Alleinruhelage

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein Haus an einem See im Osten Deutschlands, eine Idylle mit Fehlern und das Zerbrechen einer Beziehung.
Eine Ich-Erzählerin und ein Haus. Das Haus war als Rückzugsort für die Familie gedacht, als Ort für schöne Stunden. Ein See, in dem die Kinder schwimmen lernen konnten und all das in Waldnähe. Idylle? Das Haus ist eine alte Kneipe, lange ist nicht klar, ob es als Familienhaus genutzt werden darf. Nicht weit entfernt eine Datschensiedlung. Deren Eigentümer lösen sich nur schwer von alten Gewohnheiten. Man wächst nur bedingt zusammen, arrangiert sich eben. Das Haus wird renoviert. Doch irgendwann bröckelt die Verbindung der Ich-Erzählerin zu ihrem Haus, ebenso wie die Beziehung, die sie führt. Die Zeichen dafür findet man im Haus selbst und der Umgebung. So ist die Sickergrube des Hauses zu klein für ihre Aufgabe, der See erholt sich kaum von einer Blaualgenschwemme, die Kiefern ums Haus fallen Borkenkäfern zum Opfer. Rückblenden lassen die Leser:innen am Familienleben teilhaben, schildern Kindheitserlebnisse der Ich-Erzählerin und lassen immer wieder den Schluss zu, dass vieles, was in der Vergangenheit als seltsam verstanden wurde, oder auch einfach so, wie es war, dazugehörte, später in einem anderen Licht gesehen werden musste, so wie die Italien-Urlaube mit Onkel Walter und Tante Hupfi. All das in einer wundervoll literarischen Sprache und mit vielen literarischen Einschüben.
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Artikelbeschreibung

Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.

Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus - und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer »stabilen Alleinruhelage«.

Eva Menasse hat einen vielschichtigen Roman über die Zwischenbilanz eines Lebens geschrieben, eine gewitzte Reflexion über Fremdheit und Heimat - und das Abschiednehmen.

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Personeninformation

Eva Menasse, geboren in Wien, lebt seit über 25 Jahren in Berlin. Ihrem Debüt »Vienna« (2005) folgten Romane und Erzählungen (»Lässliche Todsünden«, »Quasikristalle«, »Tiere für Fortgeschrittene«), die vielfach ausgezeichnet und übersetzt wurden. Preise (Auswahl): Heinrich-Böll-Preis, Friedrich-Hölderlin-Preis, Österreichischer Buchpreis, Bruno-Kreisky-Preis, Jakob-Wassermann-Preis, Ludwig-Börne-Preis und das Villa-Massimo-Stipendium in Rom. Ihr letzter Roman »Dunkelblum« war ein Bestseller und wurde in zehn Sprachen übersetzt. Zuletzt erschien der Essay »Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne« (2023). 2025 wurde sie mit dem Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Eva Menasses 'Alleinruhelage' ist ein Roman über die Lebensmitte, klar geschrieben und klug beobachtet.« Gala 20260820
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Bewertungen

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1 Bewertung
Bewertung vom
Eva Menasses neuen Roman habe ich mit Freude und auch mit ein bisschen Wehmut gelesen. Hier wird die Geschichte einer gebürtigen Österreicherin in ihrem Ferienhaus in den "Neuen Bundesländern" erzählt. Interessant dabei ist, dass alles ausgespart wird, was in ihrem eigentlichen Zuhause in Berlin passiert und dass auch Vieles nicht auserzählt wird, weil es - obwohl es mich als Leserin sehr interessiert hätte - einfach für das Leben der Protagonistin im Rückblick nicht mehr relevant ist. Das Buch ist sprachlich gelungen, sehr schön zu lesen und besonders die Rückblicke in die österreichische Kindheit haben es mir angetan. Auch die schonungslose Darstellung der kleinlichen Datschenbewohner und der Konflikte oder eben der vermiedenen Konflikte fand ich ausnehmend interessant. Ähnlich wie in Jenny Erpenbecks "Heimsuchung" nimmt hier das Haus eine zentrale Rolle ein und wird Zeuge von so manchem; anders als dort bleibt hier die Besitzerin aber immer dieselbe, bis sie sich schließlich freiwillig zum Verkauf entscheidet. Doch spielt die Frage nach Identität und Herkunft hier wie dort eine Rolle, wenn auch nicht in demselben Ausmaß.
Mein Fazit: Ein Buch, das ich gerne gelesen habe, das nachklingt und das ich weiterempfehlen möchte.