Variation über das Thema Erwachen

Gedichte Edition Lyrik Kabinett
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Buchprofile - Rezension
Eine Auswahl von Gedichten des bekannten litauischen Schriftstellers.
Tomas Venclova ist der derzeit vielleicht wichtigste Repräsentant der "älteren Schriftstellergeneration" in Litauen. 1977, noch in den Zeiten des "realen Kommunismus" , wurde ihm die sowjetische Staatsbürgerschaft aberkannt. Nach Jahrzehnten im US-Exil lebt er nun wieder in Vilnius. In einem ausführlichen Nachwort porträtiert Michael Krüger, der Mitherausgeber der "Edition Lyrik Kabinett", seinen langjährigen Freund Tomas Venclova und stellt den Hintergrund seiner Gedichte vor. In fast jedem der in diesem Band versammelten Gedichte findet man Anspielungen auf zeithistorische Ereignisse (zuletzt auch auf die Gewalt im Osten der Ukraine) oder auch auf biblische Figuren (Eva, die "Mutter der Lebenden"). Dann wieder entdeckt man autobiografische Bezüge, etwa in dem Langgedicht "Ein Flug", einer wunderbar elegischen Lebensbilanz, geschrieben während eines langen Fluges von Europa in die USA. "Du befindest dich zwischen Kap Farvel und den Hebriden oder vielleicht zwischen den Polen deiner eigenen Zeit, ihrem Ende und ihrem Anfang." Für einen heute 85-jährigen Dichter ist die noch verbleibende Lebenszeit begrenzt. Aber die Gedichte sind nicht von Trauer oder Verzweiflung über das Ende des eigenen Lebens gefärbt, sondern in einem eher gelassenen, weisen, dankbaren Ton geschrieben. "Was bedeutet schon der Tod nach so vielen Jahren, Landschaften und Begegnungen, wenn deine Zeit schon erfüllt ist."
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Artikelbeschreibung

Lyrik aus Litauen - "Tomas Venclova ist Litauens Stimme in der Weltliteratur. Ein lakonischer Elegiker und moderner Klassiker." Carsten Hueck, Deutschlandradio KulturTomas Venclova ist einer der großen Dichter unserer Zeit. In seiner Heimat Litauen erlebte er den langen Winter des Totalitarismus, wegen seiner kritischen Haltung kam er in Bedrängnis. Es folgten Exil, Reisen und Heimkehr - die Lebensthemen seiner Lyrik -, doch als dieser unfreiwillige Weltbürger schließlich zurückkehrte, war das Land ein anderes. Was unverändert blieb, ist die rettende Kraft der Sprache. Stets beruft sich Venclova auf die Tradition der europäischen Literatur - von der griechischen Klassik bis zur Moderne. Lakonie, kristallklare Eleganz und feiner spöttischer Witz zeichnen seine Poesie aus, jene "unwirkliche Wirklichkeit", die sich unauflöslich mit der Erfahrung der Welt verwebt.

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Personeninformation

Tomas Venclova, geboren 1937 in Memel, heute Klaipeda, gilt als der bedeutendste Dichter Litauens. 1977 emigrierte er in die USA, wo er bis zu seiner Emeritierung an der Yale University russische Literatur lehrte. Heute lebt er wieder in Vilnius. Auf Deutsch sind die Gedichtbände "Gespräch im Winter" (2007) und "Vor der Tür das Ende der Welt" (2001), die Gespräche "Der magnetische Norden" (2017) sowie das Porträt "Vilnius. Eine Stadt in Europa" (2006) erschienen. Sein lyrisches und essayistisches Werk wurde vielfach übersetzt und ausgezeichnet, u. a. mit dem Petrarca-Preis 2014. Bei Hanser erschien zuletzt eine Auswahl seiner Gedichte unter dem Titel Variation über das Thema Erwachen (2022). Michael Krüger, geboren 1943 in Wittgendorf/Sachsen-Anhalt, lebt in München . Er war viele Jahre Verlagsleiter der Carl Hanser Literaturverlage und Herausgeber der "Akzente" sowie der "Edition Akzente" und von 2013 bis 2019 Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er ist Mitglied verschiedener Akademien und Autor mehrerer Gedichtbände, Geschichten, Novellen, Romane und übersetzungen. Für sein schriftstellerisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Peter-Huchel-Preis (1986), den Mörike-Preis (2006) und den Joseph-Breitbach-Preis (2010).

Pressestimmen

"Was sich beim Lesen auffaltet, sind Bilder einer 'Landschaft der Unfreiheit', wie es einmal heißt - und immer wieder glimmt eine dünne Hoffnung in Venclovas Gedichten auf, es könnte doch so etwas wie eine 'andere Ordnung' geben." Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung, 28.06.22 "Tomas Venclovas Umgang mit Sprache ist so überzeugend, dass seine Gedichte auch (fast) ohne Meta-Wissen absolut faszinieren. Und das liegt an Venclovas traumwandlerisch sicherem Umgang mit Rhythmus, Musikalität, Reim, Metapher, Bild usw., sodass das Lesen eines Venclova-Gedichtes zum wahren Vergnügen wird." Matthias Ehlers, WDR5 Bücher, 21.05.22 "Tomas Venclova ist vermutlich der letzte große Dichter des 20. Jahrhunderts. Voller Pathos, voller Welt, voller Prosodie. Seine Dichtungen sind allumfassende Entwürfe, geschichtsgesättigte ganze Weltbilder, monumental auch im Kleinen." ORF, Ö1 Ex libris, 24.04.22 "Venclova verwebt Politik, Natur und persönliches Erleben zu einem eigenständigen poetischen Ganzen." Andreas Puff-Trojan, Die Presse, 09.04.22
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