Tisch und Bett

Gedichte
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Buchprofile - Rezension
Zielwasser auf die poetische Mühle: Wiglaf Drostes Nachlassband nutzt Komik als Waffe.
"Vitales Dissidententum" ist Wiglaf Droste immer wieder bescheinigt worden. Der Schriftsteller, Sänger und Vorlesekünstler ist durch seine Provokationen in Vers und Politglosse bekannt geworden. 2019 ist er, gerade einmal 57-jährig, gestorben. Für einen dritten Gedichtband hat er noch Texte zusammengestellt, sie sind unter dem Titel "Tisch und Bett" erschienen. Was in der Redewendung "von Tisch und Bett getrennt" ist, wird hier in Paar- und Kreuzreimen über Liebe und Politik, Leidenschaft und Sehnsucht, Gott und die Welt zusammengeführt, immer in dem Bewusstsein, dass man Glück nicht zementieren kann, aber dem Unglück kündigen muss, um von Herzen zu sündigen. Es sind meist kurze Gedichte, die den Deutschen die Leviten lesen, etwa wenn "Super-Gau" und "Gau-Land" in Verbindung gebracht werden, die vom weiblichen "Duft in der Luft" schwärmen, beschwingt von Reiseerlebnissen in Italien oder Portugal, von Köln und Leipzig plaudern und überhaupt die "Kunst der Heiterkeit" besingen. Droste beherrscht den groben Ton und und den feinen Stil. Er benutzt die Komik als Waffe gegen alles, was engstirnig und kleinherzig ist, und lässt dabei keine Autorität ungeschoren, auch die des eigenen Ichs nicht, um das es in einem Krankenhauszyklus geht. Ringelnatz, Tucholsky und Morgenstern sind die Vorbilder dieses Wort- und Witzkünstlers, der so gerne mit Spatzen auf Kanonen schießt und die Verhältnisse, die nicht so sind, wie mancher sie gerne hätte, zugunsten einer humorvollen Weltsicht umkehrt. Sehr empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

In »Tisch und Bett« sind Wiglaf Drostes Gedichte aus den letzten Jahren versammelt, die das Leben feiern und die Liebe, das Essen und das Trinken, von der Freude am Garten und am Fußball erzählen und - wie nicht anders zu erwarten - von den politischen Zumutungen: poetisch und polemisch, frech und fein. Behalten wir's im Auge,dass die Welt was tauge, dass aus der schönen, alten Erde wo möglich einmal eine werde.Wiglaf Droste hatte immer die »Welt im Auge«, den privaten Alltag und »das große Ganze«, auch in diesen, seinen letzten, Gedichten. Man ist, wie Gustav Seibt in der SZ schreibt, »von Sprachklang, Satzmelodien und Witz dieses perfekten Handwerkers« gebannt, von der Poesie, mit der er den Morgen besingt oder den Süden oder die Frauen: Sie sitzt im Bett und raucht Zigarre, / ich daneben, und ich starre / schwer begeistert und verliebt:/ Dass es solche Frauen gibt! Gebannt auch von dem Witz und der Wut: Alles gut! Alles gut! / Warum ist jetzt Alles gut? / Immer, immer Alles gut!, / bis das Hirn im Hintern ruht, / sagen alle: Alles gut! Man ist entzückt von Sprachspielen, den schnellen Haikus, einem Winterliebeslied und einem Schokoladenladengedicht. Es gibt kein Recht auf Heiterkeitsverzicht, davon war Wiglaf Droste überzeugt, und so balanciert die Heiterkeit die Melancholie in Tisch und Bett aus, und wir lesen diese letzten Gedichte als eine Hommage an das Leben.

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Personeninformation

Wiglaf Droste, 1961 in Herford (Westfalen geboren), war Schriftsteller, Sänger und Vorleser. Er schrieb für den Funk und diverse Zeitungen und gab mit Vincent Klink die literarisch-kulinarische Kampfschrift "Häuptling eigener Herd" heraus. Er hat zahlreiche Bücher und Hörbücher veröffentlicht. Ben-Witter-Preis 2003, Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 2005, im Frühjahr/Sommer 2009 Stadtschreiber im Schloss Rheinsberg. Am 15. Mai 2019 in Pottenstein (Oberfranken) gestorben.
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