Das geplünderte Nest

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die Recherche eines Journalisten nach der Nazi-Vergangenheit des Großvaters in Tirol.
Der Ich-Erzähler ist in Beirut auf den Spuren der Graffiti-Szene, als er durch den libanesischen Sprayer Rami an eine Begegnung in seiner Kindheit mit dem Maler Lenz erinnert wird. In seinem Tiroler Heimatdorf wendet sich der Erinnerungsstrom vom einarmigen Maler Lenz, der 1944 ins Dorf kam, mehr und mehr der Aufklärung der Rolle des Großvaters zu, der Aufseher in einem Kriegsgefangenenlager war. Aus diesem Lager verschwand ein Ukrainer, der eine Liebesbeziehung im Dorf hatte. Aus den „Gespenstern der Gespenster“, so der Titel des ersten Teils dieses Romans, wird ein „Stillleben mit Hunger“, die unmittelbare, auktoriale Erzählung der letzten Kriegsmonaten in den Bergen. Während im ersten Teil, berichtet in der Vergangenheitsform, immer wieder der Schauplatz Beirut und die Lage im Nahen Osten auftauchen, wird der zweite Teil im Präsens erzählt als Geschichte aus dem Alpendorf, in dem der Künstler lebte und dabei in Verbindung mit dem Widerstand gegen das NS-Regime trat. Die Bindung des Libanon-Themas (etwa das Massaker in Schatila, die Explosion von 2020) mit der Familien- und Dorfgeschichte aus Tirol reizt zu sehr die Vorstellungskraft des Rezensenten, als dass sie eine überzeugende Romankonstruktion abgeben könnte. Ungewiss daher, ob ein Künstlerschicksal, eine Familiengeschichte, eine politische Spurensuche oder die Zerrissenheit des Ich-Erzählers zwischen Wien, Tiroler Dorf und Beirut, zwischen Graffiti und Kindheitserinnerung erzählt werden. An der Fülle der Beobachtungen und menschlicher Aspekte leidet auch ein wenig das Lesevergnügen bei diesem ansonsten durchaus ambitioniert und anschaulich erzählten Werk. Mit diesen Kritikpunkten empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Zwischen Libanon und Tirol: Aus einer Reportage über die Graffitiszene in Beirut wird eine Reise in die dunkle Vergangenheit der eigenen Familie. Ein Roman von stiller Wucht!
Größer könnte der Kontrast nicht sein: Gerade noch in Beirut, kehrt der Mann, der hier erzählt, in das Bergdorf in Tirol zurück, aus dem er stammt. Die Wintersaison ist vorbei, alles ist wie ausgestorben, in Ruhe will er an seiner Reportage über die Kunstszene im Libanon arbeiten. Doch Rami, ein Sprayer, den er auf seiner Reise getroffen hat, ruft in ihm Erinnerungen wach, die bis in seine Kindheit zurückreichen: an Lenz, einen einarmigen Maler aus Berlin, der 1944 in das Dorf kam, um zu bleiben. Damals stellte er keine Fragen, jetzt will er es genau- er wissen: Und er erfährt von einem Lager für Zwangsarbeiter im Dorf, einem Versteck von Deserteuren in den Bergen und den Verstrickungen seines Großvaters Ludwig, einem der Lagerwärter. Hat Ludwig etwas mit dem Verschwinden eines ukrainischen Gefangenen zu tun, der mit der Schwester seines besten Freundes ein Verhältnis hatte?

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Personeninformation

geboren 1983 in Alpbach in Tirol, Studium der Komparatistik und Kultur- und Sozialanthropologie, Autor und Performancekünstler. Für seine Romane hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. Reinhard-Priessnitz-Preis 2014. Mit Phantome (2017) stand er auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Sein erster Roman bei Jung und Jung, Verschwinden in Lawinen (2023), wurde für den Internationalen Literaturpreis Merano-Europa nominiert. Robert Prosser lebt in Alpbach und in Wien. (www.robertprosser.at)
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