Zukunft
12.08.2026

Lesen Kinder keine Bücher mehr?

Unter den aktuellen Zahlen vom Buchmarkt findet sich auch eine, die dramatischer kaum sein könnte. Was nun? 

Ob auf der Couch, im Garten oder wie hier unter einer Palme auf Teneriffa: Lesen lohnt sich. Ob auf der Couch, im Garten oder wie hier unter einer Palme auf Teneriffa: Lesen lohnt sich. Foto: © imago/MiS

Diese Meldung hatte so richtig Zündstoff: Laut einem Bericht des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ist im Jahr 2025 die Zahl der Buchkäufer zwischen 10 und 15 Jahren gegenüber dem Vorjahr um 30,6 Prozent zurückgegangen. Ja, Sie haben leider richtig gelesen. 

Man ist versucht, angesichts dieser dramatischen Zahl die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, gar über eine „verlorene Generation“ zu trauern. Was ist dran an der Sache? Fakt ist, dass junge Leute immer länger auf Bildschirme schauen. Da ist es nur logisch, wenn zum Bücherlesen weniger Zeit bleibt. Unstrittig ist auch, dass weniger Lesen zu schlechterer Lesekompetenz führt, zu geringerem Textverständnis, zu schlechterer Konzentrationsfähigkeit, zu weniger Verständnis von komplexen Zusammenhängen.

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Mehr Kinderbücher ausgeliehen

Dennoch darf man die exorbitante Zahl „minus 30,6 Prozent“ kritisch hinterfragen. Denn sie gibt nur das Kaufverhalten der 10- bis 15-Jährigen selbst an und verrät weder, wie viele Bücher diese Altersgruppe geschenkt bekommt oder ausleiht, noch, wie viel sie tatsächlich auch liest. Aus den über tausend Büchereien, die der Sankt Michaelsbund betreut, wissen wir, dass 2025 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt mehr ausgeliehen wurde – auch mehr Kinder- und Jugendbücher. Und die JIM-Studie, die die Mediennutzung von 12- bis 19-Jährigen untersucht, weist von 2015 bis 2025 – also ausgerechnet in dem Jahrzehnt, in dem Social Media und KI die Welt eroberten – nur ein minimales Minus bei der regelmäßigen Buchlektüre aus. 

Wir dürfen also feststellen: Der Untergang des Abendlandes ist noch nicht beschlossene Sache. Geben wir daher unsere Kinder und Jugendlichen nicht vorschnell an die digitale Welt verloren, sondern begeistern wir sie weiterhin oder wieder für Bücher! Seien wir selbst Vor-bilder: indem wir lesen und vorlesen; indem wir über unsere Leseerlebnisse sprechen; indem wir die jungen Leute auch mal in Buchhandlungen und Büchereien mitnehmen. Denn eines ist sicher: Lesen bildet. Es erweitert den Horizont, beflügelt die Fantasie, macht glücklich und trägt zu einem gelingenden Leben bei. 

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Joachim Burghardt
Artikel von Joachim Burghardt
Redakteur
Immer auf der Suche nach spannenden, kontroversen und kuriosen Themen rund um Glauben und Wissen.