Global gescheitert?

Der Westen zwischen Anmaßung und Selbsthass
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Buchprofile - Rezension
Weshalb Versuche des Demokratie-Exports in andere Kulturen regelmäßig scheitern.
Der Westen, verstanden als politische Leitidee, nähert sich einem Kipppunkt. Für die Ethnologin bedarf es eines unverzüglichen Kurswechsels in Staat und Gesellschaft, um dieses freiheitliche Lebenskonzept zu bewahren. In einer Mischung aus Selbstüberschätzung und Selbstkasteiung haben sich ihrer Meinung nach die Eliten unserer Hemisphäre in Widersprüchlichkeiten verstrickt, deren zeitnahe Korrektur zur Überlebensfrage wird. Geopolitische Machtspiele, eine Migrationspolitik voller Fallstricke, Nachgiebigkeit gegenüber dem Islamismus, dazu Gängelungen wie die Identitätspolitik, Cancel Culture oder das Gendern der Sprache. Das sind für die Autorin nur einige der Krisen unserer Zeit, fast alle in ihren Augen selbstverschuldet und existenzbedrohend. Frau Schröter stellt die vielzitierte Spaltung westlicher Gesellschaften als Folge eines überdrehten, ja pervertierten Verständnisses der eigenen Grundwerte dar. Sie zeigt an vielen Beispielen, wie diese Sichtweisen mit einem hohen Maß an Aggressivität propagiert und umgesetzt werden. Der Schreibstil ist dicht, die Argumentationslinie konsequent. Trotz der Fülle an Zahlen, Daten und Fakten wirken die Darlegungen erfreulich unakademisch und das Werk erschließt sich dem Leser ermüdungsfrei. Eine Fundgrube für jeden, der an aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Anteil nimmt. Zudem ein Buch, das sich nicht scheut, auch einige politisch unkorrekte Standpunkte zu beziehen. Für jeden Bestand empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Susanne Schröters messerscharfe Analyse über den Westen - Spiegel-Bestseller

Selten schien der Westen so geschlossen wie zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Die Werte der Freiheit und Demokratie galt es gegen ein autokratisches System zu verteidigen. Doch hinter der vermeintlichen Geschlossenheit zeigten sich schnell die ersten Bruchstellen. Wie werden wirtschaftliche Zwänge mit politischen Zielen in Einklang gebracht? Wie viel sind dem Westen die eigenen Ideale wert? Dass sich dahinter ein tiefgreifendes strukturelles Problem des Westens verbirgt, zeigt die Ethnologin und Islamexpertin Susanne Schröter in ihrem neuen Buch. Angesichts der jüngsten Konflikte in der Ukraine, in Afghanistan und Mali sowie der Planlosigkeit westlicher Regierungen im Umgang mit Migrationsbewegungen, Islamismus und Cancel Culture diagnostiziert sie einen zwischen Hybris und Selbsthass gefangenen Westen, der unentwegt die Werte der Demokratie beschwört, sie aber gleichzeitig immer dann verrät, wenn es darauf ankommt. Befindet sich der Westen auf dem besten Weg, die eigene innen- wie außenpolitische Glaubwürdigkeit zu verspielen? In ihrem analytisch klugen und thesenstarken Buch gibt Susanne Schröter die Antwort. 

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Personeninformation

Susanne Schröter, Prof. Dr., geb. 1957, studierte Ethnologie, Soziologie, Politikwissenschaften und Pädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie lehrte und forschte u.a. an der University of Chicago und der Yale University, wurde 2004 Inhaberin des Lehrstuhls für Südostasienkunde an der Universität Passau und 2008 auf die Professur für "Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen" und an die Goethe-Universität Frankfurt berufen. Dort war sie 11 Jahre lang Principal Investigator im Exzellenzcluster "Herausbildung normativer Ordnungen" und leitet seit 2014 das "Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam".

Pressestimmen

[...] unnachgiebige und scharfsichtige Analyse [...] Thomas Thiel FAZ 20221026
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