kurzen Kapitels, meint nicht allein die Zeit nach 1945, sondern die Zeit nach dem Verlust der Filmrollen, Pabsts Interesse an Film, Familie und Leben ist erloschen. Auffallend und manchmal verstörend ist der Erzählerwechsel in einzelnen Kapiteln, dazu deren Gedanken, z.T. auch Träume und Halluzinationen. Zu an böse Geister erinnernde Gestalten werden die Mitglieder der Hausmeisterfamilie, deren Treiben bösartig ist. Da sie aber nie von Pabst gescholten oder korrigiert werden, stellt sich auch hier die Frage nach dem tatsächlichen Geschehen. Der Roman ist, wie alle von Kehlmann, gut geschrieben, aber an „Die Vermessung der Welt“ reicht er nicht heran.
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Artikelbeschreibung

Daniel Kehlmanns Roman über einen Filmregisseur im Dritten Reich: «Der beste deutsche Autor seiner Generation zeigt, wie auch ein großer Künstler an moralischen Kompromissen mit dem Bösen zuschanden gehen kann. Blendend, ein wahrer Pageturner.» Salman Rushdie

Einer der Größten des Kinos, vielleicht der größte Regisseur seiner Epoche: Zur Machtergreifung dreht G. W. Pabst in Frankreich; vor den Gräueln des neuen Deutschlands flieht er nach Hollywood. Aber unter der blendenden Sonne Kaliforniens sieht der weltberühmte Regisseur mit einem Mal aus wie ein Zwerg. Nicht einmal Greta Garbo, die er unsterblich gemacht hat, kann ihm helfen. Und so findet Pabst sich, fast wie ohne eigenes Zutun, in seiner Heimat Österreich wieder, die nun Ostmark heißt. Die barbarische Natur des Regimes spürt die heimgekehrte Familie mit aller Deutlichkeit. Doch der Propagandaminister in Berlin will das Filmgenie haben, er kennt keinen Widerspruch, und er verspricht viel. Während Pabst noch glaubt, dass er dem Werben widerstehen, dass er sich keiner Diktatur als der der Kunst fügen wird, ist er schon den ersten Schritt in die rettungslose Verstrickung gegangen.

Daniel Kehlmanns Roman über Kunst und Macht, Schönheit und Barbarei ist ein Triumph. «Lichtspiel» zeigt, was Literatur vermag: durch Erfindung die Wahrheit hervortreten zu lassen.

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Personeninformation

Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren, wurde für sein Werk unter anderem mit dem Candide-Preis, dem Per-Olov-Enquist-Preis, dem Kleist-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Sein Roman Die Vermessung der Welt ist eines der erfolgreichsten deutschen Bücher des 21. Jahrhunderts, auch der Roman Tyll stand monatelang auf den Bestsellerlisten und gelangte auf die Shortlist des International Booker Prize. Lichtspiel machte international Furore, v. a. in den USA. Daniel Kehlmann lebt in Berlin und New York.

Pressestimmen

Der Autor hat die Atmosphäre moralischer Zwielichtigkeit, die diesen Roman durchtränkt, perfekt im Griff ... ein überragender Erzähler. David Segal The New York Times 20250430
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