Letzte Hilfe Kurs

Gedichte
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Buchprofile - Rezension
Sterbesakrament für die Lyrik: Ulrich Kochs Gedichte folgen dem Tod auf behenden und leisen Versesfüßen.
Hans Magnus Enzensberger warb einst für Gedichte mit dem Band „Lyrik nervt“, im Cover ein Erste-Hilfe-Kreuz. Der Hamburger Lyriker Ulrich Koch ist vergleichsweise ein Zwerg auf den Schultern dieses Riesen. Doch sieht er weiter? Sein Lyrikband lädt zu einem „Letzte Hilfe Kurs“. Das klingt nach Abschied. Ein letztes Mal Lyrik? Unübersehbar ist der letzte Gast geladen: der Tod, der allgegenwärtig ist, mitten im Leben, auf Geburtsstationen wie auf Friedhöfen, bei Witwen und Anthropophagen, bei Schnittblumen und Larven, in See- und Erdbestattungen. Thematisch geht es um Vergänglichkeit, Unsterblichkeit, Wiedergeburt, immer wieder auch um Engel. Das wird alles aber nicht im barocken Tonfall des verwehenden Lebens beschrieben, sondern mit manchmal stoischer, manchmal epikureischer Gelassenheit gegenüber der Tatsache, dass jedes Leben endlich ist. Seine Anmut kann der Mensch dagegensetzen, er kann sich einen Reim darauf machen, sich mit dem Schönen zu versöhnen und das Hässliche stöhnen lassen, und er kann daran glauben, das letzte Hemd zu wechseln. Gelegentlich streift ein Gedicht den Kalauer: „Gott ist tot. / Gott hab ihn selig.“ Doch insgesamt ist der Band eine bereichernde Lektüre: er räumt mit der Selbstsicherheit des poetischen Worts auf und schafft Ordnung im Kosmos künstlerischen Schaffens: „In den Träumen / alter Dichter versteinern die Gedichte.“ Ulrich Kochs Gedichte schauen sich gewitzt und lehrreich den Umgang der Kunst mit Endlichkeit und Abschied an.
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Artikelbeschreibung

»Sag zum Abschied leise Versfuß, Tod!« Der einzige Tote in diesen Gedichten ist Gott, ansonsten ist hier so viel Leben wie auf Geburtenstationen, auf Friedhöfen und im Zoo. Es wimmelt von Engeln und Larven, von Witwen und Anthropophagen, von Schnittblumen und Eintagsfliegen, es ist ein Kommen und Gehen. Wenn einmal gestorben wird, dann lebend und mit einem Rollkoffer, den man hinter sich herzieht. Man will schließlich nicht mit leeren Händen dastehen, wenn man in einem anderen Gedicht erwacht, das Leben durch den Ausgang wieder betritt oder in einer Art wiedergeboren wird, die längst ausgestorben ist. Dass diese Gedichte trotzdem traurig machen, liegt daran, dass es eben Gedichte sind. Daran, wie formvollendet schön Ulrich Koch alle Enden verknüpft. So unwiderstehlich schön wie die Frau, die nicht zu lachen aufhören konnte, als sie mit letztem Atem den Zug erreichte. Lesen wir uns an diesen Gedichten satt, so lange wir die Augen noch nicht vor dem blendend Hellen verschließen und ins Dunkel zu blicken glauben! »Der Letzte löscht das Ich!«

Produktsicherheit

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Personeninformation

Lyriker, wurde 1966 in Winsen an der Luhe geboren und lebt heute in Hamburg. Seit 1995 veröffentlichte er zahlreiche Bände mit Gedichten, für die er u.a. mit dem Hugo-Ball-Förderpreis und dem Hölty-Preis für Lyrik ausgezeichnet wurde. 

Pressestimmen

»Das ist ein Blatt mit starkem Rückgrat, das schwebt.« Elke Erb
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