Er schuf die „Wundervolle Welt“
Jazz ohne Louis Armstrong? Heute unvorstellbar. Der einzigartige Musiker veränderte den Musikstil mit seiner Stimme und seiner Trompete nachhaltig. Was von ihm bleibt, ist mehr als seine berühmten Lieder. Eine Hommage zum 125. Geburtstag.
Jazzmusiker Louis Armstrong auf einer undatierten Aufnahme. Foto: © KNA-Archiv/KNA
Grüne Bäume, rote Rosen, blauer Himmel mit weißen Wolken – was für eine wundervolle Welt. „What a Wonderful World“ – das Lied war als Gegengewicht zur schlechter werdenden politischen Stimmung in den USA gedacht. Es ist das wohl berühmteste Lied des Jazzmusikers Louis Armstrong. Vor 125 Jahren, am 4. August 1901, wurde er in New Orleans geboren.
Es war die Zeit des Vietnamkriegs und der Bürgerrechtsbewegung. Armstrongs Karriere – er selbst war in seinen 60ern – war schon fortgeschritten. Zu der Zeit plagten den unermüdlichen Musiker bereits gesundheitliche Probleme. Ärzte rieten ihm sogar davon ab, Trompete zu spielen. Die rund 300 Konzerte jedes Jahr forderten ihren Tribut.
„Das Leben war für mich wunderschön“
„Mein ganzes Leben war voller Glück. Trotz aller Widrigkeiten“, hat Armstrong mal gesagt. „Das Leben war einfach da für mich, und ich habe es angenommen. Und das Leben – wie auch immer es sich entwickelt hat – war für mich wunderschön, und ich liebe alle Menschen.“ Das sagt ein Mann, der als Zwölfjähriger in einem Erziehungsheim für Schwarze landete, nachdem er in der Silvesternacht mit einer Pistole herumschoss.
Doch diese Strafe brachte den Umstand mit sich, dass Armstrong Kornett spielen lernte. Eine gute Entscheidung, wie sich schon bald herausstellte. Schon wenig später übernahm er die Leitung der hausinternen Band. Seine Karriere nahm dann zu Beginn der 1920er Jahre richtig Fahrt auf.
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Jazzplatte des Jahrhunderts
1922 folgte er seinem früheren Lehrer Joe „King“ Oliver nach Chicago, dem neuen Epizentrum des Jazz, und wurde Teil dessen Band. Armstrong gründete hier zusammen mit der Pianistin Lil Hardin, der ersten von vier Ehefrauen, die „Hot Five“, später erweitert zur „Hot Seven“. Die 65 Aufnahmen, die er mit diesen Bands zwischen 1925 und 1928 auf Schellack verewigte, gehören zum Besten, was der klassische Jazz zu bieten hat.
Armstrong-Biograf Gary Giddins nannte die Sessions „das einflussreichste Aufnahme-Projekt des Jazz, vielleicht der ganzen amerikanischen Musik“. Den „West End Blues“ von 1928 wählten die Experten später zur Jazzplatte des Jahrhunderts. Die Aufnahmen veränderten den Jazz nachhaltig; Armstrong schaffte es, das Solo zu etablieren, in einer Musik, die bis dahin von Ensembles geprägt war.
Armstrong bei zwei Päpsten
Bereits in den 1930er Jahren trat Armstrong in Europa auf, ab den 1940er Jahren war er dann regelmäßig auf Tour in den USA und er ganzen Welt. Immer dabei seine „All Stars“, seine neue Band, die ihn in wechselnder Besetzung bis ans Lebensende begleitete.
Seine regelmäßigen Auslandstourneen brachten ihm bald den Spitznamen „Ambassador Satch“ („Botschafter Satch“) ein. Angelehnt ist der Name an einen weiteren Spitznamen Armstrongs: „Satchmo“, abgeleitet von „Satchelmouth“, was so viel wie „Schulranzen-Mund“ bedeutet und auf seine breite Mundpartie anspielt.
Zwei Päpste traf Armstrong während seiner Europatourneen: 1949 empfängt ihn Papst Pius XII. zu einer Privataudienz, 1968 ist es Paul VI., der Armstrong und den Jazzmusiker Lionel Hampton zu sich einlud. Über die Treffen ist außer Anekdotisches nichts bekannt.
Comeback trotz Gesundheitsproblemen
Für Armstrong gab es nichts Schöneres, als für seine Fans auf der Bühne zu stehen. Tausende Konzerte waren es über seine Jahrzehnte dauernde Karriere. Seinem Körper aber machte das zu schaffen: 1959 ein erster Herzinfarkt, 1968 Herz- und Nierenprobleme. 1970 trotz der gesundheitlichen Probleme das Comeback. Doch das währte nur kurz: Am 6. Juli 1971 starb Armstrong, knapp 70-jährig, im Schlaf an einem Herzinfarkt.
Was Armstrong zurückließ, war nicht nur die positive Sicht auf eine Welt, die für ihn einfach wundervoll war. Dank Louis Armstrong gesellt sich zu der bunten Welt der passende Soundtrack – mit unverwechselbarer Stimme und einzigartigem Talent an der Trompete.
Niklas Hesselmann und Christoph Schmidt



