Gerechtigkeit
02.04.2026

Hausfrauenehe und Tradwives 

Den Ehemann fragen, wenn sie berufstätig sein will: Das mussten Frauen in der alten Bundesrepublik bis 1976. Mit den sogenannten „Tradwives“ sind die reinen Hausfrauen heute wieder ein neuer Trend.
    

Deutsche Hausfrau Mitte der 90er Jahre. Deutsche Hausfrau Mitte der 90er Jahre. Foto: © imago/Klaus Rose

„Dieses Gesetz ist frauenfeindlich. Dieses Gesetz ist männerfeindlich. Dieses Gesetz ist familienfeindlich.“ So wetterte der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Carl Otto Lenz. Und weiter: „Dieses Gesetz ist volksfeindlich. Deshalb darf es nicht in Kraft treten.“ Die Rede ist von einer grundlegenden Reform des Ehe- und Familienrechts, die dann am 8. April 1976 – trotz vieler Bedenken – doch vom Bundestag verabschiedet wurde. Und die in der alten Bundesrepublik das Leitbild der sogenannten Hausfrauenehe beendete. 

Für westdeutsche Frauen änderte sich damit einiges: Das Prinzip der Partnerschaft ersetzte das Modell der Hausfrauenehe. Haushalt und Erwerbstätigkeit wurden beiden Eheleuten gleichermaßen zugewiesen. Und Ehefrauen konnten einem Beruf nachgehen, ohne ihren Mann um Erlaubnis bitten und nachweisen zu müssen, dass sie dadurch Haushalt und Familie nicht vernachlässigen. Im Falle einer Scheidung, die mit dem Gesetz einfacher möglich wurde, waren die Voraussetzungen ungleich besser, finanziell auf eigenen Füßen zu stehen.

„Ehe wird unverbindlich“ 

Der Reform vorausgegangen war eine jahrelange politische, aber auch gesellschaftliche Debatte. Änderungen waren erst mit der sozialliberalen Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) ab 1969 realistisch geworden. Vor allem CDU und CSU hatten starke Vorbehalte.  

Auch gesellschaftlich war die Reform nicht unumstritten: Eine Umfrage hatte ergeben, dass vor allem Männer der Ansicht waren, dass Berufstätigkeit bei Frauen zu „Gefühlskälte“ führe und einem harmonischen Ehe- und Familienleben entgegenstehe. Kritik kam auch von katholischen Bischöfen: Die Ehe werde als lebenslanger Bund entwertet und Scheidungen erleichtert.
    

Anzeige

Zahl der Scheidungen steigt 

Tatsächlich stieg die Zahl der Scheidungen in den folgenden Jahren stark an. Allerdings kam das vor der Reform allein wegen der finanziellen Abhängigkeit vom Ehemann für viele Frauen gar nicht in Frage. Lieber blieben sie unglücklich verheiratet als wirtschaftlich ruiniert, so war die gängige Auffassung. 

Ganz anders sah es in der DDR aus: Dort war die Hausfrauenehe politisch nicht gewollt. Bereits Mitte der 1950er Jahre wurde die Unterhaltspflicht des Mannes abgeschafft. Die Berufstätigkeit von Frauen wurde zur Normalität; blieben sie zu Hause, wurde ihnen vielfach vorgeworfen, das Leben „rückständiger bourgeoiser Dämchen“ zu führen. In der Regel hatten sie aber parallel zur Berufstätigkeit auch den Haushalt zu stemmen. Viele Wissenschaftler sprechen deshalb von „verordneter Emanzipation“, da häufig die traditionellen Rollenbilder blieben.

„Rabenmütter“

Seit der Wiedervereinigung in den 90er Jahren haben sich die Rollenbilder in West und Ost wieder angenähert: Auch in Westdeutschland gelten berufstätige Frauen eher nicht mehr als „Rabenmütter“. Voraussetzung dafür war unter anderem die Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz, der es Frauen ermöglichte, Job und Familie zu vereinbaren. Derzeit sind rund 77 Prozent aller Frauen in Deutschland zwischen 20 und 64 Jahren erwerbstätig. 

Seit einigen Jahren gibt es mit den sogenannten „Tradwives“, den „traditionellen Ehefrauen“, einen Gegentrend: Damit beschreiben sich Frauen selbst, die sich ausdrücklich für ein Leben zwischen Haushalt und Kindern entscheiden und eine Berufstätigkeit ablehnen. Eine zentrale Rolle spielt für sie auch, ihrem Ehemann gefallen zu wollen – was unwillkürlich an Werbeclips aus den frühen 70er Jahren der alten Bundesrepublik erinnert. 

[inne]halten - das Magazin 08/2026

Mein Draht zum Himmel

Wie kann ich den Kontakt zu Gott finden und stärken? Unsere neue Serie gibt Antworten

Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.

Trend Tradwives 

Das Phänomen stammt ursprünglich aus den USA, „Tradwives“ gibt es inzwischen auch in größerer Zahl in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Australien. Viele von ihnen vermarkten ihr Leben als Hausfrauen und Mütter auf Social Media. Und müssen mit dem Vorwurf leben, dass sie damit Geld verdienen und Unternehmerinnen sind. Problematisch wird es dann, wenn die TikTok-Videos auch rechtspopulistische Inhalte umfassen. 

Kulturwissenschaftlerin Heike Paul meint etwa, es gehe bei diesem Phänomen um mehr als das „Abfeiern eines Hausfrauenideals“. Häufig leisteten sie durchaus kulturelle und politische Arbeit im rechten politischen Spektrum, sagte sie dem Deutschlandfunk. In den USA sind sie demnach oft lautstarke Unterstützerinnen von Präsident Donald Trump. So ist bei allen rechtlichen Änderungen die Hausfrauenehe – bei einigen Frauen – wieder en vogue. Laut Paul ein „Zurückbeamen in die 50er-Jahre als eine weiße, idyllische Vorstellungswelt“. 

Von Birgit Wilke

Innehalten-Leseempfehlung
KNA
Artikel von KNA
Katholische Nachrichten-Agentur
Die Katholische Nachrichten-Agentur wird von der kath. Kirche getragen mit Sitz in Bonn.