Mein fremder Vater

Roman
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Buchprofile - Rezension
Der 12-jährige Émile wird von seinem Vater terrorisiert und in seine Wahnvorstellungen verwickelt.
Geheimagent sei er, verrät der Vater dem 12-jährigen Émile eines Tages im Jahr 1961. Das erklärte vieles: dass nie jemand in die kleine Wohnung eingeladen wurde, nicht einmal die Großeltern, dass er keine Ahnung davon hatte, wie der Vater seine Tage verbrachte oder dass er einen Taufpaten hatte, den CIA-Agenten Ted. Fragen wagte Émile keine zu stellen, denn der unberechenbare Vater tyrannisierte nicht nur die passive, sich innerlich abwendende Mutter, sondern auch den Sohn, den er wegen seiner Zeichnungen oft geringschätzig "Picasso" rief, vergalt die schlechten Schulnoten mit Schlägen und hatte, als Émile sieben war, versucht, ihm das Asthma mit der Peitsche aus dem Leib zu treiben. Der Vater hatte schon viel erlebt, war Pastor, Profifußballer, Fallschirmjäger und Sänger, so erzählte er, verlangte aber Stillschweigen darüber. Als er Émile in seine politischen Aktivitäten für die OAS einweiht und ihn mit nächtlichen Trimmübungen und dem Gelübde, ja niemals darüber zu sprechen für die Mission fit macht, freut sich der Junge über die lang ersehnte Anerkennung. Und bezieht selbst heimlich den Neuen in der Klasse, Luca aus Algerien, in die Mission ein. Unbewusst den Vater imitierend und dessen Wahnvorstellungen verbreitend verspürt er ein Machtgefühl wie noch nie. - Chalandon gibt in diesem stark autobiografischen Roman in einfachen Sätzen das Erleben eines 12-Jährigen so wieder, dass man die Liebe und Bewunderung für den Vater ebenso spürt wie die Angst vor ihm. Besonders beeindruckend ist das letzte Drittel des Buches mit dem erwachsenen Émile, nun verheiratet und selbst Vater. Weit mehr als ein typischer Roman einer schwierigen Kindheit geht dieses Buch unter die Haut und erschüttert auch beim erneuten Lesen. Ausdrückliche Empfehlung! (Übers.: Brigitte Große)
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Artikelbeschreibung

Die Hölle, das war mein Vater

Was er nicht alles gewesen sein will, dieser Vater: Fallschirmjäger, Prediger, Sänger, Judolehrer, Profi fußballer, Berater von Charles de Gaulle. Und nicht zuletzt: Geheimagent.

André Choulans, der Anfang der 60er-Jahre mit seiner Familie in Lyon lebt, ist kein normaler Vater, er ist ein Aufschneider und Tyrann. Er terrorisiert seinen Sohn Emile, verhängt absurde Strafen und bedrängt ihn mit seinen verqueren politischen Ansichten. Ein ergreifender Roman über eine schreckliche Kindheit, in der sich absurde wie tragikomische Szenen abwechseln - auf dem berührenden Weg eines Sohnes weit weg von einer Familie, die nie eine war.

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Personeninformation

Sorj Chalandon, geboren 1952 in Tunis, gilt als einer der bedeutendsten Journalisten und Schriftsteller Frankreichs. Viele Jahre lang schrieb er für die Zeitung 'Libération', seit 2009 ist er Journalist bei der Wochenzeitung 'Le Canard enchaîné'. Für seine Reportagen über Nordirland und den Prozess gegen Klaus Barbie wurde er mit dem Albert-Londres-Preis ausgezeichnet. Auch sein schriftstellerisches Schaffen wurde mit zahlreichen Literaturpreisen gewürdigt, unter anderen dem Prix Médicis und dem großen Romanpreis der Académie française.

Brigitte Große, 1957 in Wien geboren, studierte Philosophie, Musikwissenschaft, Soziologie und Psychologie in Wien und Hamburg. Anschließend war sie als Lektorin und Redakteurin tätig. Sie lebt heute als Übersetzerin aus dem Französischen in Hamburg. Sie überträgt unter anderem Amélie Nothomb, Wilfried N'Sondé und Gaël Faye ins Deutsche. 1994 und 2015 erhielt Brigitte Große den Hamburger Förderpreis für Literatur und literarische Übersetzungen. Sie war Trägerin des Hieronymusrings und wurde 2017 mit dem Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung ausgezeichnet.

Pressestimmen

Sorj Chalandon schreibt einen furiosen Roman über Frankreich zu Zeiten des Algerienkriegs. Jürgen Ritte Neue Zürcher Zeitung 20180113
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