Der Kaiser von Dahlem

Otto Warburg oder wie ein jüdischer Wissenschaftler im Nationalsozialismus die Krebsforschung neu erfand
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Buchprofile - Rezension
Fesselnde Lebensgeschichte eines Ausnahmewissenschaftlers.
Sam Apple, US-amerikanischer Journalist, beleuchtet in diesem interessanten Sachbuch zum einen die Lebensgeschichte des Physiologen, Krebsforschers und Nobelpreisträgers (1931) Otto Warburg (1883-1970), der trotz seiner Homosexualität als einziger jüdischer Spitzenwissenschaftler während der NS-Zeit in Deutschland bleiben und seine Forschungen weiterverfolgen konnte, zum anderen die realen Schwierigkeiten und inneren Konflikte des Wissenschaftlers, in der NS-Diktatur zu leben und zu arbeiten, ohne sich der NS-Ideologie zu unterwerfen. Die Antwort auf die Frage, warum Warburg großteils unbehelligt blieb, sieht der Autor darin, dass Warburg schon vor 1933 ein international gefeierter und weltweit anerkannter Wissenschaftler war, aufgrund seiner Forschungen zur Krebserkrankung einen unschätzbaren Beitrag zur Förderung der „deutschen Volksgesundheit“ leisten konnte und als „Vorzeigejude“ – gerade im Ausland – propagandistisch von Nutzen war. Apple zeichnet, gestützt auf zahlreiche Quellen, den widersprüchlichen Charakter Warburgs nach, zeigt ihn als egozentrischen, arroganten, selbstbewussten, streitbaren und unbelehrbaren Menschen, der erst in den 1960er Jahren bekannte: „Ich habe meine Zeit und meine Energie mit Kontroversen verschwendet, obwohl ich mich lieber neuen Experimenten hätte widmen sollen.“ Auch nach Kriegsende setzte er seine wissenschaftliche Arbeit fort, konnte aber an seinen früheren wissenschaftlichen Ruf nicht mehr anknüpfen. Neben aufschlussreichen Fakten aus der außergewöhnlichen Biografie dieses hervorragenden Wissenschaftlers erfährt man grundlegende Erkenntnisse zur Entwicklung der Krebsforschung, zur Bekämpfung und Behandlung dieser Erkrankung, zur Optimierung von Medikamenten und zu neuen Ansätzen in der Prävention. Obwohl diese Passagen meist nicht leicht zu lesen sind, ist das Buch für einen an der Thematik interessierten Leserkreis durchaus zu empfehlen!
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Artikelbeschreibung

Eine packende Geschichte am Abgrund des Zweiten Weltkriegs - über den jüdischen Krebsforscher Otto Warburg und die gegensätzlichen Realität von wissenschaftlicher Wissenschaft und DiktaturBerlin am Abgrund des Zweiten Weltkriegs. In Dahlem macht sich der exzentrische Nobelpreisträger Otto Warburg daran, das Geheimnis der Zellen zu lüften - er will verstehen, wie Krebs entsteht und wie er sich heilen lässt. Doch Warburg ist jüdisch, lebt in einer homosexuellen Beziehung und muss unter den Nazis um sein Leben fürchten. Sam Apple zeigt Otto Warburg als vergessenes Genie voller Widersprüche und entwirft anhand seines Lebens ein ungewöhnliches Epochenporträt. Warum erhofften sich die Nationalsozialisten von Warburg die Rettung für die "deutsche Volksgesundheit" und ließen ihn unbehelligt weiterarbeiten? Was bleibt von seiner Forschung? Eine einmalige Geschichte über Ideologie und Wissenschaft, persönliche Gefahren und Verantwortung und das Erbe einer großen Forschungsidee.

Produktsicherheit

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Personeninformation

Sam Apple, geboren 1975, lehrt Science Writing an der Johns Hopkins Universität und unterrichtete zuvor zehn Jahre lang Kreatives Schreiben und Journalismus an der University of Pennsylvania. Als Journalist beschäftigt er sich vor allem mit den Themen Wissenschaft und Gesundheit. Seine Arbeiten sind unter anderem im New York Times Magazine, New Yorker und Atlantic erschienen. Heike Schlatterer, Jahrgang 1970, studierte Neuere Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Amerikanistik in Tübingen und Oxford. Sie übersetzt seit über zwanzig Jahren im Bereich erzählendes Sachbuch, aktuelles Zeitgeschehen, Wirtschaft und Krimi aus dem Englischen. Zu den von ihr übersetzten Autoren gehören A.V. Banerjee, Britta Bolt, Ronan Farrow, Dan Jones, Ibram X. Kendi, Naomi Klein, Christina Lamb, Robin Lane Fox, Jaron Lanier, Kathy Reichs, Paul Theroux und Bob Woodward. Henning Dedekind, Jahrgang 1968, hat Amerikanistik, Soziologie und Rechtswissenschaften studiert. Er arbeitet als Journalist und Übersetzer, u.a. von Evgeny Morozov, Bob Woodward, Nicholas Carr, Masha Gessen.

Pressestimmen

»Brillant erzählt der Journalist, auf welchen Wegen, Um- und Abwegen sich im 20. Jahrhundert die Krebsforschung entwickelte.« Claudia Mäder, NZZ Geschichte, 01.05.26 »Dem US-Journalisten Sam Apple gelingt auf den Spuren des fast vergessenen Biochemikers Otto Warburg ein facettenreiches und unterhaltsames Zeitgemälde.« Michael Lange, Deuschlandfunk, 08.05.26
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