Wie war Jesus wirklich?
Egal ob Evangelium, Ölbild oder Roman: Stets steht eine Erzählabsicht hinter dem Bild, das dort von Jesus gezeichnet wird. Aber was wissen wir historisch gesichert über den Mann aus Nazaret? Das will die Website Ran an Jesus klären. Theologisch fundiert und allgemein verständlich.
Frederik Mayet als Jesus bei den Passionsspielen in Oberammergau 2010. Foto: © IMAGO / fossiphoto
„Ich finde es einfach wichtig, in Jesus nicht sofort viel hineinzuinterpretieren, sondern erst einmal zu fragen: Was war er für ein Mensch? Was wollte er? Wie hat er gelebt? Was hat er getan?“ Das sagt Jörg Maihoff, Theologe und Erwachsenenbildner in Ludwigsburg. Er ist einer der Köpfe hinter der Website „Ran an Jesus“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Fragen zum historischen Jesus zu beantworten. Und das wissenschaftlich korrekt und sprachlich für alle verständlich.
Wer war der historische Jesus?
„Wir haben dafür ein ganzes Team“, sagt Maihoff, „ein weitgehend ehrenamtliches.“ Darunter sind Fachleute wie Angelika Strotmann, bis zum Ruhestand 2022 Professorin für Neues Testament an der Universität Paderborn, oder Wilfried Eisele, Professor für Neues Testament in Tübingen. Sie schauen über fertige Texte, um zu überprüfen, ob alles sachlich richtig ist.
Oder Edith Lambert, die früher an einer Grund- und Hauptschule Religion unterrichtete. Sie schaut über die fertigen Texte, um zu überprüfen, ob ein normaler Mensch sie versteht. „Die Theologen merken oft gar nicht, dass sie Worte benutzen, die sonst niemand kennt“, sagt sie. „Jeder andere klinkt sich dann aber schnell aus.“
Und so soll es gerade nicht sein. „Wir machen das Portal für alle, die sich für Jesus interessieren“, sagt Maihoff. Deshalb gibt es auf der Website auch zwei Varianten. „Die eine heißt ‚Standard‘“, erläutert Maihoff. Verständlich, aber doch mit dem ein oder anderen Fremdwort und auch inhaltlich eher an der Welt der Erwachsenen orientiert.
Die andere heißt „You“ und richtet sich speziell an die junge Generation. „Unsere Kernzielgruppe sind 15- bis 17-Jährige“, sagt Maihoff. Firmlinge zum Beispiel, aber auch Schülerinnen und Schüler.
Die hat Moritz Horwath besonders im Blick. Er studiert in Tübingen Theologie und Geschichte auf Lehramt und war von Anfang an in dem Projekt dabei. „Jörg Maihoff war in der Grundschule mein Reli-Lehrer und später Pastoralreferent in meiner Gemeinde, wir kennen uns schon ewig“, sagt er. „Er hat mich 2023 gefragt, ob ich mitmachen würde, und ich fand die Idee total spannend.“
Gerade der historische Jesus sei auch für Jugendliche interessant, das habe er in Schulpraktika schon erlebt. „Viele tun sich schwer damit, wenn es um die Göttlichkeit Jesu geht, seine Wunderheilungen oder dass er über das Wasser ging“, sagt Horwath. „Aber die menschliche Seite Jesu finden sie spannend. Da gibt es viele Anknüpfungspunkte für heute.“
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Um die Website für möglichst viele Menschen interessant zu machen, setzt sie nicht nur aufs Lesen. „Wir haben eine Sprecherin gebeten, die Texte professionell zu vertonen“, sagt Maihoff. Die Aufnahmen sind je nach Frage zwei bis acht Minuten lang und auf der Website, aber auch über Podcast-Anbieter zu hören.
„Sie eignen sich auch gut für Bildungsabende oder Gesprächskreise in der Gemeinde. Als Einstieg, um danach in die Diskussion zu kommen“, sagt Maihoff, der hauptberuflich die Katholische Erwachsenenbildung im Landkreis Ludwigsburg leitet.
40 Fragen über Jesus
Material für Gespräche gibt es genug, denn es sind 40 Fragen, die auf der Seite beantwortet werden. Warum 40? Weil es biblisch eine heilige Zahl ist? Maihoff lacht: „Nein, das ist Zufall. Wir haben gesammelt und irgendwann waren wir bei 40 und haben gesagt: Jetzt ist genug.“
Die Fragen sind sehr unterschiedlich. Manche, sagt Moritz Horwath, interessieren seiner Erfahrung nach Jugendliche. Dazu gehört etwa: Wie sah Jesus aus? Welche Kleidung hat er getragen? Hatte Jesus eine Sexualität?
Andere sind historisch-kritisch: Warum wurde Jesus zum Tod verurteilt? Wie hat man sich eine Kreuzigung vorzustellen? Gibt es eine gesicherte Quellenlage?
Mehr Infos: www.rananjesus.de.
Wieder andere sind inhaltlicher Art: Was meinte Jesus mit dem Gottesreich, das schon jetzt beginnt? Wie hat Jesus sich selbst gesehen? Gibt es eine Leitlinie seiner Ethik?
Aber reicht es, sich sachlich mit dem historischen Jesus auseinanderzusetzen? Braucht es nicht mehr Spiritualität? Maihoff sagt: „Durch die Beschäftigung mit dem historischen Jesus bin ich frommer geworden. Ich weiß jetzt mehr über seine jüdischen Wurzeln, seine Entwicklung, sein Gottesbild. Ich finde, das ist hochspirituell.“
Auch die Gegenleserin Edith Lambert will Glauben und Wissen nicht gegeneinander ausspielen. „Mit mir macht das was“, sagt sie. „Ich nehme öfter die Bibel zur Hand und frage auch im Alltag häufiger, was Jesus dazu sagen würde.“
Und Moritz Horwath sagt: „Wer versteht, wer Jesus ist und was er will, erkennt schnell, wie alltagstauglich seine Lehre ist, und wird ihn eher in sein Leben hineinlassen.“



