
Artikelbeschreibung
Die chaldäische Erzählung der Genesis erschließt die altorientalischen Überlieferungen, die hinter oder neben den biblischen Urgeschichten stehen: Schöpfung, Flut, göttliche Ordnung und menschlicher Anfang. Schmidt verbindet philologische Genauigkeit mit religionsgeschichtlicher Vergleichung und stellt die Genesis nicht isoliert, sondern im Horizont babylonisch-chaldäischer Mythenbildung dar. Der Stil ist nüchtern, argumentierend und quellenbewusst; sein literarischer Kontext ist die gelehrte Entdeckung Mesopotamiens, in der Keilschrifttexte das Verständnis des Alten Testaments grundlegend erweiterten. Georg Schmidt erscheint hier als Autor, der von den großen Fragen der semitischen Altertumskunde und der vergleichenden Bibelwissenschaft bewegt ist. Die Faszination seiner Epoche für Assyriologie, Textfunde und Sprachvergleich prägt seine Fragestellung: Nicht die Entwertung der biblischen Tradition, sondern ihre historische Verortung steht im Mittelpunkt. Gerade die Spannung zwischen religiöser Überlieferung und archäologisch-philologischer Evidenz dürfte ihn zu dieser Untersuchung geführt haben. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Genesis, Mythos und altorientalische Kultur nicht getrennt, sondern in ihrem wechselseitigen Licht verstehen möchten. Es bietet keine populäre Nacherzählung, sondern eine konzentrierte, gelehrte Einführung in die Ursprungsfragen der Bibelwissenschaft. Wer den historischen Tiefenraum biblischer Texte erkunden will, findet hier eine anregende und weiterhin bemerkenswerte Studie.
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