„Köstliches Getränk des Satans“
Ob schwarz oder mit Milch und Zucker, als Cappuccino oder Espresso aus der Siebträgermaschine, gefiltert oder sogar „freddo“ mit Eiswürfeln: Kaffee ist das beliebteste Heißgetränk in Deutschland – und es verbindet seit Jahrhunderten die Welt.
Macht wach und gehört für viele zum Lifestyle dazu: Kaffee ist eines der großen Kulturgetränke der Menschheit. Foto: © imago/ingimage
Dieser Duft ist einzigartig und unwiderstehlich. Morgens zieht er durch Millionen Küchen und Büroräume; ein Treffen am Nachmittag ist ohne ihn undenkbar; und wer es eilig hat, füllt ihn in einen To-go-Becher: Kaffee. Gerade in Deutschland ist er so beliebt wie kein anderes Getränk. Pro Kopf trinkt jeder jährlich rund 163 Liter.
Der Ursprung des Kaffees liegt Tausende Kilometer entfernt – wohl im äthiopischen Hochland. Verlässlich dokumentiert ist das nach Informationen des Deutschen Kaffeeverbandes aber nicht. Stattdessen gibt es eine Reihe an Legenden.
Muntere Ziegen in Äthiopien
Eine erzählt die Geschichte von Kaldi, einem Hirten, und seinen Ziegen. Im 9. Jahrhundert ließ er in der Region Kaffa seine Tiere weiden und fand sie eines Tages ungewöhnlich lebhaft vor. Er machte sich auf die Suche und entdeckte auf der Weide eine Pflanze mit Früchten, ähnlich einer Kirsche. Auch Kaldi probierte sie und war mitten in der Nacht hellwach.
Mitunter wird die Legende so weitererzählt: Der verwunderte Kaldi brachte die Früchte in ein Kloster; für einen der Mönche klang das nach Teufelswerk, weshalb er sie ins Feuer warf. Quasi aus Versehen wurden die ersten Kaffeekirschen geröstet. Für die Mönche eine fantastische Entdeckung, nutzten sie das belebende Getränk doch, um für nächtliche Gebete wach zu bleiben. Heute ist Äthiopien für seinen Arabica-Kaffee bekannt. Ob das Getränk aufgrund der dortigen Region Kaffa seinen Namen erhielt, ist unklar.
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Aus Mokka in die Welt
Bekannter wurde Kaffee, als Sklavenhändler keimfähige Bohnen auf die Arabische Halbinsel brachten. Dafür wird mitunter bereits das 11. Jahrhundert genannt, häufig jedoch das 14. Jahrhundert. Weil die Kirschen oft verdarben, begann der Anbau auf der Arabischen Halbinsel. Dreh- und Angelpunkt wurde die Hafenstadt Mokka – auch als Mocha bekannt – am Roten Meer im heutigen Jemen. Der Name Mokka hat sich bis heute für eine traditionell orientalische Art der Kaffeezubereitung gehalten.
Mittlerweile ist dort vom einstigen Glanz des Kaffeebooms nichts geblieben: Mitte September dieses Jahres nahmen die Huthi-Milizen Mokka ein; die jemenitische Kaffee-Ausfuhr macht am weltweiten Export weit weniger als ein Prozent aus. Aber nicht so im 15. Jahrhundert. Dem Jemen gelang es, ein Kaffeemonopol zu errichten; in einer Region, in der das heiße Getränk immer beliebter wurde. Dazu trug der Sufi-Gelehrte Muhammad Ibn Said Al Dhabhani bei. Das erste Kaffeehaus soll 1511 in der Stadt Mekka eröffnet worden sein.
Belebend und ein Hauch Verbotenes
Auf der Arabischen Halbinsel entstand letztendlich auch der Name. Kaffee, so schreibt der deutsche Kaffeeverband, leitet sich vom altarabischen „qahwah“ ab, was belebendes Getränk, Willenskraft oder Stärke bedeuten kann. Damit soll, heißt es weiter, ursprünglich allerdings Wein gemeint gewesen sein – verboten für gläubige Muslime. Die Türken sprachen von „kahweh“. Wegen der anregenden Wirkung soll daraus der „Wein des Islam“ entstanden sein.
Im Zuge der Kolonialisierung und frühen Globalisierung trat der Kaffee seine Reise um die Welt an, etwa nach Sri Lanka, das heute für seinen Tee bekannt ist. Möglich wurde es durch die niederländische Ostindien-Kompanie, die im 17. Jahrhundert Kaffee auf der Insel anbauen ließ.
Getränk der Ungläubigen
Dabei gab es in Europa lange Widerstand; Kaffee galt als Getränk der „Ungläubigen“. Ein Verbot versuchten Kritiker sogar beim Papst höchstpersönlich zu erwirken, heißt es. Doch Clemens VIII. (1592–1605) ließ sich eine Tasse zubereiten, kostete und befand: „Dieses Getränk des Satans ist köstlich.“ Aber auch hier gilt: Vielleicht ist es nur eine schöne Legende.
Anders der Beginn der Kaffeehäuser, deren erste in Venedig (im Jahr 1645), London (1652) und Paris (1672) eröffnet wurden. In den deutschen Ländern war es in der Hansestadt Bremen im Jahr 1673 so weit. Wien zog zehn Jahre später nach – die dortige Kaffeehauskultur ist seit 2011 immaterielles Welterbe der UNESCO.
Bildung im Kaffeehaus
Schnell wurden die Orte zu Treffpunkten, um Zeitung zu lesen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und um politische Debatten zu führen. In England wurden Kaffeehäuser zu „Penny Universities“, boten sie doch zum Preis von einer Tasse Kaffee Zugang zu Wissen und intellektuellen Diskussionen.
Doch auch der individuelle Kaffeekonsum zu Hause stieg. In Preußen passte das im späten 18. Jahrhundert Friedrich dem Großen nicht. Er befand: Sollten die Deutschen doch lieber heimisches Biertrinken und nicht Kaffee aus den teuer importierten Bohnen. Am 21. Januar 1781 verbot er landesweit das private Kaffeerösten im ganzen Land. Um es durchzusetzen, wurden sogar Kaffeeschnüffler eingesetzt. Sein Nachfolger König Friedrich Wilhelm II. ließ das Verbot 1787 schließlich wieder aufheben.
Erfindungen rund um den Kaffee
Kaffee ist auch verbunden mit allerlei Erfindungen. Melitta Bentz ließ sich 1908 den Kaffeefilter patentieren. Heute schmeckt Filterkaffee längst nicht mehr nach Schwiegereltern und Deutscher Bahn. Angesagt sind auch Siebträgermaschinen und Vollautomaten; Kaffee gibt es in Pads, Kapseln und aus der Frenchpress.
Eins ist geblieben: Kaffee ist ein globales Getränk – und ein ungerechtes. Denn weltweit wird nach wie vor nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Kaffees unter Bedingungen gehandelt, die als fair bezeichnet werden können. Bei herkömmlichem Kaffee bleiben nur vier bis fünf Prozent des finalen Ladenpreises bei den Kaffeebauern. Wer etwas dagegen tun will, hält gezielt Ausschau nach fair gehandeltem Kaffee – mit zusätzlichem Biosiegel bleibt auch die Natur im Blick.
Katrin Gänsler



