Kritik und Hoffnung:
Gedanken zur Fußballweltmeisterschaft von Sportbischof Stefan Oster
Der Passauer Bischof Stefan Oster ist in der Deutschen Bischofskonferenz für den Sport zuständig. Die Fußballweltmeisterschaft der Männer beschäftigt ihn deshalb beruflich – aber auch privat.
Die Fußballweltmeisterschaft der Männer findet in diesem Jahr zum ersten in drei Ländern statt: den USA, Mexiko und Kanada. Foto: © IMAGO/Uwe Kraft
„Dann gibt es ein Bier und eine Brezn, und dann schauen wir Fußball“ – nicht nur als Sportbischof verfolgt Stefan Oster den Beginn der Fußballweltmeisterschaft der Männer, als Fan lädt er auch gerne selbst zum Fußballschauen nach Hause ein. Schon als Kind habe er leidenschaftlich gerne Fußball gespielt, erzählt er. Besonders gerne erinnert er sich an die Zeit als Hochschullehrer im oberbayerischen Benediktbeuern, wo er auch mit seinen Studenten „gekickt“ hat. „Ich liebe schönen Fußball“, gibt der Sportbischof zu. Diese Begeisterung wünscht er sich auch für die Weltmeisterschaft: ein Sommermärchen wie im Jahr 2006, als die deutsche Nationalelf den dritten Platz erreichte – ein Event, das die Menschen zusammenbringt.
Kritik an der Weltmeisterschaft:
Kommerzialisierung und Politisierung
Oster verfolgt jedoch ebenso den kritischen Diskurs um die Weltmeisterschaft. „Die Kommerzialisierung der FIFA, das ist schon hochproblematisch.“ Er kritisiert insbesondere den Anstieg der Eintrittspreise, besonders für Spiele in den USA. Heikel sei zudem, dass US-Präsident Donald Trump aus den Spielen gewissermaßen eine „Trump-Politshow“ mache.
Die Politisierung stehe im Widerspruch zu den eigentlichen Werten der Sport-Events: Es solle eigentlich Menschen zusammenbringen, ihnen Freude geben und Fairplay in den Mittelpunkt stellen. Andererseits gibt er zu: „Welche gesellschaftliche Initiative, welches Event, was Menschen zusammenbringt, ist schon heil oder frei von persönlichen und kommerziellen Interessen?“
Auch privat ist Bischof Stefan Oster Fußball-Fan. Foto: © Susanne Schmidt
Belastung im Leistungssport:
Glaube als Schutz gegen psychischen Druck
Im Leistungssport könnten viele Faktoren gefährlich werden – so zum Beispiel die psychische Belastung. Während die ganze Nation auf die Mannschaft schaut, stehen die Spieler unter Druck, gute Leistungen zu erbringen und sich Spielzeiten zu erkämpfen. In solchen Momenten könne Gott helfen: „Er schenkt Gelassenheit und gerade dadurch ein gewisses Maß an Leistungsfähigkeit.“ Gerade der Sport sei eine Gelegenheit, sich mit ganzem Herzen einer Sache zu widmen und die Zeit zu vergessen.
Dabei könne der Glaube helfen, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und zu wissen: Es gibt etwas Wichtigeres als das eigene Selbst – dann werde aus dem Spiel keine Ego-Show. Wer sein Leben mit dem Glauben in Verbindung bringe und auf Gott vertraue, der könne ganz bei der Mannschaft und dem eigentlichen Ziel des Spiels bleiben. Eine solche Freude und Leidenschaft für das Spiel wünscht sich Oster.
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„Die schönste Nebensache“ -
Sport keine Ersatzreligion
„Natürlich verstehe ich, wenn Menschen voller Leidenschaft für ihr Team beten“, meint Oster. Es gebe viele Parallelen zum Glauben. Das Pilgern ins Stadion zum Bundesligaspiel am Samstag, Lobgesänge auf die Fußballhelden, Wimpel und Pokale zur Verehrung des Lieblingsklubs – das alles könne positive Auswirkungen haben, Gemeinschaft und Euphorie erzeugen.
Dennoch sagt er, der Sport dürfe nicht zu einer Ersatzreligion werden. „Manchmal denke ich mir, für was ich schon alles gebetet habe – da bin ich im Nachhinein dankbar, dass Gott nicht jedes Gebet erhört hat – gehört wahrscheinlich schon, aber nicht erhört.“ Beten sollte man dafür, dass es schöne Spiele gibt und sie nicht korrumpiert werden. Und dann soll am Ende einfach der Beste gewinnen. Für Oster bleibt der Fußball „die schönste Nebensache“ – aber eben nur eine Nebensache.



