Wenn die KI die Predigt schreibt
Papst Franziskus äußerte 2013 seine Vorstellungen von einer guten Predigt. Damals gab es noch nicht die Technologie der generativen künstlichen Intelligenz, von der sich heute viele Menschen beim Verfassen von Texten helfen lassen – auch manche Priester beim Vorbereiten ihrer Predigten. Pater Batlogg ist selbst Priester und bezieht Stellung dazu.
Wenn Pater Roberto Pasolini OFMCap, Prediger des Päpstlichen Hauses, in der Fastenzeit predigt, hört auch Papst Leo zu. Die Vorstellung, hierbei würde ein KI-generierter Text abgelesen, wäre absurd. Foto: © imago/Catholicpressphoto
Manche Pfarrer reagierten allergisch auf Papst Franziskus, als er 2013 in seinem ersten Schreiben „Evangelii gaudium“ (EG) zwei Abschnitte dem Predigen widmete: „Die Homilie“ (EG 135–144) und „Die Vorbereitung auf die Predigt“ (EG 145–159). Sie empfanden seine Beobachtungen und Empfehlungen als anmaßend. Franziskus wählte oft markige Worte, starke Vergleiche und Metaphern. Manchmal gingen sie krachend daneben. Was in Lateinamerika unbedenklich ist, kann hierzulande auf andere kulturelle Empfindlichkeiten treffen.
Die Predigt darf laut Franziskus „keine Unterhaltungs-Show“ sein, der Prediger muss „mit Herz sprechen“,„ein Ohr beim Volk haben“ und „ein Kontemplativer“ sein. Außerdem sei eine „positive Sprache“ wichtig. Hand aufs Herz: Wer kann dem nicht zustimmen?
Nicht mehr als acht Minuten
Heißt es in diesem Schreiben noch, die Predigt müsse „kurz sein und vermeiden, wie ein Vortrag oder eine Vorlesung zu erscheinen“ (EG 138), gab er bei einer Generalaudienz im Juni 2024 sogar ein Zeitmaß an: „Die Predigt darf acht Minuten nicht überschreiten, denn danach verliert man mit der Zeit an Aufmerksamkeit, und die Menschen schlafen ein, und sie haben recht. So muss eine Predigt sein. Und das will ich den Priestern sagen, die oftmals viel reden, und man versteht nicht, wovon sie reden. Kurze Predigt: ein Gedanke, eine Empfindung und eine Anregung für das Handeln, was man tun soll. Nicht mehr als acht Minuten.“ Vatican News vermerkte dazu süffisant, die Ansprache des Papstes habe gut elf Minuten gedauert ...
Nun hat sich auch Papst Leo XIV. gemeldet und warnte Priester seines eigenen Bistums Rom davor, sich Predigten von künstlicher Intelligenz (KI) schreiben zu lassen. KI sei nicht in der Lage, den Glauben weiterzugeben. Das aber müsse in der Predigt geschehen. Kirchliches Engagement gerate dort zur Selbstdarstellung, wo die innere Verwurzelung im Gebet fehle.
Predigen heißt: den Glauben teilen
Leo skizzierte negative Folgen von KI: „Alle Muskeln sterben ab, wenn wir sie nicht mehr nutzen, und deshalb muss auch das Gehirn benutzt werden, damit wir unsere Intelligenz nicht verlieren.“ Und weiter: „Eine echte Predigt zu schreiben bedeutet, den Glauben mit anderen zu teilen. Und das ist der wichtigste Teil. Die Leute wollen deinen Glauben wahrnehmen, deine Erfahrung, Christus und seine Botschaft erlebt und geliebt zu haben. Das ist etwas, was wir jeden Tag pflegen müssen.“
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Viele Seelsorger sind arbeitsmäßig derart ausgelastet, dass sie wenig
Zeit finden für die Predigtvorbereitung. Deswegen greifen sie gern auf
Vorlagen zurück oder verwenden KI. Anders als sie werde ich vom
Alltagsgeschäft nicht total absorbiert. Ich schaue mir am Beginn der
Woche das Sonntagsevangelium an und lasse den Text über die Woche auf
mich wirken. Predigen heißt verkündigen.
Bei Bauern auf dem Land habe
ich gelernt: Sie hören ganz genau hin und nehmen eine Predigt mit wie
einen Bissen Brot, von dem sie längere Zeit zehren. Das verpflichtet!
Ich bezweifle, dass KI einen persönlichen Zugang schaffen und „meine“
Note kreieren kann. Da gebe ich Leo recht! KI ist schneller. Aber
echter? Authentischer? Ich möchte kein KI-Klon und dessen Sprachrohr
sein.
Andreas R. Batlogg SJ, Publizist und Seelsorger in Wien



