Die KI lernt jetzt auch Bairisch
Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege entwickelt gemeinsam mit Münchner Sprachwissenschaftlern KI-Sprachmodelle für den Mittenwalder und den Mühldorfer Dialekt.
Schön bald könnten nicht mehr nur eingefleischte Bayern, sondern auch KI-Sprachmodelle in der Lage sein, regionale Dialekte zu verstehen. Foto: © KI-generiertes Bild
Die künstliche Intelligenz (KI) kann schon vieles: Texte schreiben, Lieder komponieren, Computer programmieren. Was sie bisher nicht gut kann: Boarisch vasteh. Genau: Bairisch verstehen. Das soll sich ändern, findet der Bayerische Landesverein für Heimatpflege. Er hat ein Projekt gestartet, das der KI den Dialekt beibringen soll. „Wenn die KI Bairisch lernt, soll sie es gescheit können, und dann soll sie auch differenzieren können“, fordert der Geschäftsführer des Landesvereins, Rudolf Neumaier. Dazu müssen KI-Sprachmodelle professionell mit Beispielen gesprochener Mundart trainiert werden.
Dass es in den Regionen Altbayerns zahlreiche Sprachvarianten gibt, die sich in Wortschatz, Aussprache oder Satzbau unterscheiden, macht die Sache nicht einfacher. Die gesamte Komplexität der bairischen Dialektwelt abzubilden, wäre zu viel verlangt, daher haben die Projektpartner erst einmal zwei Regionen festgelegt: den südbairischen Dialektraum um Mittenwald und das Mittelbairische rund um Mühldorf am Inn.
Professor Lars Bülow, Lehrstuhlinhaber für Germanistische Linguistik an der Ludwig-Maximilian-Universität München, erklärt, dass wegen der zwei Dialekträume nicht nur zwei verschiedene KI-Sprachmodelle entstehen werden, sondern dass die KI so „sensibilisiert“ werden müsse, dass sie auch mit Unterschieden innerhalb eines Dialektraums umgehen könne.
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Ein hartes Stück Arbeit, das in den nächsten drei Jahren geschafft werden soll. Eventuell kommen dann noch weitere Regionen dazu. Zunächst aber ist ein junger Sprachwissenschaftler mit dem KI-Rucksack in den ausgewählten Regionen unterwegs. Wie Professor Bülow erzählt, seien bereits vier Dialektsprecher in Mühldorf ausgewählt und für Sprachaufnahmen besucht worden.
Kompliziert macht das Projekt auch, dass Sprachen und Dialekte sich laufend verändern. Ein wissenschaftliches Ziel von Professor Bülow ist deshalb, zu erkennen, welche Faktoren für den Sprachwandel verantwortlich sind und wie sich der Dialekt weiterhin entwickelt. Forschungsinteresse richtet sich aber auch auf die Frage, wie eine Bairisch-KI überhaupt praktisch eingesetzt werden kann. Dafür hat Bülow bereits konkrete Beispiele vor Augen: etwa wenn eine ältere Frau, die ihr Leben lang nur Dialekt gesprochen hat, sich beim Arztbesuch gegenüber einem Mediziner nichtdeutscher Herkunft mitteilen müsse. Eine KI könne dann mit einer Übersetzung vom Bairischen in eine andere Sprache tatsächlich helfen. Weitere Anwendungsfälle könnten Navigationsgeräte und automatisch übersetzte Youtube-Videos sein.
Für den Landesverein für Heimatpflege hat das Projekt aber auch eine kulturpolitische Dimension: Rudolf Neumaier sieht die Technologie als „wunderbares Werkzeug“, um beim Erhalt der sprachlichen Vielfalt Bayerns zu helfen. Dass der Dialekt auch in der jüngeren Bevölkerung populär bleibt und selbst im KI-Zeitalter Zukunft hat, steht für ihn außer Frage.
Mit dem Erlernen regionaler Hauptdialekte hat die KI vorerst gut zu tun. Ob das Projekt so weit gehen wird, dass künftig auch Fachbegriffe der Jagd, Schmankerl aus Omas Küche und Kraftausdrücke der Kartler am Stammtisch erfasst werden, bleibt abzuwarten.
Co-Autor: Willi Witte



