Herzensbildung

Für eine Kultur der Menschlichkeit
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Buchprofile - Rezension
Mit Herzensbildung in die Zukunft.
Seit PISA 2000 scheint sich Bildung nur noch um Kompetenzen und Messbarkeit zu drehen. Dass Bildung weit mehr ist, wissen wir nicht erst seit Humboldts Idee von der zweckfreien Allgemeinbildung, sondern gerade in unserer Zeit multipler Krisen. Ausgehend vom Gleichnis vom barmherzigen Samariter lenkt der Jesuit und langjährige Schulleiter Klaus Mertes den Blick auf das hörende Herz als Zentralorgan des Menschen, der sich umfassend selbst bildet. Dazu gehört zunächst Wahrnehmungskompetenz, die vor allem durch Berührbarkeit geprägt ist. Rationalität und Handlungsfähigkeit reichen dafür nicht aus. Im Mittelpunkt steht für den langjährigen Schulleiter am Canisiuskolleg Berlin und von St. Blasien die Frage, wie in der Zwangsinstitution Schule (Schulpflicht!) diese Herzensbildung erworben werden kann. Mertes skizziert dabei die Schlüsselbedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung und betrachtet Tugenden wie Muße und Achtsamkeit sowie die heute bedrohte analoge Präsenz als Voraussetzung für Bildung durch personale Erziehung. Auf dieser Grundlage einer individuell sich vollziehenden Entwicklung hin zu Autonomie und Welterschließung wird Herzensbildung als notwendige Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie begründet. Mertes bleibt auch nicht eine Antwort auf die Frage nach der pädagogischen Umsetzung der Herzensbildung schuldig: Dankbarkeit, Umdenken und Verantwortung bilden die Säulen einer pädagogischen Tugendlehre, die heute mehr denn je den Kern humaner Schulkultur bildet. Dem Autor ist gleichsam als Konzentrat seiner jahrzehntelangen pädagogischen Erfahrung als Lehrer und Schulleiter ein überfälliges Korrektiv gegen Bildungsökonomie und Datenfetischismus gelungen, das eine wohltuende Lektüre für Lehrer und Eltern sowie eine nachdenkliche Mahnschrift für Bildungspolitiker und -journalisten darstellt, weil sie die Prioritäten zurecht rückt: Herz und Hirn statt Handys und Handlungskompetenz.
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Artikelbeschreibung

Welche Werte brauchen wir wirklich, um in dieser Zeitenwende die Zukunft unserer Gesellschaft menschlich und lebenswert zu gestalten?

Der Jesuit und Pädagoge Klaus Mertes ist überzeugt: Es ist die Herzensbildung, auf die es ankommt. In seinem Buch warnt er davor, unser Bildungssystem nur noch nach dem globalen Markt und den Ergebnissen der PISA-Studie auszurichten, und plädiert dafür, die christlichen Grundwerte wieder stärker in die Mitte unserer Schulen und unserer gesamten Gesellschaft zu stellen. Dazu zählen für ihn eine Wiederentdeckung der Kultur des Hörens, der Stille und des Miteinanders, was nicht nur für unsere Schulen, sondern für unsere gesamte Gesellschaft zwingend notwendig ist.

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Personeninformation

Superior des Ignatiushauses in Berlin, Redakteur der Kulturzeitschrift STIMMEN DER ZEIT, studierte klassische Philologie und Slawistik in Bonn, nach seinem Eintritt in den Jesuitenorden Philosophie in München und Theologie in Frankfurt. Seit 1990 war er im Schuldienst tätig, zunächst 1990-1993 in Hamburg, 1994-2011 dann am Canisius-Kolleg in Berlin, dessen Rektor er seit 2000 war. Von 2011 bis 2020 war er Kollegdirektor am internationalen Jesuitenkolleg in Sankt Blasien.

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