Dieses unruhige Ich

Ingeborg Bachmann. Eine Biographie | Zum 100. Geburtstag der Dichterin
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Buchprofile - Rezension
Weit mehr als ihr Werk: Dieter Burdorf präsentiert Ingeborg Bachmann als europäisch vernetzte Dichterin zwischen frühem Ruhm und spätem Leid.
Wer eigentlich war Ingeborg Bachmann? Der Leipziger Literaturwissenschaftler Dieter Burdorf hievt diese klassische Frage einer Biografie beherzt ins Heute: Was bedeutet die Dichterin uns heute, wenn wir sie in ihren literarischen Lebenszeugnissen und aus Kommentaren ihr nahestehender Menschen wahrnehmen? Das Spannende holt Burdorf aus Fluchtorten und Freundschaften Bachmanns. In Wien und Rom, in Paris und Zürich, in Neapel und Berlin lebt sie unstet, immer auf dem Sprung, ihr Leben „verabenteuernd“, wie Celan meinte. Vor allem mit ihm und sodann in der zeitweisen Ehe mit Max Frisch verband sie eine Liebe, die so schwierig wie intensiv war, mit dem Komponisten Hans Werner Henze eine ungewöhnliche Lebensfreundschaft, während Nelly Sachs Vorbild, Heinrich Böll künstlerischer Freund und Henry Kissinger politischer Mentor war. Aus den Briefen, die sie mit Enzensberger wechselte, sprechen Sommerliebe, Liebesverzicht, „holder Unsinn“ und „verdrängte Trauer“. Burdorf schreibt an den ineinander und nebeneinander laufenden Lebenslinien Ingeborg Bachmanns entlang, die früh mit ihren Gedichten berühmt wurde, aber von den Feuilletons, seit sie als literarischer Shooting-Star auf dem Cover der Zeitschrift „Der Spiegel“ (18.8.1954) landete, als „möbliertes Mädchen“ verkannt wurde, wie Ulrike Draesner meinte. Diskret ist die Biografie allemal, doch spannend und aufgeschlossen für die Widersprüche der Freundschaften dieses Autorenlebens auf jeder Seite. Die Formel „dieses unruhige Leben“ stammt aus vier Tagebuchblättern, die sie hellsichtig gegenüber sich selbst im Februar 1956 in Neapel schreibt. Dieter Buchdorfs Buch präsentiert Ingeborg Bachmann auf faszinierende Weise als Dichterin, die ihrer Zeit voraus war, als einfühlsame und klarsichtige Briefschreiberin als literarische Netzwerkerin, als polyamouröse Multi-Taskerin, kurzum, als eine Autorin, die weit mehr ist als das, was wir aus ihren Werken zu kennen meinen.
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Artikelbeschreibung

100. Geburtstag am 25. Juni 2026: Die neue Biographie von Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann hat mit ihrer Lyrik, ihren Erzählungen, Hörspielen und Romanen die deutschsprachige Literatur nach 1945 geprägt wie wenige andere. Ebenso fesselnd sind ihre Person und ihre großen, sprachmächtigen Briefwechsel, die teils erst vor Kurzem bekannt wurden. Dieter Burdorfs eindrucksvolle Biographie erzählt ihr Leben auf dieser neuen Grundlage zwischen Licht und Dunkel, zwischen Ruhm und innerer Gefährdung.

"Dieses unruhige Ich" - so hat Ingeborg Bachmann sich selbst beschrieben. Es war ein Ich, das sich in Beziehungen von existentieller Intensität erlebte, Beziehungen, in denen Leben und Schreiben untrennbar verflochten waren. Mit Paul Celan verband Bachmann die tragisch scheiternde Liebe ihres Lebens. Mit Max Frisch versuchte sie vier Jahre lang, ein eheähnliches Leben zu führen, was mit ihrem Zusammenbruch endete. Eine sommerliche Affäre mit dem jungen Hans Magnus Enzensberger wurde in eine Freundschaft verwandelt, die ebenfalls zerbrach. Zu Hans Werner Henze unterhielt Bachmann dagegen eine stabile Lebens- und Arbeitsbeziehung. Mit anderen Schriftstellerinnen wie Ilse Aichinger, Marie Luise Kaschnitz und Nelly Sachs diskutierte sie Probleme schreibender Frauen in einer männlich dominierten Gesellschaft. Dieter Burdorf macht eine Autorin sichtbar, die in der europäischen Kulturwelt glänzend vernetzt war und deren flackernde Vielgestaltigkeit sich erst heute ermessen lässt.

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Personeninformation

Dieter Burdorf ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Universität Leipzig und Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Bei C.H.Beck ist von ihm erschienen: "Friedrich Hölderlin" (2011).

Pressestimmen

"Überzeugt unmittelbar ... ebenso ergiebig wie historisch plausibel ... 'Dieses unruhige Ich' zeigt, wie verschlungen der Weg vom Leben in die Literatur ist."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tina Hartmann

"In der Biografie 'Dieses unruhige Ich' stellt Burdorf die Schriftstellerin anhand ihrer umfassenden Korrespondenzen vor, akribisch detailliert und eng an den Quellen entlang, und wirft endlich ein helleres Licht auf ihre Freundschaften."
Die ZEIT, Jolinde Hüchtker

"Lesenswert, ... exzellent."
ORF.at Ex libris, Günter Kaindlstorfer

„Ich mag die Biografie, weil ... Burdorf lebhaft und vital schreibt."
Die literarische Soirée, Thoralf Czichon

„Dieter Burdorf zeigt sehr schön den Briefwechsel Bachmanns."
Die literarische Soirée, Johanna Öttl

"Burdorf gelingt auf solider wissenschaftlicher Basis ein Panoptikum Bachmann’scher Lebenslagen, das biografisch einen Meilenstein setzt und lange State of the Art sein dürfte."
Der Freitag, Wolfgang Asenhuber

"Burdorf gelingt es in seiner bestens geschriebenen, sowohl chronologisch wie thematisch hervorragend strukturierten Biografie, Ingeborg Bachmann sowohl als Mensch wie als Autorin zu porträtieren."
Darmstädter Echo, Andreas Müller

"Dieter Burdorf hat zum Jahrestag eine neue Biografie geschrieben ('Dieses unruhige Ich' im Verlag C.H. Beck), die die Briefe mit fast juristisch wirkender Präzision auswertet."
FOCUS, Joachim Hentschel

"Die neue Biografie von Dieter Burdorf zeigt, dass diese Vernetzung, diese Beziehungen zwischen Autorin und Autoren ganz wichtig sind, auch für Bachmanns Autorschaft."
SWR Kultur, Uta Degner

"Legendenfreie Eindrücke ... Ergibt eine ganz eigene Spannung ... facettenreich."
Deutschlandfunk Kultur Lesart, Elke Schlinsog

"Behutsam interpretierend führt Burdorf nacheinander durch die sich überschneidenden Lebensabschnitte. Damit erweckt er die Briefpartnerinnen, ihren Alltag und ihre Gedankenwelt zum Leben."
republik.ch, Nicole Seifert

"Äußerst materialreich"
Neue Zürcher Zeitung, Paul Jandl

„Burdorf schreibt klug, nah dran und mit Respekt. Kein Sensationsgehechel, eher ein genaues Hinsehen. Für mich ist das eine starke Biographie für alle, die Literatur nicht nur lesen, sondern spüren wollen. Kein Buch für nebenbei, aber eins, das nachhallt.“
Instagram, @wildeskopfkino

„Herausragend“
General-Anzeiger, Regina Krieger

"Vielschichtig ... [Die] von ihm akribisch ausgewerteten Korrespondenzen ... gewähren nicht nur beeindruckende Einblicke in Bachmanns Gedankenwelt, sondern werfen auch ein Schlaglicht auf den deutschen Literaturbetrieb der Nachkriegszeit."
literaturkritik.de, Manfred Orlick
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