Die Sache mit Sorge

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Buchprofile - Rezension
Lebensbild zu den letzten Monaten des russischen Spions Richard Sorge (1895-1944) in der deutschen Botschaft in Tokio im Jahre 1941.
Das erstmals 2008 bei Carlsen erschienene Werk der bekannten deutschen Comickünstlerin Isabel Kreitz hat nun der Berliner Reprodukt-Verlag neu aufgelegt. Darin zeichnet Kreitz ein Lebensbild der letzten Monate der Tätigkeit des 1895 im russischen Baku geborenen und nach dem Ersten Weltkrieg zum Kommunismus gelangten Richard Sorge im Jahre 1941. Sorge war bereits etliche Jahre als Journalist für deutsche Zeitungen getarnt an der deutschen Botschaft in Tokio tätig, genoss das Vertrauen des Botschafters Eugen Ott und war Mittelpunkt eines bis in höchste Regierungskreise Japans reichenden kleinen Spionagerings. Kreitz lässt die Ereignisse dabei vor allem aus der Sicht mehrerer überlebender Zeitzeugen Revue passieren: Die Pianistin Eta Harich-Schneider, die sich im Frühjahr 1941 als Freundin der Frau des Botschafters aus Nazideutschland nach Japan abgesetzt hatte und eine Beziehung zu Sorge einging, sowie das Unternehmerehepaar Clausen, dessen Mann ebenfalls dem Spionagering angehörte und sich als Funker für Sorge betätigte. Sorges ohnehin labile Verfassung erhält einen schweren Schlag, als Stalin ihm seine Anfang Juni 1941 abgesetzte, wohl wichtigste Meldung, Nazideutschland werde in Kürze Russland angreifen, nicht glaubt. Daraufhin verfällt er noch mehr als zuvor dem Alkohol. Im Herbst 1941 wird der Spionagering von der japanischen Militärpolizei sukzessive ausgehoben und schließlich wird auch Sorge verhaftet. Die biografische, durch ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Zeichnungen illustrierte Bilderzählung wird durch einen vom Journalisten Frank Giese verfassten dokumentarischen Anhang ergänzt und hat auch 16 Jahre nach dem Ersterscheinen nichts an Spannung und Aktualität verloren. Um dem Geschehen eine große Authentizität zu verleihen, hat Kreitz kleinere Textpassagen unübersetzt in englischer oder in japanischer Sprache verfasst. Das kann einzelne Lesende stören, aber die Bildfolgen sprechen eigentlich für sich. Breit einsetzbar.
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Artikelbeschreibung

"Am 20. Juni wird Hitler die Sowjetunion überfallen... Ich werde ihn daran hindern! Heute mache ich Geschichte!" Kaum ein Spion des 20. Jahrhunderts ist ähnlich legendenumrankt wie der Journalist Richard Sorge, Stalins Agent an der deutschen Botschaft in Tokio. 1941 sagte er fast auf den Tag genau den Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion voraus - doch seine Warnungen wurden ignoriert. Exakt recherchiert, atmosphärisch dicht erzählt und fernab üblicher Agentenklischees zeichnet Isabel Kreitz in ihrem packenden Comic das Psychogramm eines kühlen Analytikers, charismatischen Draufgängers und unbeirrbaren Idealisten auf der einen, eines innerlich zerrissenen Menschen auf der anderen Seite, der sein tragisches Ende schließlich selbst vorantrieb. Zugleich gewährt DIE SACHE MIT SORGE einen beklemmenden Einblick in den Alltag und die Politik der deutschen Botschaft in Tokio im Zeichen von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg.

Produktsicherheit

Hersteller: Reprodukt GmbH
Anschrift: Gottschedstr. 4 A1
DE-13357 Berlin
Kontakt: info@reprodukt.com

Personeninformation

ISABEL KREITZ , geboren 1967, hat an der Fachhoch- schule für Gestaltung in Hamburg studiert und kam während eines Gastsemesters an der New Yorker Parsons School of Design auf den Gedanken, sich fortan hauptamtlich mit Comics und Cartoons zu beschäftigen. Bereits 1996 setzte sie Uwe Timms Roman DIE ENTDECKUNG DER CURRYWURST als Comic um. 2012 wurde Isabel Kreitz mit dem Max und Moritz-Preis als »Beste deutsche Zeichnerin« ausgezeichnet.
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