Triceratops

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020 (Longlist)
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Buchprofile - Rezension
Jurassic Park in der Anstalt: Stephan Roiss schreibt einen lesenswerten Borderline-Roman.
"Hatte Jesus einen Drachen?", fragt der junge Protagonist im Roman "Triceratops" von Stephan Roiss. Der biblische Leviathan, mythologische Ungetüme, Comic-Monster und der vorzeitliche Triceratops, mit dem die Dinosaurier ausstarben, sind der Untergrund, aus dem heraus eine Borderline-Geschichte erzählt wird. Es wird überhaupt viel gelesen in diesem Roman. Der Junge liest, wie seine Schwester, Drachenbücher und Superheldencomics, der Vater die Evangelien und Teletext, die Mutter Beipackzettel und Diättabellen, die Großmutter erzählt traumatische Familiengeschichten, und in den Bücherregalen der Geschlossenen Anstalt, in der auch die Mutter zeitweise untergebracht ist, stehen Bildbände und Reiseführer. Auffällig ist, dass der Junge von sich immer stets im "Wir" redet, was man als ungesundes Selbstbewusstsein oder Bindungsproblem deuten kann. Die hintergründigste Figur des Romans ist Konrad. Er ist überlebendes Opfer der Nazi-Euthanasie und hat offenbar einen Mordversuch an seiner Mutter unternommen, weshalb er als Dauerpatient in die Anstalt kommt. Konrad ist es, der die interessantesten Fragen stellt: ob Vergebung jemals zur Heilung geführt habe und ob Gott den Menschen bei Kerzenschein geschaffen habe. Empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Nominiert für den deutschen Buchpreis 2020!Ein kleiner Junge malt Monster in seine Schulhefte und spricht von sich selbst als Wir. Seine Mutter schluckt in der geschlossenen Anstalt Neuroleptika mit ungesüßtem Früchtetee hinunter. Der bibeltreue Vater kocht nur Frankfurter und die Schwester bewegt sich wie ein Geist durch das Haus. Die einzigen Vertrauten des Jungen sind die Aschbach-Großmutter und später die blauhaarige Helix, die auf ihrem Snakeboard in sein Leben fährt. Eines Tages ereignet sich eine Tragödie, die das Wir und die ganze Familie von Grund auf erschüttert.In harten Schnitten und bildhaften Szenen erzählt Stephan Roiss die Geschichte seines namenlosen Protagonisten, der dem Trauma und der Einsamkeit zu entfliehen versucht. Ein intensiver Roman, der lange nachhallt."Eines Tages brachen wir ein ungeschriebenes Gesetz. Wir hörten, dass Mutter zu weinen begann. Doch diesmal gingen wir nicht hinunter. Leise schlossen wir die Tür unseres Zimmers und schalteten das Radio an."

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Personeninformation

Stephan Roiss, 1983 in Linz geboren, lebt als freier Autor und Musiker ("Äffchen &Craigs", "Fang den Berg") in Ottensheim und Graz. Er absolvierte den Masterstudiengang am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und schreibt Prosa, Lyrik, Texte für Graphic Novels sowie szenisch-performative Texte. Seine Hörspiele wurden u. a. via SWR, MDR und Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt. "Triceratops" ist sein erster Roman, für den er das Start-Stipendium des Bundeskanzleramts Österreich und das Jubiläumsfondsstipendium der Literar Mechana erhielt. Auszüge daraus wurden bereits mit dem Förderpreis Floriana 2016 und dem Förderpreis der Wuppertaler Literaturbiennale 2018 ausgezeichnet. stephanroiss.at

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