Verborgene Zeit

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Bayern im Buch-Rezension
Votivtafeln einer unscheinbaren oberbayerischen Gnadenstätte als Stationen einer Wanderung durch "verborgene", meist schlimme Zeiten.
Wohl dem Buchautor, der für seine Absicht, "an eine Lebensweise (zu) erinnern, die wir uns in heutiger Zeit nur noch vage vorstellen können", den adäquaten Verlag fand. Der die hier gereihten Photographien so perfekt wie sie eingefangen wiedergibt und zudem das ansehnlich große Querformat in weinrotes Ganzleinen - Zeichen für Traubensüße und Blut - hüllt. Im Zentrum des mit kurzen Texten verschiedener Verfasser - darunter Michael Köhlmeiers "Die Pest in Bichl" von 2019 - und einer feinfühligen Einstimmung von Gerd Holzheimer in das gewählte, leicht melancholisch gefärbte Voralpen-Panorama versehene Werk eines Filmemachers: die kleine Wallfahrt Maria Elend nahe Dietramszell mit ihren von persönlichem Unglück und Seuchen-Not sprechenden "Ex Voto"-Tafeln. Eine versunkene Welt, der Stegmüller zum Leben verhilft - für eine Zeit, die sich immer mehr von ihren Ursprüngen entfernt und das Eingeständnis der Ergebenheit in ein jedem Menschen aufgegebenes unausweichliches Schicksal nur noch in Resten bewahrt hat. Relikte werden hier ans Licht geholt, aus der Dunkelheit des auch religiös Unverbindlichen gelöst, die es gilt, sich ihrer ernsthaft zu vergewissern. Ein dankenswertes, künstlerisch hochwertiges Buch. Ein Schmuckstück gegen das Talmi einer durchwegs ins Profane abgleitenden "litera bavarica".
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Artikelbeschreibung

"Verborgene Zeit" handelt von Menschen, Landschaften - und Votivtafeln. Dieses Buch will an eine Lebensweise erinnern, die wir uns in heutiger Zeit nur noch vage vorstellen können. Henning Stegmüller hat in der kleinen Gnadenkapelle Maria Elend unweit von Dietramszell ein Motiv entdeckt, das befremdlich gegenwärtig erscheint: Votivtafeln, auf denen Menschen in höchster Not himmlischen Beistand erflehen - oder danken, weil sie am Leben geblieben sind. Es ist daraus eine Sammlung von Photographien der Votivtafeln und Landschaften im Umkreis der Kapelle entstanden, die Henning Stegmüller mit Texten zur Thematik konfrontiert. Die Votivtafeln sind seit dem späten 16. Jahrhundert, also auch zu Pest- und Cholerazeiten, entstanden. In vielen Bitten und Danksagungen drücken sich Sorgen und Nöte aus, die in unserer "besonderen Zeit", wie wir uns angewohnt haben, sie zu nennen, urplötzlich wieder eine spürbare Aktualität haben. Diese Bilder schauen in die Seele der Menschen: Es ist ein uralter, aber aus dieser Perspektive neuer, ein so noch nicht gesehener Blick! Mit dem Blick in die Seelen ergibt sich zugleich ein Stück tiefster Menschheitsgeschichte, die zu unserem großen Erstaunen auf einmal wieder sehr viel näher gerückt ist, gleichsam aus dem Geschichtsbuch ungefragt in unser alltägliches Leben eingewandert ist. In seinen Aufnahmen begegnet Henning Stegmüller den Menschen, Landschaften und Votivbildern voller Respekt. Mit Texten von Gerd Holzheimer, John Berger, Michael Kohlmeier, Ulrich Braker, Andreas Gryphius u.a.

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Kontakt: info@kunstverlag-fink.de

Personeninformation

Henning Stegmüller, geboren 1951 in München, absolvierte das Studium der Fotografie an der Staatlichen Fotoschule München sowie anschließend das Studium Film an der Hoch¬schule für Fernsehen und Film in München. Seit 1977 wirkte er als Kameramann, Regisseur, Cutter, Produzent bei mehr als 30 Dokumentarfilmen sowie Fernsehspielen und Spielfilmen mit. Weitere Informationen zu Henning Stegmüller. finden Sie unter: http://www.henning-stegmueller.de/

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