Wie Frau Krause die DDR erfand

Roman
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Buchprofile - Rezension
Schauspielerin Isabella Krause sucht nach Menschen, die erzählen, wie es in der DDR wirklich war.
Schauspielerin Isabell Krause hält sich mit Werbefilmen über Wasser. Als sie für einen Dreh für Naturjoghurt nach Berlin kommt, setzt sie einer Eingebung folgend ihren Ost-Dialekt ein – und bekommt ein Angebot: Sie soll für die Serie "Wild-Ost" Protagonisten aus dem Osten finden, die das ganz normale Alltagsleben von damals schildern. Isabella fährt nach Minkewitz, wo ihre Großeltern gelebt hatten. Die Kreller Melitta von der Bahnhofskneipe ist sofort bereit mitzumachen und will auch noch ein paar Verwandte beisteuern. Doch für die Filmemacher repräsentieren sie nicht die DDR, die sie in ihrem Film abbilden wollen, sie brauchen Menschen mit Problemen. Isabella findet einen ehemaligen Häftling, der gefährliche Arbeit in einem Wälzlagerwerk leisten musste, und eine Frau, die als Traktoristin arbeitete. Doch die Protagonisten sind zu alt und nicht ansehnlich genug. Da beschließt Isabella, mit Statisten zu arbeiten. – Autorin Kathrin Aehnlich legt mit ihrem humorvollen Blick den Finger in die Wunde der noch immer bestehenden Missverständnisse zwischen Ost und West. Denn nicht nur "der Westen" will immer wieder sein verzerrtes Bild vom anderen Teil des Landes bestätigt sehen. – Auch und gerade heute ein heiterer und nützlicher Beitrag zur Verständigung.
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Artikelbeschreibung

Für eine Fernsehserie »Wild Ost« gibt es ein klares Konzept, die Inhalte stehen fest, man braucht nur noch die Menschen, die authentisch erzählen, »wie es wirklich war«. Sie zu finden ist Frau Krauses Auftrag. Was aber, wenn jene, die nicht dort gelebt haben, besser wissen, wie es »im Osten« war? Was wird dann erzählt? Zehn Ostdeutsche zu finden, die für eine Fernsehserie aus ihrem Leben erzählen, sollte für Isabella Krause einfach sein. Schließlich ist sie in der DDR aufgewachsen, auch wenn sie mehr Jahre im vereinten Deutschland verbracht hat als in der DDR. Sie kehrt also an die Orte ihrer Kindheit zurück und findet Menschen, die sie für DDR-repräsentativ hält: die Traktoristin, den Stahlwerker, die Köchin, den ehemaligen Staatsschauspieler. Doch der Filmautor kommt aus München und hat ein eigenes Bild von der DDR. Und das ist, dreißig Jahre nach dem Mauerfall, auf Diktatur, Mangelwirtschaft und Staatssicherheit geschrumpft. Doch was ist mit dem Leben der Anderen? Der ganz Anderen, die ihre Arbeit mochten, das Land tolerierten und am Wochenende »Ein Kessel Buntes« guckten? Und was unterschied das Familienleben Ost vom Familienleben West? Davon erzählt Kathrin Aehnlich, wie es nur wenige können, mit Witz und Empathie, und zeigt, wie wichtig es ist, einander zuzuhören.

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Personeninformation

Kathrin Aehnlich wurde 1957 in Leipzig geboren. Nach dem Studium an der Ingenieursschule für Bauwesen studierte sie 1985-1988 am Literaturinstitut Leipzig. Sie schrieb Hörspiele, Erzählungen und ein Kinderbuch. Nach dem Fall der Mauer arbeitete sie als Journalistin, zunächst für die unabhängige Wochenzeitung "Die andere Zeitung". Seit 1992 ist sie feste freie Mitarbeiterin in der Feature-Redaktion von mdr Figaro. Sie lebt in Markkleeberg und hat eine Tochter. Zuletzt erschienen der Roman "Alle sterben, auch die Löffelstöre" und "Rom - New York - Markkleeberg: Vom Unterwegssein".
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