Religiöse Bergnamen
Teufelshorn, Bischof, Himmelreich
In den Bayerischen Alpen finden sich nicht wenige Bergnamen mit religiösen Bezügen: Sonntagshorn, Bischof und Predigtstuhl – warum heißen diese Gipfel so? Wir haben uns auf dem Gebiet des Erzbistums München und Freising auf eine alpine Spurensuche gemacht …
Die Teufelshörner in den Berchtesgadener Alpen tragen ihren Namen wegen ihrer Form. Zwei so spitze Hörner direkt nebeneinander – das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen! Foto: © imago/imagebroker
Die Teufelshörner in den Berchtesgadener Alpen sind, wie unschwer zu erkennen ist, nach ihrer Form benannt. Im hintersten, unbewohnten Winkel des Berchtesgadener Landes und zugleich des deutschen Staatsgebiets gelegen, haben diese schwer erreichbaren Grenzgipfel Jäger und Almbauern immer wieder mit ihrem wilden Aussehen beeindruckt. Der Teufel taucht noch in weiteren Berg- und Flurnamen wie Teufelstein, Teufelsgemäuer, Teufelsmühle auf, doch nicht immer stand dafür die sichtbare Wildheit des Geländes Pate. Auch eine lokale Sage, in der der Teufel vorkommt, kann für einen solchen Namen ausschlaggebend sein.
Das Sonntagshorn in den Chiemgauer Alpen erhielt seinen Namen von den lieblichen Almweiden auf seiner Südseite. Das Vieh wurde dort am Sonntag ohne Absturzgefahr sich selbst überlassen, sodass die Hirten ihrer Sonntagspflicht im Tal nachgehen konnten.
Almen und Besitzverhältnisse
Der Berg namens Bischof im Estergebirge ist wohl nach einem Besitzer dortiger Almen benannt, der mit Familiennamen Bischof hieß. Dieser Familienname wiederum könnte dadurch zustande gekommen sein, dass sein erster Träger in bischöflichem Dienst stand und beispielsweise Verwalter eines bischöflichen Guts war.
Für die zahlreichen Bergnamen mit dem Bestandteil „Pfaff“ gibt es unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten: Sie könnten nach einem der Kirche gehörenden Almgebiet benannt sein oder – wie der Pfaffenkogel oberhalb des Pfaffenlehens im Berchtesgadener Land – einen Hofnamen übernommen haben, welcher wiederum vom Familiennamen „Pfaff“ stammt. Ähnlich wie bei „Bischof“ könnte auch der Familienname „Pfaff“ auf ein kirchliches Dienstverhältnis zurückgehen; möglich ist aber auch, dass ein unehelicher Priestersohn oder ein Mann, der im Theaterspiel immer die Rolle des Pfarrers einnahm, so genannt wurde. In letzterem Fall wäre der Name „Pfaff“ also von einer Theaterrolle über deren Schauspieler auf dessen Hof und von diesem wiederum auf den benachbarten Berg übergegangen!
Der Predigtstuhl bei Bad Reichenhall hat seinen Namen wie weitere gleichnamige Berge von der Kanzel in der Kirche, von der aus gepredigt wurde – vermutlich hat er aufgrund seines kanzelartigen Felsgebildes diese Assoziation geweckt.
Kirchenförmige Berge
Auch die Kirchelwand – eine am Walchensee, eine am Wendelstein –, die Kirchsteine am Brauneck, die Kirche im Wimbachtal am Watzmann und viele andere Gipfel und Felsformationen mit dem Bestandteil „Kirche“ sind nach ihrer Form benannt. Die Menschen haben sich bei ihrem Anblick, meist mit großer Fantasie, an ein Kirchenschiff erinnert gefühlt. Namen wie Engelstein und Tempelberg (beide in den Chiemgauer Alpen) könnten ebenfalls durch das Aussehen zustandegekommen sein.
Der Leonhardstein in den Tegernseer Bergen geht auf den heiligen Leonhard zurück, den Patron der Pfarrkirche im Dorf Kreuth am Fuß des Bergs. Ähnliches gilt für die Benediktenwand, die – knapp auf dem Gebiet des Bistums Augsburg gelegen – nach dem Kloster Benediktbeuern mit seinem Kirchenpatrozinium St. Benedikt benannt ist.
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Ein Idyll inmitten der Ödnis
Im Steinernen Meer in den Berchtesgadener Alpen verzeichnet die Karte den Flurnamen Himmelreich, was angesichts der eher kargen, felsigen und sehr abgelegenen Hochfläche in diesem Gebiet seltsam anmutet. Denkbar ist, dass die Volksfantasie diesen Namen aufgrund der freien, hohen Lage des Geländes prägte, oder dass ein kleines, idyllisches Wiesenstück oder eine Quelle inmitten der umgebenden felsigen Ödnis als besonders „himmlisch“ empfunden wurde. Möglich ist aber auch, dass genau das Gegenteil der Fall ist und der Name Himmelreich ironisch gemeint ist.
Der Kreuzberg in den Schlierseer Bergen, das Feldernkreuz, das Gerberkreuz und die Kreuzwand im Karwendelgebirge sowie zahlreiche weitere Bergnamen mit dem Bestandteil „Kreuz“ sind nach Alm-, Weg- oder Gipfelkreuzen benannt, die Menschen aufgestellt haben. Oftmals wurden Kreuze übrigens nicht am höchsten Punkt eines Berges errichtet, sondern an einer anderen, niedrigeren Stelle, an der sie vom Tal aus gut sichtbar waren.
Verborgen und abgelegen
Das Höllental im Wettersteingebirge wurde wohl nicht nach der Hölle im religiösen Sinn benannt. Vielmehr drückt dieser Name, der auf das mittelhochdeutsche Wort „hella“ zurückgeht und mit „hehlen“ verwandt ist, die Verborgenheit und Abgelegenheit des betreffenden Tales aus. Auch im häufig vergebenen Flurnamen In der Höll(e) ist diese alte Bedeutung erhalten.



