Gesammelte Theaterstücke

Recht, Gewalt und Begehren zwischen Gerichtsposse, antiker Tragödie und preußischer Geschichte
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Artikelbeschreibung

Die Gesammelten Theaterstücke Heinrichs von Kleist entfalten ein dramatisches Universum, in dem Recht, Gewalt, Begehren und Erkenntnis unablässig gegeneinander arbeiten. Von der komischen Gerichtsparadoxie des Zerbrochnen Krugs über die mythisch übersteigerte Penthesilea bis zum psychologisch und politisch subtilen Prinz Friedrich von Homburg zeigt sich Kleists Kunst als Experimentierfeld zwischen Weimarer Klassik, Romantik und moderner Krisendramatik. Seine Sprache ist zugleich präzis, eruptiv und abgründig; sie macht Missverständnisse, Affekte und gesellschaftliche Ordnungen selbst zu tragenden Kräften der Handlung. Kleist, 1777 geboren und 1811 gestorben, schrieb aus einer existenziellen Spannung heraus, die seine Biographie nachhaltig prägte: militärische Ausbildung, philosophische Erschütterung durch Kant, politische Unsicherheit in der napoleonischen Epoche und wiederholte Erfahrungen des Scheiterns. Diese Umstände erklären nicht einfach seine Dramen, doch sie schärfen den Blick für ihre radikale Fragestellung: Wie kann der Mensch handeln, wenn Wahrheit, Gesetz und Selbstgewissheit brüchig geworden sind? Diese Sammlung empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die Theater nicht bloß als Handlung, sondern als Denkform begreifen. Kleists Stücke verlangen Aufmerksamkeit, belohnen sie jedoch mit außergewöhnlicher intellektueller und sprachlicher Intensität. Wer die Ursprünge des modernen deutschsprachigen Dramas verstehen will, kommt an diesem Band nicht vorbei.

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