Der König von Lindewitz

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Buchprofile - Rezension
Zeitgenössisches Panorama einer kleinen Ortschaft im Osten der Republik.
Mit drei Generationen liefert die Erzählung um den Ort Lindewitz einen Einblick in die Vergangenheit des fiktiven ostdeutschen Städtchens, dem gegenwärtigen Umgang damit und einer wünschenswerten Zukunft. Keimzelle der Familie sind die drei betagten Schwestern Anne, Marie und Agnes, bei denen alle Fäden zusammenlaufen. Die Geschichte nimmt ihren Lauf mit der spektakulären Einweisung der kurz vor ihrem 100. Geburtstag stehenden Zwillingsschwestern Anne und Marie, die dort gemeinsam ihr Leben aushauchen. Agnes, rüstige 94, ist nun allein und hält die Geschichte und die damit verbundenen Erinnerungen zusammen, die mit ihrem Abschied verlorenzugehen drohen. Ihre Nichte Claudia hütet das Geheimnis um die Vaterschaft des Enkels Benedikt, der - anstatt mit abgeschlossenem Jurastudium nun Karriere zu machen - Tantes Krämerladen übernimmt. Auch die Umstände zu den sich häufenden rechten und rassistischen Randalen, Agnes große Liebe selbst, der plötzlich in der ehemaligen DDR eine vielversprechende Fußballkarriere aufgeben muss - all das schwelt unter einer Decke des Schweigens. Der titelgebende König von Lindewitz ist Bruno Henker, Totengräber der Stadt, der die Geschichten der Leute kennt und erzähltechnisch Brücken schlagen lässt. Am Ende gibt es eine Großkundgebung, die aus strategischen Gründen die betagte Agnes angemeldet hat und auf der letztlich Heimattümelei und warme Worte von sich gegeben werden, die man der alten Frau nachsieht. So wechseln sich Tiefgründiges hinter Alltäglichem und Oberflächliches hinter Sinnsprüchen ab. Ein locker zu lesender Roman, der wenig in Erinnerung bleibt.
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Artikelbeschreibung

Bruno Henker weiß mehr als andere. Er kennt die Lebensläufe und Familiengeschichten, auch die Geheimnisse der Lindewitzer. Er weiß, warum der eine trinkt, wer wen verraten hat, wer Zugang zu den begehrten Westwaren hatte, und warum, wenn alles verfügbar, auch alles egal ist. Warum Claudia, die sich nach der weiten Welt gesehnt hat, als Touristenführerin in Lindewitz hängen blieb. Warum sich im Leben der 1923 geborenen Zwillinge Anne und Marie die Geschichte des ganzen Jahrhunderts spiegelt. Warum Tante Mausi, die mit 93 Jahren in einem Pflegeheim lebt, sich von ihrem Großneffen täglich eine Flasche Rotwein bringen lässt. Warum Claudius immer noch mit seiner fast hundertjährigen Mutter zusammenwohnt. Warum Benedikt es zum Entsetzen der Familie vorzog, nach einem mit Bravour absolvierten Jurastudium einen Späti in Tante Huldas ehemaligem Gemischtwarenladen zu eröffnen. Bruno weiß auch, wie sich das Viertel durch die »Vorkommnisse« verändert hat. Diesen Überfall der Rechten auf das Viertel, die Nacht, in der sie die Scheiben eingeschmissen und brennende Fackeln auf die Dächer geworfen haben. Und warum darüber geschwiegen wird. Aber hat Schweigen je geholfen?

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Personeninformation

Kathrin Aehnlich wurde 1957 in Leipzig geboren. Nach dem Studium an der Ingenieurschule für Bauwesen studierte sie 1985-1988 am Literaturinstitut Leipzig. Sie schrieb Hörspiele, Erzählungen und ein Kinderbuch. Nach dem Fall der Mauer arbeitete sie als Journalistin, zunächst für die unabhängige Wochenzeitung Die andere Zeitung. Seit 1992 ist sie feste freie Mitarbeiterin in der Feature-Redaktion von mdr Figaro. Sie lebt in Markkleeberg und hat eine Tochter. Zuletzt erschien der Roman "Wie Frau Krause die DDR erfand" (2019).
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