Aminas Lächeln

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Buchprofile - Rezension
Zehn Geschichten von Menschen in besonderen Situationen.
Björn Bicker erzählt hier zehn kleine, aber feine Geschichten, die alle miteinander zusammenhängen. Ernste Geschichten mit einem ebenso ernsten, dennoch besonderen, leicht humorvollen Unterton. Da geht es etwa um die junge Frau, die ihre Beziehung mit einer Frau wegen eines einzigen fehlgedeuteten Satzes aufgibt und ihre Kinder verlässt, weil sie sich von einer Art Weltverschwörung verfolgt fühlt. Oder der junge Jugendbetreuer erleidet einen Schwächeanfall, als er bei einer Schlauchboottour aus Angst nicht mitmachen will. Oder die junge Lehrerin, die ihren Schülern Gutes tun will, das gemeinsame Frühstücksbuffet auf Forderung der Eltern aufgeben muss, und die die Tötung eines Schülers durch Igor mitansehen muss, der Schwierigkeiten hat, sich zu integrieren, was auf fehlende sprachliche Kenntnisse zurückgeführt wird. Dabei erinnert sie sich an den frühen Tod ihrer Schwester. Eine junge Türkin, die in der U-Bahn angespuckt wird und zuschlägt. Einzelne Personen, aus deren Blickwinkel Bicker erzählt, tauchen als Haupt- und Randfiguren in den Erzählungen auf und bilden eine Art roten Faden. Wichtig bei allen Geschichten ist die Rolle, die Sprache und Kommunikation, wenige Worte und Sätze - oft fehlgedeutet - spielen. - Für alle Leser etwas Besonderes, diese Texte lesen zu dürfen. Nachdrücklich empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Was bedeutet Herkunft, was Heimat, was Sprache? Björn Bickers Erzählungen treffen mitten ins Herz, sie sind schonungslos und von einer großen Wärme und zeigen uns, dass die Liebe vielleicht die einzig verlässliche Gewissheit ist. Und das Erzählen.Amina hält es nicht mehr aus und schlägt in der U-Bahn einen Mann nieder, der ihr ins Gesicht gespuckt hat. Aber hat er ihr ins Gesicht gespuckt? Warum greift Igor, der in Fatmas Theater AG so hilfsbereit und aufmerksam war, plötzlich einen Mitschüler mit dem Messer an? Was ist mit dem Mann, der als Kind in eine Pflegefamilie gekommen ist, warum schweigen die Stimmen in seinem Kopf nicht? Und warum hört ein vierjähriges Kind auf zu sprechen? Manchmal ist es nur ein Satz, der ein Leben auf den Kopf stellt. Wie bei Eva und Ada und ihren beiden Kindern, als Eva sagt: Kinder, Arne, Lotta, wollt ihr Ingo nicht einfach Papa nennen?Die Menschen in diesen zehn Erzählungen behaupten auf ganz unterschiedliche Weise ihren Platz und ihre Identität in einer Gesellschaft, in der sie als anders wahrgenommen werden, sei es, wegen ihrer sexuellen Orientierung, weil sie arm oder krank sind, oder sei es, weil ihre Eltern oder Großeltern einst aus einem anderen Land gekommen sind. Sie studieren, sie arbeiten als Lehrerin, im Theater, an sich selbst, als Anwältin, Reinigungskraft oder Fotografin. Und sie kämpfen mit sich, mit der Gesellschaft, um das was sie ausmacht: ihre Menschlichkeit.

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Personeninformation

Björn Bicker studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Allgemeine Rhetorik in Tübingen und Wien. Danach arbeitete er als Dramaturg am Wiener Burgtheater und den Münchner Kammerspielen und als freier Autor, Künstler und Theatermacher. Seit 2021 ist er Professor für "Kulturarbeit und Community Building" an der HAW Coburg. Zuletzt erschienen: "Was glaubt ihr denn. Urban Prayers" (2016). Er lebt mit seiner Familie in München.
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