Organ hoch 3
Was sagt die Bibel über das Herz?
Etwa 900-mal kommt das Wort „Herz“ in der Bibel vor, damit steht es an der Spitze des frommen Vokabulars. Das Böse kommt nur halb so oft vor. Glaube, so scheint es, ist eine Herzensangelegenheit.
Foto: © TriggerPhoto/iStock
- Schon im ersten Gebot heißt es: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen …“ (Deuteronomium 6,5).
Allerdings meint die Bibel das nicht nur gefühlig. Ja, das Herz ist Sitz der Emotionen, der Liebe, des Hasses.
- So ist die kinderlose Hanna „im Herzen betrübt“, bei anderen „erschrickt“ das Herz, es „erbebt“ oder „freut sich“. Andererseits ist es auch „verzagt“, „zerschlagen“ oder „bitter“.
- Im Hohelied der Liebe singt die Braut: „Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke; da bebte mein Herz ihm entgegen“ (Hld 5,4).
- Und selbst Gott fühlt mit dem Herzen: „Euch hat der HERR ins Herz geschlossen“, sagt Mose dem Volk Israel mehrfach, „er liebt euch“ (Deuteronomium 7,7; 10,15).
Ja, das Herz ist wirklich voller Gefühle. Das ist aber nicht alles.
Denn für den Menschen des hebräischen Kulturkreises ist der Mensch eine Einheit. Die alten Griechen teilten ihn auf in Leib und Seele, Herz und Verstand, Vernunft und Gefühl – und wir kennen in der Folge diese Aufteilung auch. Die Bibel kennt sie nicht.
Für die Bibel fühlt der Mensch nicht nur mit dem Herzen, er denkt auch mit ihm.
Eine ungewöhnliche Idee: Regieren mit dem Herzen
Das bekannteste Beispiel dafür ist der junge König Salomo.
- Als Gott ihm einen Wunsch gewähren will, bittet er: „Verleihe deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht!“ (1 Könige 3,9) Und Gott erfüllt seine Bitte: „Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.“ (1 Könige 3,12)
Sehr kluge Entscheidungen wird Salomo mit diesem weisen Herzen treffen, so klug, dass „salomonische Urteile“ sogar sprichwörtlich geworden sind.
Regieren mit dem Herzen: Was für eine ungewöhnliche Idee – jedenfalls nach unserem Verständnis. Aber eben nicht im biblischen Kontext, in dem Gefühl und Verstand sich im Herzen treffen. Wenn wir sagen, man müsse Probleme „mit kühlem Kopf“ lösen und das „heiße Herz“ sei dabei eher störend, hätten weder Salomo noch Jesus das Argument überhaupt nur verstanden.
Der Mensch ist ein Ganzes, hätten sie geantwortet, spielt nicht Verstand und Gefühl gegeneinander aus; fühlt mit dem Kopf, denkt mit dem Herzen.
Tief im Herzen können wir Gott begegnen
Und noch ein Drittes kommt für den biblischen Menschen natürlich hinzu: der Glaube, die Beziehung zu Gott. Bei Salomo ist es Gott, der dieses hörende Herz schenkt, das kluges und weises Regieren erst ermöglicht.
- Beim Propheten Ezechiel verspricht Gott: „Ich gebe euch ein neues Herz. Ich beseitige das Herz aus Stein und gebe euch ein Herz von Fleisch.“ (Ezechiel 36,26)
- Und auch den Emmaus-Jüngern „brannte das Herz“ (Lukas 24,32), als Jesus ihnen auf dem Weg den Sinn der Schrift erklärte; ihre Augen erkannten ihn noch nicht, im Herzen war er ihnen schon nah.
Wenn wir das Herz so verstehen, wie die Bibel es tut, dann ist es quasi ein dreifaches Organ: Wir fühlen mit ihm, wir denken mit ihm, wir glauben mit ihm. Und genau deshalb ist es so lebensnotwendig – weit über die Biologie hinaus.
Was uns das heute lehrt? Vielleicht, mehr auf unser Herz zu hören.
Denn es verhindert keine klugen Entscheidungen, sondern ermöglicht sie erst. Die Begründung: „Mein Herz sagt mir, dies zu tun oder jenes zu lassen“, ist nicht unvernünftig, sondern ziemlich schlau.
Vielleicht lehrt es uns auch, zu widersprechen, wenn jemand, zum Beispiel Politikerinnen und Politiker, sagen: Mein Glaube hat nichts mit meinen beruflichen oder meinen sachlichen Entscheidungen zu tun, das sind verschiedene Sphären. Nein, sind es nicht.
Auch berufliche oder sachliche Entscheidungen sind getragen von einem Wertekonzept und einer Weltsicht, an der der Glaube großen Anteil hat.
Denken, Fühlen und Glauben – alles drei steckt in unseren Herzen.
Nur wenn wir alles drei hineinlassen, ist sind unsere Herzen erfüllt. Und wir können wahre Herzensmenschen sein.



